Baustoff Bambus, Hanf oder Flachs als Alternativen zu Meeressand

Dirk Hebel von der Universität Karlsruhe zweifelt trotzdem an der Nachhaltigkeit von Wüstensand und seinem Nutzen als alternativem Baustoff. "Die Idee klingt erst einmal gut", sagt er, "aber auch Wüstensand ist erschöpflich. Die Wüste hat genauso ein Ökosystem wie Meere oder Flüsse, das dann zerstört wird. So würden wir ein Problem mit einem nächsten ersetzen."

Gunther Plötner, Gründer von Polycare, kontert diese Kritik: "Wanderdünen überrollen die Oasen und trocknen sie aus. An manchen Orten hat man Schutzwälle dagegen gezogen." Im Endeffekt sei es für die Anwohner der Oasen sogar hilfreich, dass man den Wüstensand abtrage. Der gelernte Maschinenbauingenieur forscht seit 14 Jahren zum Einsatz von Polymerbeton im arabischen Raum. Bauelemente aus Polymerbeton, glaubt er, sind ein Konzept, das die Welt braucht.

Doch nicht nur in den neuen Techniken steckt Potenzial. Forscher wie Dirk Hebel finden, man müsse auch die alten nutzen. Hebel setzt auf nachwachsende Ressourcen wie Bambus, Hanf oder Flachs, die schon vor Jahrtausenden als Rohstoffe gedient haben. Ähnlich wie in der Polymerbetonproduktion kann man auch deren Fasern in Verbindung mit Harzen binden und so zu kultivierten Baustoffen verarbeiten. Hebel sieht außerdem Potenzial in Abfallprodukten: "Es gibt in Deutschland unglaubliche Mengen an Glasabfall, von denen nur ungefähr 30 Prozent sinnvoll recycelt werden. Dabei entstehen kleine Körnchen. Die könnte man so verarbeiten, dass sie als Zuschlagsstoff im Beton dienen und hier Sand als natürliche Ressource ersetzen könnten. Allerdings ist das immer noch teurer als der Raubbau an der Natur." Auch um Strände aufzuschütten und Küsten zu schützen, hat man in der Vergangenheit schon mit "Sand" aus Altglas experimentiert, etwa in Neuseeland, der Karibik und auch in Florida. Dort stellten Forscher sogar fest, dass Gräser, die die Dünen stabilisieren auf dem Glas-Granulat besser wuchsen als auf natürlichem Sand.

Entsprechende Abfälle lagern auch auf den Müllkippen der Kapverdischen Inseln, oberhalb der kleinen Fischerdörfer. Restmüll, Bauschutt und Glasscherben, achtlos auf die großen Haufen geworfen. Ist die Alternative zum Meeressand naheliegender als man denkt?

Dirk Hebel sieht hier auch die europäische Wissenschaft in der Verantwortung: "In Europa haben wir die technischen Möglichkeiten, eine Vorreiterrolle zu übernehmen", sagt er. Einzelne Firmen arbeiten bereits mit Baumaterial, das bis zu 100 Prozent aus recyceltem Altglas besteht. An der Harvard-Universität, in Singapur oder an der TU Dresden feilen Forscherteams an der Herstellung von Baumaterialien aus Bambusfasern. "An unseren Hochschulen ließen sich Modelle entwickeln, die überall auf der Welt zum Einsatz kommen könnten", meint Dirk Hebel.

Doch das Kernproblem bisher ist: Meeressand ist zu billig, als dass sich ökologische Alternativen in der Bauindustrie lohnen würden. Um das zu ändern, hat man etwa in Dänemark Steuern auf den Verbrauch von Meeressand erhoben. Der ging daraufhin um 80 Prozent zurück. So wird deutlich, was der sprichwörtliche Sand am Meer eigentlich ist: eine endliche und damit kostbare Ressource.

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