Projekt gegen Hurrikane Bill Gates will Ozeane kühlen

Microsoft-Gründer Bill Gates hat ein neues Patent angemeldet: Er will Hurrikane stoppen, indem er Meeresoberflächen die Wärme entzieht.

Von Axel Bojanowski

Wegen ihrer sonderbaren Ideen gelten Computerfachleute mitunter als Sonderlinge, als "Nerds". Der reichste Nerd der Welt, Microsoft-Gründer Bill Gates, plant nun etwas sehr Sonderbares: Er will Hurrikane stoppen. Zusammen mit Partnern hat Gates Pläne zum Patent angemeldet, um Wirbelstürmen, die oft die Größe Deutschlands erreichen, die Energiezufuhr abzustellen. Sonderbar ist nicht das Ziel, sondern die Dimension der vorgeschlagenen Lösung. Sie gehört in die gleiche Kategorie wie die Idee aus den 1920er-Jahren, eine Staumauer von Gibraltar nach Afrika zu bauen, um das Mittelmeer trocken zu legen.

Gates und seinen Mitstreitern zufolge soll eine Falle aus kaltem Wasser Hurrikanen den Nachschub abschneiden - die Wirbelstürme bekommen ihre Energie aus dem warmen tropischen Ozean. Dort steigt feuchtwarme Luft auf. Wenn der enthaltene Dampf zu Wolken kondensiert, setzt die Luft Energie frei, die den Aufwärtssog weiter antreibt. Das Auge des Sturms reißt immer mehr Luft nach oben, der Wirbel drumherum beschleunigt auf Hurrikanstärke.

Eine Fläche kalten Wassers würde den Teufelskreis unterbinden, glauben die Vordenker. Mobile Pumpen bringen Gates' Plänen zufolge kaltes Wasser aus der Tiefe an die Oberfläche. Eine solche Kühlung könne Hurrikane im Prinzip bremsen, bestätigt der Fachmann Kerry Emanuel vom Massachusetts Institute of Technology. Ähnlich äußert sich der Direktor des amerikanischen Hurricane Center, Frank Marks, im Internet-Dienst Huffington Post: "Es ist plausibel, vielleicht sogar möglich. Aber zu beurteilen, ob es realistisch ist, das ist nicht meine Aufgabe."

Offenbar macht es sich aber auch Gates nicht zur Aufgabe. Der Milliardär sowie elf weitere Personen haben den Plan "Wasser-Veränderungs-Risiko-Management" unter der Nummer 20090177569 der US-Patent-Behörde angemeldet. Insgesamt fünf Patente für die Hurrikan-Abwehr hat die Gruppe am 3. Januar eingereicht; nun wurden sie veröffentlicht.

Bill Gates und seine Mitstreiter liefern allerdings keine technischen Details, keine Beispielrechnungen. Mit den Patenten sichern sie sich mögliche Lizenzgebühren, sollte jemand diese Idee kommerziell umsetzen wollen. Verlockend wäre die Idee zum Beispiel für Versicherer, die Milliarden Dollar sparen könnten, mit denen sie heute für Schäden aufkommen.

Eine Armada von Schiffen müsste bereit stehen, um die Stürme lahmzulegen. Die Gefährte bringen Schläuche - oben mit einer von den Wellen betriebenen Pumpe versehen - in die berechnete Zugbahn eines Hurrikans. Die Geräte drücken warmes Oberflächenwasser nach unten; kühles Wasser strömt dann nach oben. Eine ähnliche Technik erprobt die Firma Atmocean aus SantaFe. Sie entwickelt Pumpen, die kaltes Meerwasser mit Wellenkraft nach oben saugen.

Eine Überschlagsrechnung zeigt schnell, wie phantastisch die Idee ist. Hurrikane entstehen über einer Wasserschicht von 50 Meter Dicke, die mindestens 26,5 Grad Celsius erreicht; oft ist das Meer sogar wärmer als 30 Grad. Um einen Wirbelsturm sterben zu lassen, müsste sein Auge von bis zu 350 Kilometern Durchmesser, das die warme Luft ansaugt, wohl einige Dutzend Kilometer über kühleres Wasser driften.

Phantastische Forschung

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