Zweiklassengesellschaft bei der Pflegeversicherung Privatpatienten zahlen weniger

Die private Pflegeversicherung ist zuletzt günstiger geworden - für die Kunden gesetzlicher Kassen dagegen wird es wohl teurer. Der Verband der privaten Krankenversicherer hält sein Modell daher für überlegen. Allerdings hat es einen einfachen Grund, warum das Verhältnis von Leistungsempfängern und Beitragszahlern bei der privaten Pflegeversicherung deutlich günstiger ausfällt.

Von Guido Bohsem

Die private Pflegeversicherung hat zu Beginn des Jahres ihre Beiträge gesenkt. Nach Angaben des Verbandes der privaten Krankenversicherer (PKV) sanken die Tarife für Beamte zwischen 4,5 und zehn Prozent. Selbständige zahlen zwischen zwei und fünf Prozent weniger als noch im vergangenen Jahr. Die für die Beitragszahler günstige Situation dürfte nach Einschätzung von Branchenexperten weiterhin anhalten.

Auch die aktuell geplante Reform der Pflegeversicherung werde voraussichtlich nicht zu höheren Prämienzahlungen für Privatpatienten führen. Günstigstenfalls sei auch für Anfang 2013 wieder mit einer leichten Beitragssenkung zu rechnen, hieß es. Zudem sei es der privaten Pflegeversicherung gelungen, einen Kapitalstock von etwa 22 Milliarden Euro anzusparen.

Damit entwickelt sich die Beitragssituation zwischen gesetzlicher und privater Pflegeversicherung weiter auseinander. Hier waren die Beiträge zuletzt zum Juli 2008 gestiegen. Seitdem zahlen Eltern 1,95 Prozent vom Bruttoeinkommen, für Kinderlose liegt der Beitrag bei 2,15 Prozent. Sollte die schwarz-gelbe Pflegereform wie geplant in Kraft treten, werden sich die Beiträge zu Beginn des kommenden Jahres um jeweils 0,1 Prozentpunkte erhöhen. Das ist ein Anstieg von etwa fünf Prozent. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) will damit gut eine Milliarde Euro zusätzlich einnehmen und das Geld für eine bessere Versorgung von Demenzkranken aufwenden, die zu Hause betreut werden.

Monatsbeiträge der Privatversicherten gesunken

Für den PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach zeigt sich an dem Vergleich der Beitragsentwicklung die Überlegenheit des privaten Modells. Derzeit gibt es rund 8,9 Millionen Privatversicherte in Deutschland. Gesetzliche und private Pflegeversicherung seien 1995 gleichauf gestartet, sagte er. "In der kapitalgedeckten privaten Pflegeversicherung sind die Beiträge mehrfach gesenkt worden, in der umlagefinanzierten gesetzlichen Pflegeversicherung steigen sie." Das zeige, dass das System der Kapitaldeckung sehr gut funktioniere. Es sei generationengerechter und günstiger. Nach Berechnungen seines Verbandes ging der Monatsbeitrag eines privat Versicherten zurück, der 1995 mit 35 Jahren in die Pflegeversicherung eintrat, über die Jahre um 3,18 Euro auf 23,23 Euro.

Die Pflegeversicherung ist allerdings kein typisches Beispiel für eine private Krankenversicherung. So kann beispielsweise der Leistungsumfang nicht verhandelt werden. Er ist vorgeschrieben und entspricht dem der gesetzlichen Pflegeversicherung. Auch gibt es keine Gesundheitsprüfung, die über die Höhe des Beitrages unterscheidet.

Frauen leben länger - und benötigen mehr Hilfe

Zum Start der beiden Systeme war zudem die Struktur der Versicherten sehr unterschiedlich. So gibt es im privaten System deutlich weniger alte Menschen als im gesetzlichen. Das hat einen einfachen Grund und einen großen Vorteil. Bis zum Jahr 2000 durften viele PKV-Versicherte zurück in die GKV wechseln und aus Furcht vor steigenden Beiträgen in der Rentenzeit machten viele davon auch Gebrauch. Pflegebedürftig werden die meisten aber erst, wenn sie 75 Jahre und älter sind.

Die jüngere Versichertenstruktur führt bis heute dazu, dass die Zahl der Empfänger von Pflegeleistungen im Verhältnis zu der Zahl der Beitragszahler bei der privaten Pflegeversicherung deutlich besser ausfällt als bei der gesetzlichen Pflegeversicherung. Insgesamt liegt diese Zahl bei AOK und den übrigen gesetzlichen Kassen etwa 2,45-mal so hoch wie bei der privaten Konkurrenz. Verstärkt wird dieser Nachteil noch durch einen weiteren Umstand. Relativ gesehen sind deutlich weniger Frauen in der privaten Pflegeversicherung zu finden als in der gesetzlichen. Da Frauen aber in der Regel länger leben als Männer, werden sie auch häufiger pflegebedürftig.