Autonomes Fahren Der neue Audi A8 kann mehr, als die Polizei erlaubt

Der neue Audi A8 bei seiner Weltpremiere in Barcelona.

(Foto: Pau Barrena/Bloomberg)
  • Der neue Audi A8 ist das erste Auto mit einem serienmäßigen 48-Volt-Bordnetz und einem zentralen Supercomputer in Tablet-Größe.
  • Damit realisiert Audi unter anderem ein Assistenzsystem namens AI Staupilot, das selbstlernend sein soll.
  • Allerdings ist es fraglich, ob sich der große Aufwand lohnt, weil sich auch die Konkurrenz in der Oberklasse rasant entwickelt.
Von Joachim Becker

Piëch-Wagen, so könnte man den neuen A8 auch nennen. Selten ist ein Hoffnungsträger mit so viel Altlasten gestartet: 2013 hatte Audi gerade wieder einen Entwicklungsvorstand verschlissen. Die VW-Granden waren alarmiert. Auf Geheiß des Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch und von Konzernchef Martin Winterkorn übernahm ein erfahrener Techniker das Ressort in Ingolstadt. Eigentlich ein Rückschritt für Ulrich Hackenberg, der die VW-Entwicklung leitete und die Innovationen im gesamten Konzern koordinierte. Doch nach der Dauerkritik am monotonen Audi-Design und zögerlichen Innovationen gab es keine Alternative: Der nächste A8 muss nun liefern und das Versprechen "Vorsprung durch Technik" endlich einlösen.

Klotzen, nicht kleckern: Der A8 wird mit allem bestückt, was an Innovationen gut und vor allem teuer ist. Zum Beispiel mit dem weltweit ersten serienmäßigen 48-Volt-Bordnetz. Damit angetrieben, kann das Fahrwerk jedes Federbein vorausschauend einstellen. Vorausgesetzt eine Kamera scannt die Straße und ein Supercomputer verarbeitet die Bilddaten beinahe in Echtzeit. Mit einem herkömmlichen Steuergerät ist das nicht zu machen.

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"Beim neuen A8 setzen wir den besten und komplexesten Computer in der Automobilindustrie ein", sagt Alejandro Vukotich, "darauf sind wir stolz." Er ist nicht nur für das automatisierte Fahren bei Audi zuständig, sondern trägt auch konzernweit die Verantwortung für die Technologie. Schon 2015 fuhr ein Audi-Prototyp autonom durch Nordamerika. Damals steckte der gesamte Kofferraum voller Computer. Beim neuen A8 ist das Zentralhirn auf die Größe eines kleinen Tablet-Rechners geschrumpft. Damit können die Live-Bilder von sechs Kameras gleichzeitig verarbeitet werden. Trendsetter ist Audi auch mit einem Lidar-Scanner, wie er bisher nur bei (Google-)Prototypen verwendet wurde. Fragt sich nur, wie viel Vorsprung durch Technik die Ingolstädter herausfahren können.

Vukotich gibt offen zu, dass der Entwicklungsaufwand zuletzt immens war: Beim zentralen Fahrerassistenzsteuergerät, kurz: ZFAS, haben 15 Partner an 35 Software-Modulen gearbeitet. "Das hat uns nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch an die Grenzen gebracht", berichtet der Elektrotechniker.

Der Staupilot, ein selbstlernendes System

Der neue A8 trennt erstmals konsequent die Soft- von der Hardware. Die Rohdaten werden nicht wie bisher in den einzelnen Sensoren oder Steuergeräten, sondern zentral im ZFAS ausgewertet. Der Supercomputer kann alle eingehenden Informationen miteinander abgleichen und auf Fehler überprüfen. Das ist ein deutlicher Sicherheitsgewinn über bisherige Assistenzsysteme wie Teslas Autopilot hinaus.

Bislang war der Mensch als Kontroll- und Rückfallebene für alle Assistenzsysteme unabkömmlich. Jetzt kann die Luxuslimousine auch längere Zeit ohne den Fahrer agieren. Deshalb heißt das System AI Staupilot: AI steht für artificial intelligence, künstliche Intelligenz. Gemeint ist ein selbstlernendes System, das nicht sofort abschaltet, sobald eine unerwartete Situation eintritt. Der Staupilot managt Anfahren, Beschleunigen, Lenken und Bremsen, während der Fahrer den Blick abwenden kann. Sobald das System an seine Grenzen stößt, fordert es den Fahrer auf, die Aufgabe selbst zu übernehmen.