Skandal um Jesuitenpater Immer mehr Missbrauchsopfer

Enthüllungen und kein Ende in Sicht: Im Missbrauchsskandal um Jesuitenpater melden sich weitere Opfer zu Wort. Chancen auf Schadenersatz haben sie wohl keine.

Von Oliver Bilger

Weitere Missbrauchsopfer von Jesuitenpatres haben sich aus Bonn und Hildesheim zu Wort gemeldet. Ein 65-jähriger ehemaliger Schüler des Aloisiuskollegs in Bad Godesberg berichtete am Freitag der Süddeutschen Zeitung, wie ihn ein Geistlicher unter der Dusche eines Jugendheims bedrängt habe. Während Nachhilfestunden habe der Pater den damals 16-Jährigen zudem auf eine Couch gedrückt und versucht zu küssen.

Die katholische Citykirche und Jesuiten-Niederlassung St. Michael in Göttingen. Sie gehört zum Bistum Hildesheim, in dem es zu Fällen von sexuellem Missbrauch gekommen sein soll.

(Foto: Foto: ddp)

Der Mann bestätigte die Berichte von zwei früheren Mitschülern. Dabei soll es sich um den selben Pater handeln, er sei Mitte der sechziger Jahre verstorben. In der Bild-Zeitung berichtete ein weiteres Opfer von einem anderen Pater, der an dem Jesuiten-Gymnasium in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre übergriffig geworden sein soll.

Der Rektor, Pater Theo Schneider, sagte, ihm seien andere Vorwürfe unter Zusicherung äußerster Diskretion anvertraut worden. Er betonte in einer Erklärung, alle Beschuldigungen "beziehen sich ausschließlich auf die Vergangenheit und nicht auf aktive Jesuiten und Mitarbeiter des Kollegs".

Auch im Bistum Hildesheim gibt es offenbar ein weiteres Missbrauchsopfer. Es gebe Hinweise auf die sexuelle Belästigung einer erwachsenen Frau, sagte ein Kirchensprecher. Die Frau soll in den 90er Jahren von Pater Peter R. belästigt worden sein. R. ist einer von drei beschuldigten Jesuitenpatres, die früher am Berliner Canisius-Kolleg unterrichteten. R. war anschließend im Bistum Hildesheim tätig. Das Erzbistum Berlin überlegt mittlerweile, eine ständige Kommission für Missbrauchsvorwürfe einzurichten.

Jesuit zieht Judenvergleich

Der Jesuitenpater Eberhard von Gemmingen, 73, hat derweil mit einem Verweis auf die Judenverfolgung vor einem Generalverdacht gewarnt: "Es ist fatal, nun den ganzen Orden schlecht zu machen. Ich muss einen Vergleich ziehen: Mit den Juden ist es so losgegangen, dass vielleicht der ein oder andere Jude Unrecht getan hat. Dann aber hat man schlimmerweise alle angeklagt und ausrotten wollen. Man darf nicht von einzelnen Missetaten ausgehen und eine ganze Gruppe verurteilen", sagte der frühere Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan der Heilbronner Stimme.

Unterdessen sehen Experten kaum Chancen für Entschädigungen. Wie bei der strafrechtlichen seien auch bei der zivilrechtlichen Aufarbeitung erjährungsfristen zu berücksichtigen, gaben sie zu bedenken.