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Autonomes Fahren:Selbstfahrende Autos brauchen weiterhin Menschen am Steuer

Selbstständig fahrende Autos

Der Fahrer muss auch künftig jederzeit die Kontrolle über das Auto übernehmen können - sogar wenn es sich um ein selbstfahrendes handelt.

(Foto: Daniel Naupold/dpa)
  • Die Bundesregierung hat mit einem Gesetzentwurf erstmals Regelungen für selbstfahrende Autos auf den Weg gebracht.
  • Dabei geht es zunächst nur um hochautomatisiertes Fahren auf Teilstrecken. Damit können selbstfahrende Autos auf Straßen ohne Gegenverkehr fahren.
  • Der Mensch am Steuer muss aber jederzeit die Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen können. Außerdem muss darin ein Datenschreiber installiert sein.

Die Bundesregierung hat den nächsten Schritt in die automobile Zukunft getan. Am Mittwoch wurden Regelungen für Serienfahrzeuge beschlossen, die auf öffentlichen Straßen selbständig lenken, bremsen und Gas geben können. Der Weg ist allerdings weiter, als der Gesetzesentwurf auf den ersten Blick glauben macht. Die wichtigsten Fragen.

Was steht im Gesetzesentwurf?

In der Präambel ist zwar von "Kraftfahrzeugen mit weiterentwickelten automatisierten Systemen (hoch- oder voll automatisiert)" die Rede, tatsächlich geht es aber zunächst nur um hochautomatisiertes Fahren auf Teilstrecken (Experten sprechen von Level 3): "Der Fahrzeugführer kann dem technischen System in bestimmten Situationen die Fahrzeugsteuerung übergeben", heißt es. Im Grunde handelt es sich also nur um die nächste Entwicklungsstufe der Assistenzsysteme - die heute auf Level 2 schon im Einsatz sind.

Worin besteht der Fortschritt?

Auf Straßen ohne Gegenverkehr wird künftig automatisiertes Fahren möglich. Wie ein Chauffeur übernimmt die Maschine also die Routinearbeiten, während der Fahrer die Hände in den Schoß legen kann. Doch ohne den Fahrzeugführer als Rückfallebene geht es noch nicht. Hoch automatisierte Fahrzeuge haben noch immer Schwierigkeiten, aus der Datenflut vieler separater Sensoren und Steuergeräte ein verlässliches Modell des Fahrzeugumfelds zu generieren. Dafür ist eine zentrale Entscheidungsinstanz nötig, die falsche Informationen aus der Datenflut vieler unterschiedlicher Sensoren herausfiltern und das Verkehrsgeschehen wie ein Mensch im Kontext verstehen kann - wenn es den Menschen tatsächlich komplett ersetzen soll.

Von solchen voll automatisierten Systemen (Level 4 und Level 5) ist immer wieder die Rede. Doch sowohl in den USA als auch bei der Neuregelung unseres Straßenverkehrsgesetzes sind Robotertaxis ohne Lenkrad und Pedale noch nicht erlaubt.

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Kann sich der Fahrer ausklinken?

Dass der Fahrer während der Fahrt ein Buch lesen oder im Internet surfen darf, steht nicht in dem Entwurf. Anstelle der erlaubten Ablenkungen gibt es eine Reihe neuer Vorschriften. Zum Beispiel, dass der automatisierte Betrieb zulässig ist, "wenn die Funktion bestimmungsgemäß verwendet wird".

Schon im Vorwort heißt es scheinbar beiläufig: "Durch dieses Gesetz entstehen für Bürgerinnen und Bürger in Einzelfällen Aufwand für die Beweisführung hinsichtlich der Frage, wer das Fahrzeug zu einem bestimmten Zeitpunkt gesteuert hat." Im Klartext heißt das, dass ähnlich wie im Flugzeug ein Datenschreiber alle Vorgänge im Auto protokolliert. Zudem muss eine Innenraumkamera überwachen, ob ein Mensch hinter dem Steuer wahrnehmungs- und übernahmebereit ist.

Der Fahrer ist also unverzichtbar?

Ganz ohne menschliche Aufsicht können die Maschinen lediglich im Schritttempo durch menschenleere Parkhäuser fahren - und die Passagiere vor dem Parkhaus absetzen. Auch dann gilt: Das System muss jederzeit manuell übersteuerbar oder deaktivierbar sein. Wenn die Maschine nicht mehr weiter weiß, muss sie "dem Fahrzeugführer das Erfordernis der eigenhändigen Fahrzeugsteuerung rechtzeitig optisch, akustisch oder taktil anzeigen". Sollte der Fahrer nicht reagieren, bleibt das Auto mit eingeschalteten Warnblinkern einfach am Straßenrand stehen.

Das Gesetz geht sogar so weit, dass der Fahrzeugführer übernehmen muss, "wenn er erkennt oder auf Grund offensichtlicher Umstände erkennen muss, dass die Voraussetzungen für eine bestimmungsgemäße Verwendung der hoch- oder voll automatisierten Fahrfunktionen nicht mehr vorliegen." Besonders bei Nebel, Regen oder bei Schnee heißt es aufpassen.

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