De Waal zieht von solchen Experimenten eine direkte Linie zu den Moralgesetzen der Menschen - und wurde dafür von Philosophen gescholten: Reichen solche ersten, entwicklungsgeschichtlichen Ansätze von Mitgefühl tatsächlich, um moralische Urteile zu erklären, die auf dem Gebrauch eines reflektierenden Verstandes beruhen?
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An dieser Stelle setzen Überlegungen ein, die von dem finnischen Religionswissenschaftler Ilkka Pyysiäinen und dem Psychologen Marc Hauser von der Havard University soeben im Fachmagazin Trends in Cognitive Science (online) veröffentlicht wurden. Hauser ist ein wichtiger Vertreter der sogenannten experimentellen Moralpsychologie, die belegt hat, dass die meisten Menschen klassische moralische Dilemmata intuitiv anders beurteilen als Fachphilosophen.
Ein Beispiel: Ein Zug ist außer Kontrolle geraten und eine Person muss handeln. Fall 1: Die Person steht an einer Weiche und rettet eine Gruppe von fünf Menschen, indem sie den Zug umlenkt, so dass dieser nur einen Menschen umfährt und tötet. Fall 2: Die Person rettet wiederum eine Gruppe von fünf Menschen, diesmal aber, indem sie einen Menschen vor den Zug wirft. Die meisten Befragten hielten nur das Verhalten in Fall 1 für moralisch. Logisch ist das nicht.
Die beiden Forscher haben nun eine Handvoll Studien durchforstet, in denen Tausende Menschen mit ähnlich konstruierten Entscheidungssituationen konfrontiert wurden, wo die Religionen keine Standardantworten haben. Dabei zeigten sich kaum Unterschiede in den Ansichten atheistischer und gläubiger Studienteilnehmer. Die Forscher vermuten daher, dass der Mensch mit einer Art moralischer Grammatik geboren wird, vergleichbar dem Sprachinstinkt: Die groben Regeln der moralischen Entscheidungsfindung sind vorgegeben, nur Feinheiten kulturell und religiös geprägt.
Das hat nun Konsequenzen für die Debatte in der evolutionären Religionstheorie: "Der Befund unterstützt die Annahme, dass Religion ursprünglich nicht als biologische Adaption für Kooperation entstanden ist, sondern als separates Nebenprodukt von früher existierenden kognitiven Funktionen evolviert ist, die nicht-religiöse Aufgaben hatten", erläutert Pyysiäinen. Allerdings könne "Religion die Kooperation zwischen Gruppen stabilisieren und erleichtern."
Das ist ja auch schon etwas.
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(SZ vom 09.02.2010/beu)
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Platon drehte sich ob des ersten Absatzes und der Konklusion im Grabe herum. Schlimmer daneben geht's kaum mehr.
Ist zur Moral unbedingt der Glaube an Gott nötig? Das heißt, stammt die Moral von Gott? Ich neige dazu, diese Frage mit ja zu beantworten; denn das Moralische ist eigentlich eine Kategorie, die nicht in unsere Welt passt. In der Natur, bei den Tieren, gibt es kein moralisch-gutes Handeln. Nur der Mensch kann moralisch handeln. Nun ist der Mensch ja auch Teil dieser Welt, aber seine Fähigkeit zur Moral erscheint mir trotzdem etwas dieser Welt eigentlich Fremdes. In der Welt gilt überall nur der Wille zur Macht (s. Nietzsche: „Die Welt ist Wille zur Macht und nichts außerdem!“) Nietzsche hat deshalb die Moral auch abgelehnt, ja die christliche Moral sogar verflucht (s. „Antichrist“) und folgerichtig weiterformuliert: „... und du selbst (der Mensch) bist Wille zur Macht und nichts außerdem!“
Nun gibt es neben Nietzsche ja noch andere bedeutende Philosophen, welche die Moral befürwortet haben; z.B. Kant: „Handele so, dass dein Handeln stets auch Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung sein könnte“ ( = kategorischer Imperativ). Dieser Satz begründet m.E. unangreifbar die Pflicht des Menschen zum moralischen Handeln, soweit er sich als Vernunftwesen definiert. Denn es kann nur vernünftig sein, moralisch zu handeln; andernfalls müsste der Mensch das Unmoralische (z.B. Mord, Diebstahl, Betrug usw.) als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung anerkennen. Das wird er aber als vernünftiger Mensch niemals tun. Wer will schon, das z.B. Diebstahl allgemein erlaubt sein soll?
Ich meine: Nietzsche hat Recht: Die Welt ist Wille zur Macht und nichts außerdem. Aber Kant hat auch Recht: das Moralisch-Gute ist jedenfalls für den vernünftigen Menschen eine Pflicht. Da das Moralisch-Gute erkennbar nicht zum Wesen der Welt gehört, wie Nietzsche mit Recht festgestellt hat, kann es nur von außerhalb der Welt stammen, von Gott, der durch das Licht der Vernunft das Moralisch Gute in die Welt gebracht hat.
