Internationale Forscherteams haben herausgefunden, wie viel CO2 Pflanzen weltweit jährlich aufnehmen - und was passiert, wenn die Erde sich erwärmt.
Wäre Kohlendioxid ein exotischer Giftstoff, hätten es Klimaforscher leicht. Sie könnten ihn messen, die Politiker ihn regulieren, fertig. Tatsächlich aber ist das Gas, das als Klimakiller in Verruf geraten ist, für das Leben auf der Erde unverzichtbar. Es hält den Planeten angenehm temperiert und dient der Pflanzenwelt als Rohstoff für den Aufbau von Biomasse.
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Durch das Verbrennen von Öl, Gas und Kohle und das Abholzen von Regenwäldern hat der Mensch allein 2008 etwa 36 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre gepustet. (© dpa)
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Die Natur hat das Gas in der Atmosphäre jahrtausendelang in Kreislaufprozessen reguliert - erst seit die Menschheit große Mengen CO2 aus Kohle-, Öl- und Gasvorkommen freisetzt, ist die Balance gestört.
Die enge Kopplung zwischen der belebten Natur auf den Kontinenten und der Atmosphäre erschwert den Klimaforschern den Blick in die Zukunft, wenn sie ergründen, was das zusätzliche Kohlendioxid anrichtet.
Zwei internationale Forschergruppen, jeweils unter Führung von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie (MPI) in Jena, haben dazu wichtige Zahlen vorgelegt. Die Forscher haben Daten von 60 Messtürmen aus vielen Ländern und verschiedenen Ökosystemen ausgewertet und ihre Erkenntnisse am Montag in Turin vorgestellt (Science, online).
Die erste Zahl betrifft die Menge an Kohlendioxid, die Pflanzen pro Jahr bei der Photosynthese aufnehmen. Es sind 450 Milliarden Tonnen, etwa ein Siebtel der Gesamtmenge in der Atmosphäre.
Fast 60 Prozent davon nehmen die Wälder und Savannen der Tropen auf, elf Prozent die Felder für die Nahrungsmittelproduktion. Verglichen dazu mutet der menschliche Beitrag zunächst klein an: Durch das Verbrennen von Öl, Gas und Kohle und das Abholzen von Regenwäldern setzten die Völker der Welt 2008 gut 36 Milliarden Tonnen CO2 frei.
Der Unterschied ist nur: Das vom Menschen freigesetzte Treibhausgas war vorher seit langer Zeit fest gebunden und bleibt nun zum großen Anteil in der Atmosphäre oder den Ozeanen, die Natur hingegen bewegt ihre großen Mengen Kohlendioxid in Kreisläufen.
Fast die ganzen 450 Milliarden Tonnen CO2 werden nämlich wieder frei, wenn die Pflanzen das Gas vor allem nachts wieder ausatmen, wenn Blätter im Herbst fallen und verrotten, wenn alte Bäume stürzen und von Käfern zerfressen werden, wenn Mikroorganismen im Boden Nahrung verdauen oder nach Gewittern Feuer ausbrechen. Auf diese Prozesse - mit Ausnahme der Waldbrände - bezieht sich die zweite wichtige Zahl. Die Forscher haben gemessen, wie sich die Menge von freigesetzten CO2 verändert, wenn die Temperaturen schwanken.
Eine Erwärmung um zehn Grad steigert die Emission demnach um 40 Prozent, sagen sie. Das ist deutlich weniger als bisher oft vermutet; eine Verdopplung bis Vervierfachung war in der Diskussion. Und offenbar gilt von der kalten Tundra bis in den tropischen Regenwald der gleiche niedrige Faktor.
Unrealistische Szenarien
Das dämpft Befürchtungen, die Erderwärmung könne sich selbst rasant beschleunigen, weil mit steigenden Gradzahlen die Wälder und Savannen schlagartig mehr Kohlendioxid freisetzen. Bisher nämlich nimmt die belebte Natur Jahr für Jahr einen Teil der vom Menschen freigesetzten Treibhausgase auf und speichert ihn, puffert also den Klimaeffekt der Millionen Autos und Fabriken ab. Wie zuverlässig dieser Effekt ist, wussten Forscher bisher aber nicht genau.
"Besonders alarmistische Szenarien für die Rückkopplung von Erderwärmung und Ökosystematmung erweisen sich als unrealistisch", sagt jetzt Markus Reichstein vom MPI. Allerdings ändere das nichts an den Projektionen des Weltklimarates über die Temperaturzunahme, fügt er hinzu. "Diese Rückkopplungseffekte sind im jüngsten IPCC-Report von 2007 noch gar nicht berücksichtigt gewesen."
"Die ganze Forschergemeinde hat 20 Jahre darauf hingearbeitet, und jetzt kommen die Arbeiten endlich heraus", sagt Wolfgang Lucht vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, dessen Arbeitsgruppe an einer der Studien am Rand beteiligt war. "Es ist extrem bedeutsam, dass diese wichtigen Größen nun mit einer guten Datenbasis bestimmt wurden."
