Unwetter Wie Klimawandel und Starkregen zusammenhängen

  • Extremer Regen wie zuletzt in Niederbayern könnte künftig häufiger vorkommen, sagen Klimaforscher.
  • Am stärksten dürften die steigenden Temperaturen zu der Veränderung beitragen.
  • Der Deutsche Wetterdienst sieht in Deutschland bereits einen "Trend zu mehr Tagesniederschlägen von mehr als 30 Litern pro Quadratmeter".
Von Christoph Behrens

Die heftigen Regenfälle der vergangenen Tage in Deutschland, die Sturzfluten in Braunsbach in Baden-Württemberg und Triftern in Niederbayern könnten Vorboten von insgesamt extremeren Niederschlägen in Mitteleuropa sein. Darauf deuten Auswertungen von Regenfällen der vergangenen Jahrzehnte und aktuelle Klimaprognosen hin. In den meisten Weltgegenden sei gemäß der meisten Klimaszenarien häufiger mit Starkregen zu rechnen, und damit einhergehend mit mehr Sturzfluten, schreibt der Weltklimarat IPCC in seinem aktuellen Report.

"Wir müssen in Zukunft mit einer deutlichen Zunahme von extremen Niederschlägen rechnen", sagt Stefan Rahmstorf, Leiter des Forschungsbereichs Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Das Institut hat globale Regendaten von 1901 bis 2010 ausgewertet; seit 1980 hätten Rekord-Regen-Ereignisse zugenommen und traten zuletzt um 26 Prozent häufiger auf als in einem unveränderten Klima, schreiben PIK-Forscher im Fachmagazin Climatic Change. Zu solchen verheerenden Ereignissen zählen die Wissenschaftler etwa extreme Regenfälle in Pakistan 2010, oder Blitzfluten in Texas im selben Jahr. Für Europa beträgt die Zunahme mehr als 30 Prozent. Das würde bedeuten, dass mittlerweile mehr als jedes fünfte Starkregen-Ereignis auf dem Kontinent wegen des Klimawandels passiert.

Alpenvorland und Mittelgebirge gefährdet

Am stärksten dürften die steigenden Temperaturen zu der Veränderung beitragen. Von 1881 bis 2013 ist die durchschnittliche Lufttemperatur in Deutschland um 1,2 Grad gestiegen. Wärmere Luft nimmt mehr Wasserdampf auf, der als Regen wieder zur Erde fällt. Zudem steigt vereinfacht gesagt mit höherer Temperatur und Luftfeuchtigkeit das Risiko für Gewitter. Bis Ende des 21. Jahrhunderts könnte es - je nach Anstrengungen beim Klimaschutz - in Deutschland noch einmal um bis zu vier Grad wärmer werden. Das Umweltbundesamt (UBA) erwartet, dass es vor allem im Winter nasser wird. Zwischen fünf und 25 Prozent mehr Niederschläge sollen in den Monaten von September bis Mai fallen.

Allerdings gibt es regional große Unterschiede. Die meisten Starkniederschläge - das bedeutet mehr als 20 Millimeter Wasser pro Stunde - bekommen aktuell das Alpenvorland und die Mittelgebirge ab. Diese kurzen und heftigen Unwetter sind besonders gefährlich, da sie kleine Bäche und Flüsse in kurzer Zeit über die Ufer treten lassen, wie kürzlich in Triftern geschehen. Solchen blitzartigen Überschwemmungen fallen vor allem hügelige Gebiete anheim, wo das Wasser schnell zu einem Ort abfließt und sich dort staut. Zudem sind die Sturzfluten nur schwer vorhersehbar, da sie örtlich sehr begrenzt wüten.

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Der Deutsche Wetterdienst sieht in Deutschland bereits einen "Trend zu mehr Tagesniederschlägen von mehr als 30 Litern pro Quadratmeter". Schreitet der Klimawandel ungebremst voran, so könnte es im Schwarzwald oder in der Nähe der Alpen gegen Ende des Jahrhunderts an sieben zusätzlichen Tagen pro Jahr Starkregen geben, schätzt das UBA. Fällt der Klimawandel schwächer aus, sind nur noch wenige Orte von mehr Starkregen bedroht, etwa die Region um Landshut in Niederbayern. Obwohl der Schwerpunkt der Vorhersagen deutlich in Süddeutschland liegt, seien die Schätzungen aber bislang mit großen Unsicherheiten behaftet, schränkt das Umweltbundesamt ein.

Zusammenhang mit Erwärmung der Arktis vermutet

Auch länger anhaltender Dauerregen wird mittlerweile mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht. So könnten etwa die schweren Überschwemmungen auf dem Balkan 2014 mit einer Veränderung von Luftströmen in der Atmosphäre zusammenhängen. Mehr als eine Woche hing das Tiefdruckgebiet Yvette über Serbien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina, statt abzuziehen. Es regnete einen Tag nach dem anderen. In einer Studie im Fachblatt Science Advances schreiben Klimaforscher um Dim Coumou vom PIK, dass es zeitgleich mit den Regenfällen Ausschläge bei sogenannten "planetaren Wellen" gab. Dies sind Strömungen von Luftmassen, die wellenförmig von Ost nach West über den Globus mäandern.

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Manchmal scheinen die Wellen aber auch förmlich stillzustehen. "Das kann dazu führen, dass ein Regengebiet an einem Ort festsitzt und für langanhaltenden Dauerregen sorgt", sagt Rahmstorf. So sei es bei den Überschwemmungen am Balkan vermutlich gewesen. Doch warum geraten die Wellen mittlerweile häufiger aus dem Takt? Die Wissenschaftler vermuten, dass dies mit der Erwärmung in der Arktis zu tun hat, die sich seit dem Jahr 2000 beschleunigt hat. Denn die Kälte im hohen Norden, genauer gesagt der Temperaturunterschied zu gemäßigten Breiten, sei essenziell für den Rhythmus der Luftmassen.

Die aktuelle Großwetterlage, "Tief Mitteleuropa" genannt, ist eine andere als diejenige über Serbien 2014, daher ist bislang unklar, inwieweit der Wellen-Mechanismus derzeit eine Rolle spielt. Der Deutsche Wetterdienst hat zumindest beobachtet, dass mittlerweile 20 Prozent mehr "Tief Mitteleuropas" über den Kontinent ziehen als noch Mitte des 20. Jahrhunderts. "Die Gründe dafür sind nicht ganz eindeutig", sagt der Meteorologe Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst. Auch hier besteht die Vermutung, dass die Erwärmung der Atmosphäre den Wasserkreislauf verstärkt. "Insofern befürchten wir tatsächlich", sagt Lux, "dass mit dem Klimawandel auch die Häufigkeit solcher gefährlicher Wetterlagen noch weiter zunehmen könnte."

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