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Automobilgeschichte:Die Mutter aller Sportlimousinen

Alfa Romeo Museo Storico in Arese

Das neue Alfa-Romeo-Museum beschäftigt sich natürlich auch mit den Anfängen der Marke um 1910.

(Foto: Sebastian Hofmann)

Noch erfolgreicher waren die Nachfolger Giulietta (1955 bis 1964) und natürlich die Giulia (1962 bis 1978), Mutter aller Sportlimousinen, von der insgesamt fast 573 000 Stück verkauft wurden. Gegen Ende der kleinen Zeitreise hat der vom heutigen Volkswagen-Designchef Walter de'Silva gezeichnete 156 seinen Platz, der 1997 zumindest formal den Neubeginn einleitete. Mit gut 680 000 verkauften Exemplaren wurde auch er zum Erfolg.

Eines der schönsten Stücke der Sammlung findet man aber im Bereich "Italienische Schule", dort wo sich die nach dem Leichtbauprinzip (Superleggera) konstruierten Karosserien von Touring aus den 1930er- und 1940er-Jahren versammeln. Den in Lichtblau gehaltenen 8C 2900 B Lungo bezeichnen die Ausstellungsmacher als den ultimativen Alfa Romeo.

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Natürlich können die Besucher zu jedem Exponat entsprechende Erklärungen lesen, allerdings nicht allzu detailliert - ein Prinzip des Museo Storico. "Wir wollen dem schnellen Besucher die Marke vor allem emotional näherbringen", erklärt Lorenzo Ardizio, stahlgraue Augen, durchdringender Blick. "Wer es dann genauer wissen will, für den gibt es eine App, den umfangreichen Katalog oder gleich das Archiv." Trotzdem wünschte man sich da und dort mehr Tiefe.

Besonders schmerzlich wird das im Erdgeschoss, wo es um Bellezza, die Schönheit, geht. Die Ausstellungsstücke: acht Designbeispiele aus unterschiedlichen Epochen unter dem Titel "Traumwagen" - unter anderem ein A.L.F.A. 40/60 HP Aerodinamica, eine flugzeugähnliche, aus Aluminium gefertigte Zigarre von 1913, die an den Tropfenwagen von Rumpler aus Berlin erinnert. Oder der 1900 C52 Disco Volante, betörend anzuschauen, mehr als 220 km/h schnell und einer fliegenden Untertasse in der Tat nicht unähnlich.

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Einige Fragwürdigkeiten

Die Reihe der Schönheiten ließe sich fortsetzen bis hin zu diversen Design-Studien wie den keilförmigen Carabo von 1968 mit einer Karosse von Bertone, dessen Design später bei Lamborghini aufzuflammen schien. Trotzdem vermisst man da und dort tiefere Einblicke in den Zauber des formgebenden Handwerks in seiner Zeit. Und auch so manches Modell ist nicht ausgestellt, wie die 1750 Berlina, einst Nachfolger der Giulia-Limousine, oder das GTV-Coupé vom Anfang der Achtzigerjahre. Dass man über Flops wie den kompakten Arna, ein Kind der vorübergehenden Allianz mit dem japanischen Nissan-Konzern in den Achtzigern gerne hinweggehen möchte, ist zwar verständlich, aber markenhistorisch fragwürdig.

So oder so: Im Untergeschoss wartet die Abteilung mit dem klangvollen Namen Velocitá, Höhepunkt für Alfa-Fans im Museo Storico. Schließlich sind und waren Rennen viele Jahrzehnte lang die Glut, in der die Marke zur Legende härtete. Hier trifft man sie wieder, die Grand-Prix-Wagen der späten 1920er-, frühen 1930er-Jahre wie den Grand Prix Tipo P2 oder den 6C 1500 Super Sport von 1928 mit dem ersten von Vittorio Janos legendären Reihen-Sechszylindern, wir sehen die Gran Premio Tipo A und Tipo B oder die Weltmeister-Alfettas 158 und 159. Es waren Jahrzehnte, wie sie nur die Italiener liefern, Triumph und Tragödie in wildem Wechsel, später die 60er-Jahre mit den Rudeln der GTA, noch später die Tipo 33 in der Sportwagenweltmeisterschaft und die Formel-1-Wagen natürlich, bis zum endgültigen Ausstieg der Marke 1985.

Was dem Mutterkonzern das neue alte Museo wert war, darüber schweigt Ardizio eisern und ob das Ganze am Ende so aussehen soll, wie bei Mercedes, BMW oder Audi, wo sich hoch professionalisierte Geschäftsbereiche sich schon seit langem um die Pflege der Tradition kümmern. "Jetzt haben wir erst mal das Museum fertig, dann sieht man weiter." Und Miene des Kurators lässt ahnen, dass schon das ein ziemlicher Kraftakt war. Gelungen ist er jedenfalls.

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