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(sueddeutsche.de/mcs)
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"Das Klima ist ziemlich launisch: Unzählige Faktoren spielen dabei mit und viele Rückkopplungen verstärken Effekte wie etwa den vom Menschen verursachten Treibhauseffekt. Entsprechend schwierig sind Prognosen, zumal viele Prozesse im Erdsystem noch nicht völlig verstanden sind. Klarer wird nun, wie die Ökosysteme an Land im globalen Kohlenstoffkreislauf mitmischen. Das gilt sowohl für die Rolle der Fotosynthese, mit der sie Kohlendioxid binden, als auch den Prozess der Atmung, bei dem sie Kohlendioxid wieder frei setzen. Damit leisten die Wissenschaftler einen wichtigen Beitrag zum Verständnis, wie der globale Kohlenstoffkreislauf auf Erderwärmung und Klimawandel reagiert. "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass insbesondere die Verfügbarkeit von Wasser eine entscheidende Rolle für den Kohlenstoffkreislauf in Ökosystemen spielt. Sie ist oft wichtiger als die Temperatur", sagt Markus Reichstein, der als Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie zusammen mit seinen Mitarbeitern und zwei internationalen Teams diese Fragen untersucht hat."
Man kann schon davon ausgehen, dass es in solchen Instituten hochqualifizierte Wissenschaftler gibt!
"Man könnte meinen, Sie würden auch gerne die Debatte über die vermeintliche Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens wiedereröffnen.... "
Was hat dies nun mit dem Rauchen zu tun? Hier soll wohl gar die Gesundheitsschädlichkeit angezweifelt werden?
Na, klar, Wissenschaftler auf allen Gebieten forschen ins Blaue hinein und haben von nichts eine Ahnung. Ironie!
Man könnte meinen, Sie würden auch gerne die Debatte über die vermeintliche Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens wiedereröffnen....
Es besteht bezüglich der Auswirkungen des ("menschengemachten") CO2 auf unsere Atmosphäre und damit unser Klima ein wissenschaftlicher Konsens, der sich nicht wegdiskutieren, höchstens leugenen lässt.
Ich empfehle Ihnen die Lektüre des zweiten Bandes des IPCC Berichts, um zu sehen, was hier wirklich auf dem Spiel steht.
Ich glaube schon, dass Sie wissen, was ich mit "Rückzugsgefechte der Klimahysteriker in Wissenschaft, Politik und Presse" meine: Es geht darum, dass die Kanzlerin plötzlich nicht mehr Klimakanzlerin sein will; es geht darum, dass es plötzlich ziemlich ruhig um Leute wie Schellnhuber und Rahmstorf geworden ist. Es geht darum, dass anstelle der anthropogenen Erderwärmung immer öfter der neutrale Begriff Klimawandel (den es natürlich gibt) verwendet wird, etc.
Auch in der SZ sind die Rückzugsgefechte bestens dokumentiert: Bis vor Kurzem konnten die Berichte von Herrn Schrader nicht alarmistisch und eindimensional genug sein. Aber auch er rudert merklich zurück. Erst über groteske Berichte wie "es wird bei uns kälter weil es global wärmer wird" und jetzt werden sogar Thesen, die das Umkippen des Klimas als unrealistisch bezeichnen, veröffentlicht...
Mich freut's, aber es ist doch eindeutig ein Trend weg von Weltuntergangszenarien mit eindeutiger Schuldzuweisung an menschgemachtes CO2 zu realistischeren, offeneren, unsichereren, weniger alarmistischen und damit auch wissenschaftlicheren Einschätzungen zu erkennen. Die für beendet erklärte Debatte ist damit wieder eröffnet und das ist gut so.
Die sich jetzt als unrealistisch erweisenden Effekte waren nicht Teil des IPCC Berichtes. So steht es im Artikel.
Insofern ändern diese neuen Erkenntnisse auch nichts an der Gültigkeit des Berichts.
Wo sehen Sie da Rückzugsgefechte?
Die Rückzugsgefechte der Klimahysteriker in Wissenschaft, Politik und Presse mutet belustigend bis grotesk an. Noch vor einem Jahr war der Weltuntergang durch menschgemachtes CO2 beschlossene Sache. Die Debatte wurde als beendet erklärt und jeder, der es wagte, diesen Konsens kritisch zu hinterfragen, wurde als Dummkopf, in Anlehnung an Holocaust-Leugner "Klima-Leugner" und "Flatearther" verunglimpft. Nachdem die Natur einfach nicht den Computermodellen der Klimawissenschaftler folgen will, scheint jetzt wenigstens wieder die Debatte möglich. Viele Klimawissenschaftler haben aber durch ihr politisches und ideologisches Vorgehen dem wissenschaftlichen Ansatz insgesamt unermesslichen Schaden zugefügt. Nchdem es in Zukunft wohl nicht mehr ganz so einfach sein wird, Forschungsgelder mit Weltzuntergangszenarien durch menschgemachte Erderwärmung zu erhalten und auch der Handel mit CO2 Zertifikaten ev. etwas weniger lukrativ ausfallen wird, darf man gespannt sein, was uns als nächstes Weltuntergangszenario präsentiert wird.
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