Pestizide Die Biene als Beweis

Bienen als Bestäuber sind für Natur und Landwirtschaft unverzichtbar. Doch Pestizide setzten ihnen zu.

(Foto: Frank Bienewald/mauritius images)
  • Ab Mittwoch muss der Europäische Gerichtshof entscheiden, ob das Teil-Verbot für einige Pestizide rechtmäßig war. Es wurde ausgesprochen, weil die Mittel Bienen schaden.
  • Die Hersteller haben gegen die EU-Kommission geklagt, nun beginnt die Verhandlung.
  • Es geht in dem Verfahren auch grundsätzlich darum, ob und unter welchen Umständen die Behörden einmal erteilte Genehmigungen einschränken oder ganz widerrufen dürfen.
Von Silvia Liebrich

Albrecht Pausch wirft einen zufriedenen Blick auf seine Bienenstöcke. Ein paar Tiere sind schon unterwegs, obwohl Anfang Februar kaum Blüten zu finden sind. "Auch Bienen müssen ab und zu pinkeln", sagt Pausch. Er lacht. Hier, zwischen sanften Hügeln, knapp 50 Kilometer nördlich von München, scheint die Welt noch in Ordnung zu sein. Zu dem Bioland-Hof den er in der Nähe von Scheyern betreibt, gehört neben den Obstbäumen und einer Destillerie die Imkerei mit 230 Bienenvölkern. Mehrere Dutzend Holzkästen stehen nur ein paar Meter entfernt, direkt am Waldrand. "Fünf Prozent Winterverluste sind normal", sagt der Imker. Seine Bienen haben die kalten Monate bisher offenbar gut überstanden.

Das war aber nicht immer so. Vor ein paar Jahren stellte er fest, dass ein Teil der Bienen nicht in den Stock zurückkam, ohne dass er sich das erklären konnte. "Wo kurz zuvor noch das pralle Leben herrschte, fehlten plötzlich viele Bienen", erinnert er sich. Auch legten auffällig viele Königinnen keine befruchteten Eier mehr oder waren ganz verschwunden.

Pausch, ein Mann um die 60, ist keiner, der leichtfertig Beschuldigungen äußert. Der Ingenieur war lange für den Chiphersteller Intel unterwegs, bevor er sich für das Landleben entschieden hat. Er hält sich an Fakten. Trotzdem hatte er einen Verdacht. Ein wesentlicher Grund, so vermutet er, seien bienenschädliche Pestizide gewesen, genauer gesagt einige Insektenbekämpfungsmittel, die in der deutschen Landwirtschaft seit Ende der Neunzigerjahre immer häufiger eingesetzt werden.

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Brüssel hat vier umstrittene Pestizide verboten - die Hersteller klagen

Er war nicht der Einzige, der so dachte. Auch die europäische Aufsichtsbehörde Efsa hielt den Verdacht für begründet. Den Einsatz von vier umstrittenen Mitteln hat die EU-Kommission deshalb vor dreieinhalb Jahren teilweise untersagt. Doch diese Verbote könnten bald wieder aufgehoben werden. Das zumindest fordern die betroffenen Herstellern, die deutschen Konzerne Bayer Cropscience und BASF sowie das Schweizer Unternehmen Syngenta. Sie halten die Verbote für ungerechtfertigt und haben die EU-Kommission verklagt.

Die entscheidende Phase in diesen Verfahren beginnt am Mittwoch am Europäischen Gerichtshof, und es geht um mehr als ein paar Pestizide. Tatsächlich müssen die Richter nebenbei eine wichtige Grundsatzfrage klären: die nach dem Umgang mit Risiken in der Europäischen Union, also die Frage, was schwerer wiegt, der Schutz von Investitionen oder der Schutz von Natur und Verbrauchern? Und es wird sich auch zeigen, welcher Spielraum der Politik künftig beim Verbot gefährlicher Stoffe bleibt, wenn Konzerne ihr Recht auf Umsatz und Ertrag in die Waagschale werfen.

Gibt der Gerichtshof den Agrarkonzernen recht, könnten auf die EU in der Folge Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe zukommen. Kritische Stoffe aus dem Verkehr zu ziehen, dürfte dann noch schwieriger werden als bisher. Doch wie ist es überhaupt so weit gekommen?