Abgasskandal Ein bisschen Nachrüstung für Dieselautos

Audi und BMW sind bereit, die Kosten für die Nachrüstung von Euro-5-Dieseln zu bezahlen.

(Foto: dpa)
  • Audi und BMW haben zugesagt, die Nachrüstung von Euro-5-Dieseln selbst zu bezahlen, um Fahrverbote in Innenstädten abzuwenden.
  • Allerdings können nur etwa 50 Prozent der betroffenen Autos umgerüstet werden; es soll sich um eine Software-Lösung handeln.
  • Fachleute sind allerdings skeptisch, ob ein reines Software-Update die Autos wirklich spürbar sauberer macht.
  • Auch Daimler kündigte am Dienstag an, seine Nachbesserungen auf mehr als drei Millionen Autos auszuweiten.
Von Peter Fahrenholz

Um drohende Fahrverbote wegen der hohen Stickoxidemissionen durch Diesel-Pkw zu verhindern, ist die Autoindustrie offenbar bereit, die Nachrüstung von Euro-5-Dieseln zu bezahlen. Allerdings handelt es sich dabei lediglich um ein Software-Update, nicht um den Einbau von aufwendigen Systemen zur Abgasreinigung. Diese wären wesentlich teurer.

Die bayerische Staatsregierung teilte am Dienstag mit, BMW und Audi hätten zugesagt, die Kosten für eine Software-Nachrüstung zu tragen. Damit könnten nach Angaben der beiden Autohersteller für mindestens 50 Prozent ihrer Euro-5-Diesel-Flotte die Stickoxid-Werte um ein "relevantes Niveau" gesenkt werden. So steht es in einer gemeinsamen Erklärung von Regierung und bayerischer Fahrzeugindustrie, die bereits vom 28. Juni stammt.

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Audi-Entwicklungsvorstand Peter Mertens bestätigte der Süddeutschen Zeitung, bei Audi werde es "die Bereitschaft geben", die Nachrüstungskosten für Euro-5-Diesel zu tragen. Auch BMW bestätigte diese Bereitschaft, die allerdings nur gelte, wenn alle anderen Hersteller mitmachten. Laut Audi koste eine neue Software etwa 50 Euro, dazu kämen ähnlich hohe Werkstattkosten.

Daimler kündigte am Dienstag an, die Nachbesserung seiner Diesel-Antriebe auf mehr als drei Millionen Fahrzeuge auszuweiten; die Stuttgarter Staatsanwaltschaft verdächtigt Daimler, Abgaswerte manipuliert zu haben.

Es ist allerdings umstritten, was ein reines Software-Update wirklich bringt. Nach Einschätzung von Fachleuten lassen sich damit die Stickoxid-Emissionen bestenfalls halbieren. Das würde bei vielen Euro-5-Dieseln aber nicht reichen, um auch nur in die Nähe des Euro-6-Grenzwertes von 80 Milligramm Stickoxid (NOx) pro Kilometer zu kommen. Denn die vergleichsweise jungen Euro-5-Modelle (die Norm wurde im Herbst 2009 zum Standard) stoßen nach Angaben des Umweltbundesamtes durchschnittlich 906 mg/km NOx aus und sind damit noch schlimmere Luftverpester als die älteren Euro-4-Fahrzeuge.

"Ein Software-Update bringt gar nichts"

Ungeklärt ist bei einem Software-Update auch, inwieweit die Fahrdynamik darunter leidet und der Verbrauch des Fahrzeugs steigt. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hält eine reine Software-Nachrüstung für völlig unzureichend. "Ein Software-Update bringt gar nichts", sagte Dudenhöffer zur SZ.

Der Einbau einer wirksamen Abgasreinigung mittels Harnstoffeinspritzung (AdBlue) wäre dagegen sehr komplex, womöglich gar nicht für alle Modelle technisch machbar und weitaus teurer. Dudenhöffer beziffert die Kosten auf 1500 bis 2000 Euro pro Auto und ist überzeugt, dass sie am Ende an den Käufern hängen bleiben.

Das politische Geschacher um die Diesel-Nachrüstung dürfte weitergehen. Bayern hat in seinem Maßnahmenpaket ein weiteres Instrument verpackt, das der Industrie gefallen dürfte: Kaufanreize für neue Euro-6-Diesel. Damit, so die Hoffnung, könnten noch ältere Diesel-Autos schneller von den Straßen verschwinden. Am Dienstag wurde eine Studie veröffentlicht, wonach in München in einem Viertel aller Hauptstraßen die Stickstoffdioxid-Werte teilweise massiv überschritten werden.

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