Bahnticket Tschüss, schönes Wochenende!

Eine Kundin am Fahrkartenautomat der Deutschen Bahn: Vom 8. Juni an wird es hier das Schönes-Wochenende-Ticket nicht mehr geben.

(Foto: Inga Kjer/dpa)

Mit dem Schönes-Wochenende-Ticket begründete die Bahn Mitte der Neunzigerjahre das billige, aber zeitaufwendige Reisen - insbesondere junge Leute nutzten das Ticket intensiv. Nun schafft sie das Angebot ab. Warum eigentlich?

Von Marco Völklein

An das Schönes-Wochenende-Ticket, abgekürzt: SWT, hat Sascha Reischel aus Frankenthal bei Mannheim "nur gute Erinnerungen", wie er sagt. Als die Deutsche Bahn (DB) das Ticket im Februar 1995 auf den Markt brachte, kauften sich Reischel und seine Kumpels einen Kasten Bier, setzten sich in die nächste Regionalbahn und fuhren einmal quer durch Baden-Württemberg und Bayern bis an die österreichische Grenze in Freilassing auf ein Konzert - inklusive mehrerer Umstiege etwa in Mannheim, Stuttgart, Ulm und München. Das Besondere dabei: Das Ticket kostete damals nur 15 D-Mark und berechtigte bis zu fünf Personen, ein ganzes Wochenende lang in sämtlichen Regionalzügen der DB zu reisen. Für junge Leute wie Reischel war das ein Schnäppchen. "Und ein bisschen Abenteuer war auch dabei", erzählt er.

Doch das Abenteuer endet bald. Anfang Juni stellt die DB den Verkauf des SWT ein. "Das Reiseverhalten hat sich verändert", begründet ein Bahnsprecher den Schritt. Als der Konzern das SWT in den Neunzigerjahren startete, gab es noch keine Supersparpreise in den Fernzügen der Bahn, keine Fernbusse und keine Billigflieger. "Das komplette Tarifgefüge war anders", sagt der Sprecher. Entsprechend groß war die Nachfrage insbesondere bei jungen Leuten, die mit dem SWT günstig durch die Republik fahren konnten - auch wenn sie dafür mehr Zeit einplanen mussten. "Das Ticket war ein Knaller damals", sagt der Sprecher. Beliebte Ausflugsziele, die aus den großen Städten gut mit der Bahn zu erreichen waren, wie beispielsweise Westerland auf Sylt oder der Spreewald südöstlich von Berlin, erfuhren einen regelrechten Gästeansturm an den Wochenenden.

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Mittlerweile aber habe die Nachfrage nach dem SWT spürbar nachgelassen, erklärt die DB. Konkrete Absatzzahlen will der Konzern aber nicht nennen. Ohnehin wurde das SWT über die Jahre teurer: Derzeit zahlt ein Reisender 44 Euro, jeder Mitfahrer kostet sechs Euro (bis zu vier Mitreisende sind möglich). Bei Kauf am Schalter kommen zwei Euro Servicegebühr dazu. Zudem gilt das Ticket seit 1999 nicht mehr an beiden Tagen des Wochenendes, sondern nur noch für einem Tag. Aber auch das nicht mehr lange: Im Juni ist Schluss.

Als Alternative verweist die DB auf das Quer-durchs-Land-Ticket, oder wie es Eisenbahner nennen: das QDL-Ticket. Das ist ähnlich konzipiert wie das SWT, gilt aber nicht nur am Wochenende, sondern an allen Tagen der Woche - und kostet daher auch etwas mehr: Zwar zahlt ein Alleinreisender auch beim QDL 44 Euro, pro Mitfahrer werden aber acht Euro fällig. "Das aber ist das kleinste Problem", sagt Lukas Iffländer vom Fahrgastverband Pro Bahn.

In vielen Nahverkehrsverbünden gilt das alternative Ticket der Deutschen Bahn nicht

Die Kundenvertretung stört sich vielmehr daran, dass im Kleingedruckten beim QDL-Ticket manches doch anders ist als beim SWT. Denn während man mit dem Schönes-Wochenende-Ticket in vielen Nahverkehrsverbünden auch die Busse und Bahnen nutzen konnte, also in Berlin etwa die Verkehrsmittel der städtischen BVG, gibt es dies beim QDL nicht. Der Vorteil beim QDL sei lediglich: Es gilt auch von Montag bis Freitag, dann allerdings erst von neun Uhr an, sagt Iffländer - mehr aber auch nicht. Wer innerhalb eines Bundeslandes reist, kann zudem Ländertickets nutzen, die ähnlich gestrickt sind.

Der Konzernsprecher verweist indes auf Untersuchungen, wonach etwa jeder fünfte SWT-Nutzer trotz der Gültigkeit in den einzelnen Verbünden sich ein zusätzliches Nahverkehrsticket für Bus oder Straßenbahn gekauft habe - schlicht weil die Tarifbedingungen en detail eben doch nicht geläufig waren. Beim QDL sei das nun klar: Der Fahrschein gilt für die "große Eisenbahn" im Nahverkehr, auch auf vielen von DB-Konkurrenten betriebenen Strecken etwa beim Meridian in Bayern oder der ODEG in Brandenburg. Wer umsteigt in Bus, U- oder Straßenbahn, um weiterzukommen an sein Ziel, der müsse ein weiteres Ticket lösen. Die Pro-Bahn-Leute sind dennoch unzufrieden: Sie fordern, "das Beste aus zwei Welten zu machen" - also das QDL-Ticket mit seiner Gültigkeit an allen Tagen der Woche zu verbinden mit der Einsatzmöglichkeit in sämtlichen Bussen und Bahnen.

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