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Erderwärmung:Was Forscher über den Klimawandel wirklich wissen

Dürre durch El Nino

Dürre auf den Philippinen: Die Trockenheit wurde wahrscheinlich vom Wetterphänomen El Niño ausgelöst.

(Foto: dpa)

Zuletzt aktualisiert am 19. Januar 2019

Um wie viel Grad hat sich die Erde bereits erwärmt und warum?

Bis heute ist die Temperatur im Vergleich zum Ende des 19. Jahrhunderts bereits um gut ein Grad angestiegen. Die zehn wärmsten Jahre seit Beginn systematischer Messungen fallen alle in die Zeit nach 1997. 2016 war laut Zahlen der US-Atmosphärenbehörde NOAA das bislang wärmste Jahr - die weltweite Durchschnittstemperatur lag 0,94 Grad über dem Mittel des 20. Jahrhunderts. 2017 war laut Zahlen der Nasa das zweitwärmste Jahr.

Bei einem einzelnen zu heißen Jahr könne man noch von einem Zufall ausgehen, sagt Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. "Aber diese Häufung heißer Jahre ist praktisch nicht mehr zu erklären ohne den Klimawandel." Es gebe keine anderen plausiblen Erklärungen als die vom Menschen emittierten Treibhausgase in der Atmosphäre.

Der Weltklimarat bezeichnet es in seinem jüngsten Sachstandbericht als "extrem wahrscheinlich", dass der Anstieg der Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre für mehr als die Hälfte des beobachteten Temperaturanstiegs der letzten 60 Jahre verantwortlich ist. Treibhausgase wie CO₂, aber auch Methan oder Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) reichern sich in der Atmosphäre an und absorbieren Wärmestrahlung, die von der Erde abgegeben wird, so dass sich die Atmosphäre erwärmt.

Wie schnell steigen die Emissionen an?

Der Ausstoß von Kohlendioxid hat nach Schätzungen des Forschungsverbunds "Global Carbon Project" 2018 um etwa 2,7 Prozent zugenommen. Bereits 2017 war der Ausstoß um 1,6 Prozent angestiegen, nachdem er zuvor drei Jahre fast auf dem selben, wenn auch hohen Niveau verharrt hatte. Damals hatten Wissenschaftler auf eine Trendwende gehofft.

Mittlerweile emittiert die Menschheit durch die Verbrennung fossiler Energien 37,1 Gigatonnen (Gt) CO₂ pro Jahr, mehr als je zuvor. Auch die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre stieg laut "Global Carbon Project" im Jahr 2018 auf einen Rekordwert von durchschnittlich 407 ppm (Teilchen pro Million Teilchen) an. Die Forscher schreiben ernüchtert: "Der Höhepunkt der weltweiten Emissionen ist noch nicht in Sicht."

Wie heiß könnte es werden?

Der Weltklimarat IPCC hat verschiedene Szenarien entwickelt, welche die Zukunft des Erdklimas beschreiben. Im optimistischsten Fall steigt die globale Durchschnittstemperatur bis 2100 nur noch um ein halbes Grad, im Vergleich zur vorindustriellen Zeit wären es etwa 1,5 Grad. Das Szenario geht allerdings davon aus, dass die CO₂-Emissionen nur noch wenig zunehmen und von 2030 an stark abnehmen. Etwa bis Mitte des Jahrhunderts dürfte die Menschheit überhaupt keine Treibhausgase mehr freisetzen.

Ziel des Übereinkommens von Paris ist es, die Erderwärmung auf zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Um dieses Ziel zu erreichen, dürfte die Menschheit insgesamt nur noch 1170 Gigatonnen CO₂ emittieren. Beim derzeitigen Treibhausgasausstoß wäre dieses Budget in 26 Jahren ausgeschöpft. Soll sich die Erde nur um 1,5 Grad erwärmen, dürfen sogar nur noch 420 Gt Kohlendioxid in die Atmosphäre entweichen.

Die aktuellen Zusagen der Staaten reichen jedenfalls weder für das eine noch für das andere Ziel aus. Sie führen eher auf drei Grad Erwärmung hin. Auch der aktuelle Stand wäre indes schon besser als das Worst-Case-Szenario, das noch vor wenigen Jahren am wahrscheinlichsten schien: Wären die Emissionen weiter ungebremst angestiegen, wie sie es lange taten, hätte man mit mindestens vier Grad rechnen müssen.

Aber war in den letzten Jahren nicht von einer "Erwärmungspause" die Rede?

Immer wieder überschattete die Frage die Klimadebatte, ob die Erwärmung nach 1998, das besonders warm war, eine Pause eingelegt habe. Mittlerweile gilt diese Klimapause als widerlegt. "Die Erwärmung hat nicht komplett stagniert, sie ist langsamer geworden", sagt Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie. Das sei einer Folge natürlicher Schwankungen gewesen, wie sie das Weltklima immer wieder zeige.

So haben sich offenbar in den vergangenen 20 Jahren die Passatwinde über dem Pazifik verstärkt, wodurch der Ozean kühler wurde. So konnte Wärme aus der Atmosphäre in das Meer wandern. Auch waren die Winter in Eurasien etwas kälter als sonst. Was diese Prozesse ausgelöst hat, wissen Klimaforscher noch nicht genau. Seit einigen Jahren steigen die globalen Durchschnittstemperaturen jedenfalls wieder kräftig.