Exomars Europäisch-russische Sonde sucht Leben auf dem Mars

Im Oktober erreichen die Gefährte die Mars-Umlaufbahn, und Landemodul Schiaparelli beginnt den Landeanflug.

(Foto: dpa)
  • Vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ist eine Proton-M-Trägerrakete erfolgreich gestartet.
  • Sie bringt europäisch-russisches Equipment ins Weltall. Im Oktober soll ein Landemodul auf dem Roten Planeten aufsetzen.
  • Die Mission "Exomars" wird von Esa und Roskosmos koordiniert. Die beteiligten Wissenschaftler wollen nach Spuren von Leben auf dem Mars suchen.

Europas Raumfahrtagentur Esa und ihr russischer Partner Roskosmos beginnen an diesem Montag eine gemeinsame Mission zum Mars. Vom Weltraumbahnhof Baikonur startete erfolgreich eine Proton-M-Trägerrakete ins Weltall. Sie soll einen Satelliten und ein Landemodul auf den Weg zum Roten Planeten bringen.

Das rund zwei Milliarden Euro teure Projekt Exomars soll in zwei Etappen Spuren von Leben auf dem Mars suchen. "Wenn es jemals eine Mission gegeben hat, die eine echte Chance hatte, Hinweise auf Leben auf dem Mars zu finden, dann ist das Exomars", sagt Jorge Vago von der Esa, einer der führenden Wissenschaftler der Mission.

Rund elf Stunden nach dem Start soll die Raumsonde TGO (Trace Gas Orbiter) die letzte Raketenstufe abkoppeln und Sonnensegel entfalten, die den nötigen Schub zum Mars liefern. Nach dem siebenmonatigen Flug wird die Sonde bis mindestens 2022 als Wissenschaftssatellit um den Mars kreisen und unter anderem die Atmosphäre auf Spuren von Methan untersuchen, der einfachsten organischen Verbindung. Das Testmodul Schiaparelli soll nach der Abkopplung von TGO zur Marsoberfläche hinabsegeln - planmäßig am 19. Oktober 2016.

Zwei Meter tief soll der Mars angebohrt werden

Dieser Teil der Mission gilt als besonders heikel, viele bisherige Landeanflüge scheiterten an der dünnen Atmosphäre des Mars. Es gibt hundertmal weniger Gasmoleküle als auf der Erde, die einen Fallschirm bremsen können. "Die Mars-Atmosphäre ist leider kein sonderlich zuverlässiger Partner", sagte Michel Denis, Exomars-Flugdirektor beim Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt, der SZ. "Wenn wir Bremsfallschirme für die durchschnittlichen Werte auslegen und einen schlechten Tag mit dünner Atmosphäre erwischen, geht die Landung schief." Die Landesonde Schiaparelli soll daher zunächst wie eine fliegende Untertasse durch die Lufthülle segeln und auf 1700 Kilometer pro Stunde abbremsen. Erst dann öffnet der Bremsfallschirm. Rund einen Kilometer über dem Boden zünden zusätzlich Bremstriebwerke, den Fallschirm stößt das Modul ab.

Für die Europäer ist es die erste Marsmission. Schiaparelli soll der Esa wertvolle Erfahrungen für die zweite Etappe von Exomars liefern, ein technikbeladenes Landemodul mit einem Rover. Dessen Start ist für 2018 geplant. Der Rover sei das Herzstück des Großprojekts, erklärt Vago. "Wir müssen nicht nur auf der Oberfläche nach Leben suchen, sondern dafür sehr tief gehen." Der Rover kann bis zu zwei Meter tief bohren. Der US-Rover Curiosity, der seit 2012 im Einsatz ist, kommt gerade mal wenige Zentimeter tief. "Vielleicht haben wir total Glück und finden so tolle organische Proben, dass wir beweisen können, dass es Leben gab", meint Vago.

Brücke für die Zusammenarbeit zwischen Ost und West

Mehr als 1,3 Milliarden Euro hat allein die Esa in Exomars investiert. Experten vermuten, dass Roskosmos eine weitere Milliarde beigesteuert hat. Wochenlang haben Spezialisten das Raumfahrzeug mit Satellit und Landeeinheit in Baikonur zusammengesetzt. Drei massige russische Antonow-An-124-Transporter hatten die Einzelteile zu dem Kosmodrom im zentralasiatischen Kasachstan geflogen. Am Freitag rollte dann die beladene Rakete auf Schienen durch die Steppe zur Startrampe.

Das gemeinsame Vorhaben kommt in einer politisch brisanten Zeit. Die Ukraine-Krise und Russlands Intervention im Syrien-Konflikt stellen die Beziehungen zwischen Moskau und dem Westen auf die größte Belastungsprobe seit dem Ende des Kalten Krieges. "Gerade in Zeiten irdischer Krisen ist die Raumfahrt als Brückenbauer aktiv", sagte Esa-Direktor Jan Wörner kürzlich der Nachrichtenagentur dpa. Roskosmos-Vize Sergej Saweljew lobt Exomars als einzigartiges Beispiel für die gute Zusammenarbeit zwischen Ost und West in der Weltraumforschung. Russland war erst 2013 in das Projekt eingestiegen, nachdem die US-Behörde Nasa 2011 wegen Finanzproblemen einen Rückzieher gemacht hatte. Die Nasa steuert nur noch einzelne Instrumente bei. Zwar steht inzwischen auch Roskosmos wegen der schweren Wirtschaftskrise in Russland finanziell unter Druck, doch bleibt die Mars-Forschung zunächst von Einsparungen verschont.

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