TTIP Milchbauer: "Ich halte nichts vom Freihandelsabkommen"

Mit TTIP könnten für Eier oder Milch bald die Zölle wegfallen. Ein oberbayerischer Bauer erklärt, was das für die Betriebe bedeutet.

Interview von Pia Ratzesberger

Nach einer Übergangsfrist von wenigen Jahren sollen für Produkte wie Milch, Eier oder Fleisch die Zölle wegfallen: Bei den Verhandlungen um das transatlantische Freihandelsabkommen sind die Europäer der amerikanischen Seite im Agrarhandel offenbar entgegengekommen. Für Bauern in Deutschland könnte die Aufhebung der Zölle gravierende Folgen haben. Sie müssten dann vermutlich noch stärker mit US-Produkten konkurrieren. Dabei tun sich etwa die Milchbauern durch die niedrigen Milchpreise schon jetzt schwer, Gewinne zu erwirtschaften.

Ein Anruf bei Hans Hainz, Milchbauer im oberbayerischen Hölching, der seinen Betrieb in elfter Generation führt. Vom Freihandelsabkommen hält er wenig.

SZ: Herr Hainz, wie geht es Ihrer Milchwirtschaft?

Wir sind gerade dabei auf Bio umzustellen, deshalb musste ich mein gesamtes Jungvieh abgeben, etwa 60 Tiere. Für die einen neuen Stall nach EU-Richtlinien zu bauen, wäre zu teuer gewesen. Weil meine restlichen 55 Kühe jetzt nur noch Bio-Futter bekommen, ist die Milchleistung pro Kuh um etwa 1000 Liter zurückgegangen. Das werde ich ausgleichen müssen.

Was halten Sie davon, dass durch TTIP möglicherweise mittelfristig die Zölle für Milch wegfallen sollen?

Ich glaube nicht, dass wir von den USA mit Milch überschwemmt werden. Vor zwei, drei Jahren, als der konventionelle Milchpreis bei mehr als 40 Cent lag - es sich also gelohnt hätte, mehr zu produzieren - haben die USA ihre Produktion nur um etwa ein Prozent gesteigert. Die Bauern in Europa produzierten zugleich vier bis fünf Prozent mehr. Das zeigt mir, dass die USA ihre Kapazitäten weitgehend ausgereizt haben. Dennoch verstehe ich nicht, warum man die Zölle aufheben will.

Wieso?

Im Interesse der heimischen Bauern muss man doch schauen, dass nicht so viel Milch aus den USA zu uns kommt. Ich halte nichts vom Freihandelsabkommen, auch weil ich um unsere strengen Produktionsstandards fürchte. Ich verstehe nicht, warum sich der Bauernverband für das Abkommen ausspricht. Wir haben jetzt schon einen konventionellen Milchpreis von unter 30 Cent pro Liter, damit kann kaum jemand kostendeckend Milch produzieren.

Was bedeutet das für die Betriebe?

Meiner Erfahrung nach bedeutet das Stundenlöhne von etwa fünf bis sieben Euro, das ist nicht tragbar. Wenn dann noch günstigere amerikanische Produkte auf den Markt kommen, wird das zum Problem. Es wäre besser, sich durch Zölle abschotten zu können. Warum geht das möglicherweise beim Zucker, bei der Milch aber nicht? Das ist mir nicht klar.

Sie erhoffen sich von der Umstellung auf Bio aber nun bessere Bedingungen?

Zum einen hoffe ich natürlich, mehr erwirtschaften zu können. Aber auch, wieder mit der Natur arbeiten zu können und nicht gegen sie. Da bin ich nämlich nicht der Typ dafür.

Haben die Käufer im Supermarkt nicht verstanden, was Milch kosten muss?

Ja, sie müssen verstehen, dass Milch mehr wert ist als nur ein paar Cent. Wobei es, glaube ich, zunehmend Leute gibt, die umdenken. Denen ist eine naturnahe Herstellung wichtig.

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