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Audi Q8 im Test:Das Getriebe schwankt zwischen träge und hektisch

Das Manko des Q8 ist sein müder Antrieb. Der V6 ist antrittsschwach, mag aber auch nicht hoch drehen. Erst wenn die Turbo-Gedenksekunde verstrichen ist, kommt der Motor mit Vehemenz zur Sache, wobei man über die pseudo-sportliche Begleitmusik im S-Modus durchaus diskutieren kann. Die Schaltstrategien in den beiden Fahrprogrammen schwanken zwischen träge und hektisch, wobei die Gangwechsel auch mal ruppig ausfallen können.

Der Fahrer darf zwischen sieben Profilen wählen, die unter anderem Lenkung, Antrieb und Aufhängung nach Wunsch konfigurieren. Dazu gibt´s auf Wunsch vier Assistenzpakete für Langstrecke, Stadt, Nachtfahrten und Einparken. Als weiterer Superlativ wird der Fahrzeugschlüssel angepriesen, auf dem sich bis zu 400 Lieblingseinstellungen bis hin zur Duftnote des Waschwassers speichern lassen.

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Fahren kann er auch, der neue Q8. Ziemlich gut sogar, selbst wenn statt der serienmäßigen 19-Zoll-Räder fette 22-Zöller montiert sind. Klar, der Langsamfahrkomfort ist dann nicht überragend, aber die Grundgeschmeidigkeit des luftgefederten SUV überzeugt, eigenmächtige Aufbaubewegungen sind kein Thema, und das Geräuschniveau ist selbst bei höherem Tempo so niedrig, dass man sich unterhalten kann, ohne die Stimme zu heben.

Bergauf lassen die 600 Newtonmeter in Verbindung mit dem Allradantrieb samt dynamischer Momentenverteilung das hohe Fahrzeuggewicht fast vergessen, doch bergab will jeder Zentner des 2,2 Tonners einzeln um Ecken gewuchtet und verzögert werden. Da schiebt die Schnauze schon mal weg vom Scheitelpunkt, flüchtet sich die Bremse in den ABS-Regelbereich, lässt der Grip langsam nach. Trotzdem hält die Balance, bleibt das Auto leicht beherrschbar, wahrt die Technik einen Respektabstand zum Grenzbereich. Andere Hersteller hätten das Fahrzeugkonzept emotionaler ausgelegt, doch bei Audi liebt man kühle Perfektion und absolute Souveränität. Die Hinterradlenkung verleiht dem Q8 eine gewisse Leichtfüßigkeit in Kurven, verbessert den Geradeauslauf und macht Einparkmanöver auf engem Raum zum Kinderspiel.

Der Q8 verdient einen stärkeren Motor, eine stimmigere Anbindung zum Getriebe, mitteilsamere Fahreigenschaften, ein zugänglicheres Bedienkonzept. Gut ausgestattet ist auch dieser Audi ziemlich teuer, aber es sind eben genau diese teuren Extras, die aus einem Allerweltsauto etwas Besonderes machen. Das gilt für Technik und Optik, die erst im konzertierten Zusammenspiel Akzente setzen. Ob der Preisabstand zum spritzigeren Q5 gerechtfertigt ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wer das Coupé wählt, sollte warten, bis Audi dem Antriebsstrang die Marotten ausgetrieben hat.

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