Diese These könnte nur derjenige (Atheist) widerlegen, der stringent den Beweis führt, dass es keinen Gott gibt. Das aber ist unmöglich (was ich hier nicht näher zu erläutern brauche; es ist bare Selbstverständlichkeit; sowohl Gottesbeweise als auch Beweise seiner Nichtexistenz sind nicht möglich!)
Beides liegt an der "Natur des Menschen", die sich mit Hilfe eines neuen Ansatzes, der bei den frühesten Anfängen der Evolution beginnt, als einen Satz genetisch verankerter Grundverhaltenskomponenten GVK beschreiben lässt.
Die GVK sind die Evolutionstreiber, die für das starke Individuum, besonders für den Alpha Vorteile darstellen und für die betroffenen und schwächeren Lebewesen Nachteile. Die GVK züchten Egozentriker.
Mit sich immer besser entwickelndem Bewusstsein entsteht bei den Schwächeren dadurch die Erkenntnis, dass sie doch die gleichen Rechte haben müssten wie die Alphas.
Ebenfalls durch das Bewusstsein entstand das lebenslange Erkennen direkter und indirekter Nachkommen, gegenüber denen ein partnerschaftlicheres Verhalten angebracht ist, als gegenüber Fremden, insbesondere artfremden Wesen. Das weitete sich aus über Sippe, Stamm etc... Diese beiden "Erkenntnisse" durch das Bewusstsein sind die Wurzeln von Moral, dann Ethik. Allerdings nur deshalb, weil die GVK nur den Starken bevorteilen zu Lasten der Schwachen - vereinfacht gesagt.
Glaube an Übernatürlichkeit, in der Folge Religionen, hat ebenfalls seine Wurzeln in den genetisch verankerten GVK.
Mit immer besser entwickeltem Bewusstsein wurden zuvor irrelevante Vorgänge (Sonne, Mond, Dürre, Regen, Feuer, Geburt und besonders Tod) immer mehr zu höchst relevanten Vorgängen im Leben. Das Streben nach Sicherheit (GVK) verlangt aber nach Erklärungen, welche Wesen denn das verursachen (damaliges Weltbild der Hominiden, dass es immer "Jemande" sind, die bedrohen). Aus dieser vermeintlichen, potentiellen Bedrohung des Sicherheitsbedürfnisses (GVK) durch übermächtige, unsichtbare Wesen entstanden Vielgöttersysteme, dann eifernde und rächende Götter bis es schließlich zum liebenden Gott kam. Das Streben nach Stärke (GVK) und das Rangordnungsverhalten (GVK) entwickelten die Religionsmerkmale.
Das war dann auch der Zeitraum, zu dem (manche) Religionen "Ethik" adoptierten und mit Hilfe jenseitiger Belohnungen und Strafen auch teilweise durchsetzten. Wenn auch mit archaischem touch. Vermutlich war das ein paar Jahrhunderte vor dem Auszug der Juden aus Ägypten. Religionen sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf diese Weise entstandene Fiktionen.
Mehr zu den GVK und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung unter www.gesellschaftsevolution.de und den dort aufgeführten Büchern.
Dieter Brandt
Ich kann nicht erkennen, was der arme Heine angestellt hat, dass seine schönen Worte für derart dünne Plausibilitätsketten missbraucht werden. Niemand wird gezwungen, hinter dem Kraftvollsten menschlichen Gedankengutes etwas Göttliches zu erkennen. Aber es stellt sich schon die Frage: wofür unternehmen viele Menschen derartige Anstrengungen? Worin liegt der Vorteil, wenn der Wert von Großartigem auf das Konto eines Schöpfers gehen soll. Das hieraus eine Moral entstanden wäre, daran muss man wirklich glauben wollen.
Der Glaube an Gott (der Schöpfer) ist unweigerlich ab dessen Geburt in jedem Menschen, quasi ab Werk, integriert. Diesen für sich zu nützen und sich dessen bewusst zu werden ist dann die eigentliche Aufgabe und somit Lebenshilfe die uns Gott mit auf den Weg gibt. Es bedarf keiner Wissenschaftler, Propheten oder Wissender sich seines Glaubens bewusst zu werden und sicher zu sein. Ausser Jesus!
Gott (der Schöpfer) ist, und mit ihm kommt gleichzeitig die Moral oder Ethik ans Licht, die unweigerlich zu einem guten Leben beiträgt. Die Gefühle die unser Leben ja dadurch deutlich mitbestimmen, spiegeln unsere Einstellung und somit unsere Lebensqualität wider.
Heinrich Heine hat das schön ausgedrückt:
Die Herrlichkeit der Welt, ist adäquat der Herrlichkeit des Geistes, der sie betrachtet.
Der Gute findet hier sein Paradies.
Der Schlechte geniesst schon hier seine Hölle.
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