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E-Bike im Test:Ein Pedelec von Porsche

Das Porsche E-Bike ist auffällig, gleichzeitig aber puristisch - und trägt an der Front das Markenlogo, das auch die Autos ziert.

(Foto: Rotwild/Porsche)

Schnell und teuer: Das Pedelec aus Zuffenhausen erinnert an seine Auto-Verwandten. Nur bei der Endgeschwindigkeit hapert es.

Von Felix Reek

Die großen Buchstaben auf dem Rahmen sind nicht zu übersehen: P-O-R-S-C-H-E. Wer fast 10 000 Euro für ein E-Bike investiert, will offenbar auch, dass sofort zu sehen ist, von wem es stammt. Obwohl andere Radfahrer vor allem das in die Sattelstange integrierte Rücklicht zu sehen bekommen dürften. Denn das Porsche E-Bike Sport ist schnell. Sehr schnell. Zumindest, wenn es um die Beschleunigung aus dem Stand geht. Da schießt das Pedelec geradezu nach vorn. Bis Tempo 25 erreicht ist - dann ist Schluss mit der Unterstützung des Motors. Der Gesetzgeber erlaubt nicht mehr. Das ist bei allen Pedelecs so, fühlt sich bei einem Fahrrad, das den Name Porsche trägt, aber besonders limitierend ein. Ein wenig wie ein 911er mit angezogener Handbremse.

Aber was soll das eigentlich, ein E-Bike von Porsche? Natürlich ist das vor allem Marketing. Elektromobilität und damit auch Fahrräder mit E-Unterstützung liegen im Trend, und das Image lässt sich damit auch aufpolieren. Die Marke Porsche mag in der sentimentalen kollektiven Wahrnehmung für Sportwagen stehen, in Wahrheit verkauft der Konzern seit Jahren vor allem SUVs - denen in weiten Teilen der Bevölkerung noch weniger Sympathie entgegengebracht wird als laut durch Innenstädte bollernden Flundern.

Die Ausführung ist sportlich, der breite Lenker des Porsche E-Bike erinnert aber eher an ein Mountainbike.

(Foto: Rotwild/Porsche)

Das Porsche E-Bike ist inspiriert vom Taycan

Die Referenz für das E-Bike ist deswegen auch kein 911 oder der Cayenne, sondern das elektrische Sportcoupé Taycan. "Die organische Form" sei von dessen "Dachlinie inspiriert", so heißt es in der Pressmitteilung zum Fahrrad. Was auch mit viel Fantasie nicht zu erkennen ist. Richtig ist aber: Das Rahmendesign ist tatsächlich sehr elegant und puristisch. Alle Kabel wurden im Rahmen versteckt, der 504 Wh Akku sitzt im Unterrohr. Entworfen wurde das E-Bike von Porsche Design, die von Taschen über Uhren bis hin zu Shishas eine ganze Lifestyle-Marke um den Autohersteller aufgebaut haben. Die Umsetzung übernahm der Edel-Fahrrad-Hersteller Rotwild, dessen Bikes sich in ähnlichen preislichen Dimensionen einpendeln wie das Pedelec für den Autohersteller - ganz ohne Porsche-Logo.

Dementsprechend wurde bei den Komponenten nicht gespart. Das Porsche E-Bike Sport besitzt riesige Magura-MCi-Bremsscheiben, den bulligen EP8-Motor von Shimano und eine Shimano-XT-Di2-Schaltung mit elf Gängen. Insgesamt wiegt das Pedelec 21 Kilogramm und ist vollgefedert, allerdings eher straff ausgelegt. Schutzbleche, Reflektoren oder gar einen Ständer gibt es in der Grundausstattung nicht. Das stört nur die schlichte Optik - erweist sich im Alltag aber als Nachteil: Die Reifen, eine Art Fahrrad-Slicks, fahren sich zwar fast lautlos und mit minimalem Rollwiderstand, passen aber aufgrund ihrer Breite in keinen herkömmlichen Radständer. Dafür brillieren sie auf Straßen, offroad sind sie akzeptabel, kommen auf Geröll aber schnell ins Rutschen. Alternativ bietet Porsche das E-Bike als Cross Version an - dann ist es mit knapp 8000 Euro zumindest 2000 Euro billiger als die Rennversion.

Der Rahmen des Porsche E-Bikes ist vollgefedert.

(Foto: Rotwild/Porsche)

Teuer, trotzdem ausverkauft

Um das Fahrrad ein bisschen mehr in Richtung der Automarke zu rücken, leistet sich das E-Bike ein paar Gimmicks: zum Beispiel den für die Modelle der Marke typischen Startknopf, der beim Pedelec auf dem Oberrohr sitzt. Zudem rasten die Gänge deutlich hörbar ein, und das Porsche E-Bike Sport besitzt einen besonders lauten Leerlauf, sodass das Rad schon von Weitem zu hören ist. Als Bonus gibt es für das Pedelec wie bei vielen neuen E-Bikes auf dem Markt ein schaltbares Fernlicht. Die Kundschaft kennt das von der linken Spur auf der Autobahn. Seltsam ist eher die Vordergabel, die sich samt Rad nicht einmal um 45 Grad einschlagen lässt. Das sorgt dafür, dass das Porsche-Bike nur schwer in den Kofferraum passt, ohne das Vorderrad zu demontieren.

Um diesem Problem vorzubeugen, gibt es als Extra einen speziellen Heckträger für den Porsche Taycan Cross. Falls der bereits in der Garage steht. Fehlt zur Vervollständigung nur noch das passende Rad der Marke. Das ist laut Rotwild und Porsche wie viele E-Bikes gerade aufgrund von Lieferschwierigkeiten ausverkauft. Aber längere Wartezeiten kennen die Kunden von Porsche ja bereits von den limitierten Sondermodellen der Marke.

© SZ
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