Telekom-Chef René Obermann Justitias rechte Hand

Wegen eines Sportsponsoring-Deals gibt es bei VW und der Telekom einen Korruptionsverdacht, doch einer gibt den Aufräumer: Telekom-Chef René Obermann. Doch der hat mit staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen zwiespältige Erfahrungen.

Von Hans Leyendecker und Klaus Ott

Früher erlebten Konzernchefs Staatsanwälte nur im Fernsehen. Ganz selten verirrte sich ein Strafverfolger bei einer Durchsuchung in die Vorstandsetage. Die Ermittler berichteten dann meist den Kollegen, die nicht dabei sein konnten, wie groß die Zimmer waren.

Längst sind die Chefs der neuen Deutschland AG vor der Justiz nicht mehr sakrosankt. Mancher von ihnen fühlt sich schutzlos in Justitias Hand, andere kooperieren mit der Staatsgewalt, als handele es sich um Geschäftspartner.

Seit gut vier Jahren ist René Obermann Chef der Telekom, und zu den größten Herausforderungen gehörten in seiner Amtszeit die Begegnungen mit der Staatsmacht. Die neue Affäre der Konzern-Tochter T-Systems ist ein Beleg dafür, wie stark der Konzern mittlerweile Themen wie Corporate Governance und Compliance Beachtung schenkt.

Eher durch Zufall war im vergangenen Jahr intern bekannt geworden, dass Top-Leute von T-Systems in eine merkwürdige Kungelei mit dem Bundesligaverein VfL Wolfsburg und VW verwickelt waren. Aus Sicht des Aufsichtsrats von T-Systems, dem der 47 Jahre alte Obermann vorsitzt, seien Vertriebsaktivitäten und Sponsoring miteinander verquickt worden. Für Großaufträge von VW sollen sich Vertriebsleute von T-Systems bereit erklärt haben, einen auslaufenden Sponsoring-Vertrag mit dem VfL Wolfsburg zu verlängern.

Solche Geschäfte waren vor einem Jahrzehnt Alltag, aber nach den Regeln anständiger Compliance sind sie unakzeptabel. Es soll gar nicht erst der Verdacht aufkommen, dass der Akquisition durch Sponsoringversprechen nachgeholfen wird. Der Vertriebschef der Geschäftskundensparte Joachim Langmack, der als Macher einen enormen Ruf hatte, wurde gefeuert.

Obermann hat Erfahrung mit Korruptionsvorwürfen

Früher wären solche Vorgänge still beerdigt worden. Diesmal schaltete die T-Systems die Staatsanwaltschaft ein, um den Fall aufklären zu lassen. Die Bonner Ermittler, die zunächst gefragt wurden, waren nicht zuständig. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft winkte auch ab, und schließlich landete der Fall bei der Stuttgarter Strafverfolgungsbehörde, weil Langmack dort sein Büro hat. Die Stuttgarter gehen dem Korruptionsverdacht jetzt mit Wucht nach. Die Telekom und T-Systems sind aus dem Schneider: Sie können bei Anfragen auf die Ermittler verweisen.

Obermann hat zwiespältige Erfahrungen mit solcher Aufarbeitung gemacht. Die Spitzelaffäre des Bonner Konzerns, welche die Republik bewegte, ist im Jahr 2008 durch eine Strafanzeige der Telekom ausgelöst worden.

Der Konzern kooperierte vorbildlich mit den Bonner Ermittlern. Über viele Monate waren Arbeitnehmervertreter, Aufsichtsräte, Betriebsräte und auch Journalisten ausgespäht worden. Die Aufarbeitung des Skandals führte zu erheblichen Veränderungen bei der Telekom, die dem Konzern heute nutzen.

Aber Obermann hat auch erfahren, wie belastend der bloße Korruptionsverdacht sein kann. Ende vergangenen Jahres ermittelte die Bonner Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen des Verdachts von Korruptionsdelikten bei Osteuropageschäften. Der Verdacht allein empörte ihn. An den Vorwürfen war nichts dran. Das Verfahren gegen Obermann ist eingestellt worden und der Aufsichtsrat der Telekom hat während der Ermittlungen den im Herbst 2011 auslaufenden Vertrag mit Obermann verlängert. Unangenehm war das Aktenzeichen aber dennoch.

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