Währungspolitik US-Notenbank erhöht den Leitzins

Zuletzt hatte es 2008 und damit noch vor dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise eine Zwei vor dem Komma gegeben.

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  • Zum siebten Mal seit dem Ende der jüngsten Rezession hat die US-Notenbank ihren Leitzins angehoben.
  • Er liegt jetzt bei 1,75 bis zwei Prozent, ein Viertelprozentpunkt höher als zuvor.
  • Zuletzt hatte es 2008 und damit noch vor dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise eine Zwei vor dem Komma gegeben.
Von Kathrin Werner , New York

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat zum siebten Mal seit dem Ende der jüngsten Rezession ihren Leitzins angehoben. Der Schlüsselsatz, zu dem sich Banken gegenseitig kurzfristige Kredite geben, liegt jetzt bei 1,75 bis zwei Prozent, ein Viertelprozentpunkt höher als zuvor. Zuletzt hatte es 2008 und damit noch vor dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise eine Zwei vor dem Komma gegeben. Die Zinsentscheidung der Fed unter ihrem neuen Chef Jerome Powell bedeutet, dass die Währungshüter die Konjunkturlage in den Vereinigten Staaten für so gut halten, dass Firmen und Verbraucher eine weitere Straffung der Geldpolitik verkraften können.

Ziel der US-Notenbank ist es, der Wirtschaft ein gesundes Wachstum zu ermöglichen, die Arbeitslosigkeit gering und die Inflationsrate in der Nähe ihres Zielwerts von zwei Prozent zu halten. Mit der Leitzinserhöhung steigt der Preis für Geld, das Banken sich über Nacht gegenseitig leihen. Dadurch werden in der Regel auch Kredite für Unternehmen und Verbraucher teurer. Zinserhöhungen dämpfen so die Wirtschafts- und die Preisentwicklung tendenziell, Zinssenkungen sollen hingegen Investitionen und Konjunktur ankurbeln.

Die meisten Ökonomen und Investoren hatten die Entscheidung so erwartet. Die Arbeitslosigkeit in den USA ist mit gerade einmal 3,8 Prozent so niedrig wie zuletzt für einen kurzen Zeitraum im Jahr 2000 und davor in den 60er Jahren. Nach aktuellen Prognosen der Fed wird das Bruttoinlandsprodukt der USA im laufenden Jahr um 2,8 Prozent zulegen. Das ist gut, allerdings weniger als der von Donald Trump im Wahlkampf versprochene Anstieg um drei Prozent pro Jahr. Für 2019 erwartet die Notenbank 2,4 Prozent Wachstum, für 2020 nur noch zwei Prozent. Die Fed geht also nicht davon aus, dass die Steuerreform der US-Regierung die Wirtschaft mittelfristig stark anfeuern wird.

Die Währungshüter fürchten jetzt die steigende Inflation

Mehr als auf die eigentliche Zinsentscheidung haben Investoren darauf gewartet, was die Fed zu ihrem künftigen Kurs sagen wird. Sofern sich nichts gravierend ändert bei den volkswirtschaftlichen Daten, will die Notenbank die Leitzinsen 2018 nun noch zweimal erhöhen. Die Mitglieder des Komitees, das die Zinsentscheidung trifft, waren sich bislang uneins, ob in diesem Jahr noch ein Schritt fällig ist oder zwei Schritte nötig sind. Die Notenbanker glauben offenbar, dass die Wirtschaft nicht noch mehr angekurbelt werden muss. Sonst hätten sie sich nicht für zwei Schritte entschieden. Vielmehr fürchten die Währungshüter eher die steigende Inflation. Laut Fed dürfte sie 2018 und 2019 bei 2,1 Prozent liegen, leicht über dem Ziel-Wert. Die Jahresinflationsrate hatte im Mai mit 2,8 Prozent sogar den höchsten Wert seit mehr als sechs Jahren erreicht.

In den zwei Zeiträumen, in denen die Arbeitslosigkeit so niedrig war wie im Moment, folgten steigende Lohnkosten und dann Jahre der rasant steigenden Preise. Doch diesmal sind die Durchschnittslöhne bislang nur sehr langsam gestiegen. Auch Trumps Handelspolitik spielt eine Rolle für die Notenbank. Viele Ökonomen fürchten, dass die Zölle und Gegenmaßnahmen der Handelspartner der US-Wirtschaft schaden. Powell hat offene Kritik an der Regierung bislang vermieden. Unter ihm soll die Fed abwarten, ob und wie sich die Zölle auswirken. Auch diesmal hielt er sich zurück, wies aber darauf hin, dass die Sorgen über Veränderungen in der Handelspolitik zunähmen.

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