Neuvorstellung Alfa Romeo GiuliaJulchen muss es richten

Alfa Romeo leitet seine Modelloffensive mit einem Knall ein: Die neue Giulia versucht es mit Design, starken Motoren und großen Emotionen. Es ist ihre einzige Chance.

Von Thomas Harloff

Ein Mythos ist dem Duden zufolge eine "Person, Sache, Begebenheit, die (aus meist verschwommenen, irrationalen Vorstellungen heraus) glorifiziert wird, legendären Charakter hat." Folgt man dieser Definition, passt sie perfekt zu Alfa Romeo. Denkt man an die Autos mit dem legendären "Scudetto" (Schildchen) genannten dreieckigen Kühlergrill, denkt man an wunderschön geformtes Blech. An wohlkomponierte, von kräftigen Motoren erzeugte Klänge. An Modelle wie die sportlichen GTAs und den Spider, der es bis nach Hollywood schaffte. Natürlich auch an Giulietta und Giulia (Foto), die schönsten und feurigsten Autos, die die automobile Mittelklasse damals zu bieten hatte.

Ein Mythos ist aber auch etwas von Gestern. Bei Alfa Romeo sogar im Vorgestern. Die Alfas der Fünfziger-, Sechziger- und Siebzigerjahre haben den Mythos befeuert, noch mehr als die sagenumwobenen Modelle der Vorkriegszeit. Nichts was kam, nachdem Fiat 1986 die Regentschaft in Mailand übernahm, hat wirklich etwas zur Legendenbildung beigetragen. Die aktuellen Modelle schon gar nicht. Entsprechend düster sieht das Heute für die Italiener aus: Etwa 74 000 Autos verkaufte Alfa Romeo im gesamten Jahr 2014, nicht einmal 3400 davon in Deutschland. Gäbe es den Mythos nicht, die Marke stünde vor der Irrelevanz.

Bild: FCA Germany AG 25. Juni 2015, 12:472015-06-25 12:47:39 © SZ.de/harl/ihe/rus