Klimawandel Die Obergrenzen im Pariser Klima-Abkommen führen zu nichts

Wieviel schlechte Luft verträgt die Erde noch?

(Foto: imago/Rainer Weisflog)

Maximal 1,5 Grad Erderwärmung. Oder 2 Grad. Die Zahlen sind verwirrend. Wichtiger ist es, den Ausstoß an Treibhausgasen möglichst schnell auf Null zu setzen.

Kommentar von Christian Endt

Es ist ein sensationeller Vertrag, den mehr als 160 Staaten der Erde am Freitag in New York unterschrieben haben. Endlich legen sie sich darin verbindlich auf einen wirkungsvollen Klimaschutz fest. Aus dem Ende 2015 in Paris ausgehandelten Abkommen kann nur eines folgen: Die Menschheit muss den Ausstoß von Treibhausgasen komplett beenden, und das bald.

Das erklärte Ziel des Pariser Abkommens ist, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen. Weil das gefährlich viel ist, steht im Vertragstext zusätzlich die Wunschmarke von 1,5 Grad. Dieses halbe Grad kann für das Klima einen entscheidenden Unterschied machen. Allerdings glaubt kaum jemand, dass der niedrigere Wert noch erreichbar ist. Man wäre schon froh, wenn es wenigstens für das Zwei-Grad-Ziel eine Art Fahrplan gäbe - auch der ist längst nicht in Sicht.

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In der Zwischenzeit erscheinen wöchentlich Studien, die ein immer genaueres Bild von den Folgen der Erderwärmung zeichnen. Die höhere Auflösung macht das Bild allerdings nicht schöner anzusehen. Die aktuellen Prognosen etwa zur Schmelze des Grönland-Eises und zum Sterben der Korallenriffe lassen wenig Raum für Optimismus.

Jeder weiß, was er zu tun hat

Und sie lassen keine Zeit für von Wunschdenken geprägte Debatten über Temperaturvorgaben. Was sollen die bringen? Was heißt das Zwei-Grad-Ziel für einen Elektriker in Kaiserslautern, was folgt daraus für eine Provinzverwaltung in Südchina? Damit der Klimawandel einigermaßen beherrschbar bleibt, muss eine Zielmarke erreicht werden: null Emissionen bis Ende des Jahrhunderts. Spätestens dann darf kein Kohlekraftwerk mehr laufen, kein Benziner oder Diesel mehr durch die Gegend fahren und ohne Weiteres kein Sack Zement mehr hergestellt werden.

Das heißt auch: Kein Land kann abwarten, bis andere ihren Beitrag leisten. Und sich bescheiden zurückhalten, wenn im Rahmen des Paris-Abkommens künftig alle fünf Jahre neue Klimaschutz-Zusagen fällig werden. Theoretisch ließe sich das Emissions-Budget zwar überziehen, falls man später wieder CO₂ aus der Atmosphäre zurückholen kann. Aber ob sich das im großen Stil umsetzen lässt, ist reine Spekulation.

Es gibt keine Alternative zum radikalen Kohlenstoff-Entzug. Die Menschheit muss das Energiesystem in wenigen Jahrzehnten auf regenerative Quellen umstellen. Dafür sind eine Menge offene Probleme zu lösen: Wie lässt sich Strom effizient speichern? Wie fliegt ein Flugzeug ohne Kerosin? Wie sieht eine klimafreundliche Landwirtschaft aus? Solche Fragen sind jetzt entscheidend. Sie zu beantworten wird schwer genug.

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