Verdi versus Media Markt: Die Gewerkschaft wirft der Elektronikkette vor, die betriebliche Mitbestimmung zu unterdrücken. In nur zwei Märkten gibt es einen Betriebsrat - bei 230 deutschen Niederlassungen.
Die Sache, die an diesem Donnerstag ab 11.15 Uhr vor dem Arbeitsgericht München verhandelt wird, klingt zunächst nicht sonderlich spektakulär. Es geht um eine Betriebsratswahl im Media Markt München-Euroindustriepark im Spätsommer vergangenen Jahres. Deren Ergebnis ficht die Gewerkschaft Verdi an, weil es nach ihrer Meinung vor dem Urnengang erhebliche Behinderungen gegeben hat. Ein Fall von regionaler Bedeutung, könnte man meinen.
Bild vergrößern
Betriebsräte sollen bei Media Markt keinen leichten Stand haben. (© AP)
Anzeige
Für Margret Mönig-Raane, die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, sind die Vorfälle rund um die Betriebsratswahl in dem Münchener Markt jedoch beispielhaft dafür, wie es bei der größten deutschen Elektronikkette zugeht: "Führungskräfte verfallen geradezu in Panik, wenn Beschäftigte ihre Rechte wahren wollen und den Wunsch äußern, einen Betriebsrat gründen zu wollen."
Anders könne sie sich das "skrupellose Verhalten" mancher Manager nicht erklären, die auch "kriminelle Handlungen nicht scheuen", um Betriebsratswahlen zu verhindern. Bundesweit arbeiten in 230 Niederlassungen von Media Markt etwa 17.000 Menschen. Tatsächlich gibt es nur in zwei dieser Märkte Betriebsräte: in Rosenheim und einem zweiten Markt in München.
Mönig-Raane zufolge haben auch die Mitarbeiter an vielen anderen Standorten der Elektronikkette den Wunsch, sich zu organisieren. Aber sie würden systematisch eingeschüchtert. "Kein Argument ist dumm genug, um ein Klima der Angst zu schüren", sagt die Gewerkschafterin. Da werde gedroht, die Installierung eines Betriebsrats sei so teuer, dass künftig kein Weihnachtsgeld mehr bezahlt werden könne oder dass Kündigungen ausgesprochen werden müssten.
Media Markt bestreitet die Vorwürfe
Wer dennoch die Installierung eines Betriebsrats vorantreibe, stehe unter "Dauerbeschuss": Er werde gemobbt, abgemahnt, mit Kündigung bedroht. Versuche, mit der Geschäftsführung in der Ingolstädter Hauptverwaltung ins Gespräch zu kommen, seien gescheitert: "Die Herren reagieren nicht auf unsere Anfragen."
Auch über die Handelsgruppe Metro, den Mehrheitsgesellschafter von Media-Saturn, hat Verdi versucht, Einfluss zu nehmen. Ohne Erfolg, wie Mönig-Raane bedauert. Von dort habe es nur geheißen: "Wir haben kein Weisungsrecht."
Ein Metro-Sprecher erklärt, Konzernchef Eckhard Cordes habe im vergangenen Jahr in Ingolstadt darauf hingewiesen, Mitbestimmungsrechte einzuhalten und Betriebsratswahlen nicht zu behindern. Gleichwohl betrachtet Metro die Vorgänge im Media Markt München-Euroindustriepark als Einzelfall.
So stellt auch Media Saturn die Sache dar: "Die Gründung von Betriebsratswahlen wird bei uns nicht behindert", hieß es am Mittwoch aus der Zentrale. Die Tatsache, dass es in der Firmengruppe "nicht flächendeckend" Betriebsräte gibt, sei mit der hohen Zufriedenheit der Mitarbeiter und einer nicht selten übertariflichen Bezahlung zu erklären.
Nach Angaben eines Media-Saturn-Sprechers gibt es in der gesamten Gruppe, zu der auch die Saturn-Märkte gehören, 20 Betriebsräte - zwei bei Media Markt und 18 bei Saturn. An den Standorten Bremen (Media Markt) und Lünen (Saturn) liefen derzeit Betriebsratswahlen "völlig unspektakulär und konfliktfrei" ab.
- Thema
- Media-Markt RSS
- Interview mit Bsirske "Wenn sich Dinge zuspitzen, kommen die Leute" 20.01.2011
- Einzelhandel Kein Media-Markt für Karsfeld 14.03.2011
- China 130 Überstunden, unbezahlt - Monat für Monat 19.08.2010
- Metro-Chef Cordes "Meine Herren! Es war jedenfalls erfolgreich" 10.07.2010
- Wirtschaft kompakt Endlich was Eigenes 15.06.2010
- Einzelhandel in Dachau Media-Markt sondiert Alternativen 14.03.2011
- Mediamarkt: Ärger mit Bayern-Kicker Werbefiguren wider Willen 14.03.2011
(SZ vom 17.02.2011/ema)
Vor der EM in Polen und der Ukraine
Der Beitrag von Ihnen ist ein Musterbeispiel für das Demokratieverständnis sehr vieler Arbeitgeber. Auch in meiner Firma konnte der Betriebsrat nur gegen große Widerstände, auch vor dem Arbeitsgericht, durchgesetzt werden. Ist der Betriebsrat erstmal da, beruhigen sich zwar die Gemüter in den oberen Etagen, aber lästig wie die Schmeißfliegen sind diese Vertreter der Arbeitnehmer schon, man muss sie in vielen Sachen erst fragen und das widerspricht weitestgehend der herrschenden Arbeitgeberkultur.
Ein Blick auf die demokratischen Wahlen zu den diversen Parlamenten zeigt aber auch, dass diese Denkweise bei gewissen Schichten sehr lebendig ist, nach dem Motto, was weiß Kreti und Pleti schon, das können wir besser(altrömisch vox populi, vox Rindvieh). Wenn nur die Eliten das Sagen hätten! Im Übrigen auch bei Journalisten.
wie Du @ ischbinwiederda ist halt nicht jeder ... in der Tat geht es um Solidarität.. das werden aber die Angestellten und die ständig Mitglieder verlierenden Gewerkschaften austragen müssen - unsereins kann allerhöchstens begreifen und umsetzen, dass man solche abartigen Läden nicht auch noch durch einen Kauf unterstützt. Aber dazu braucht es eine bisschen Hirn.
du hats´s wohl nicht kappiert?
die Wirtschaft legt größten Wert darauf, Keile in die Gesellschaft zu treiben um sie zu spalten, es gelingt ihr bisher gut, wenn man sich die Gesellschaft und deren Treiben so ansieht und auch den ein oder anderen Kommenatr liest. Dabei ist der Mensch und zum Überleben auf Solidarität seiner Mitmenschen angewiesen, sonst beißt nämlich auch du ins Gras. Letztlich ist es mir und vermutlich auch vielen anderen egal, wo du deinen zukünftigen elektroschrott kaufst, nur darum geht´s hier eben nicht. Nur so zur Klarstellung.
besorgt fürs gleiche Geld, was im Mediamarkt zu kaufen ist... einfach nachfragen.
"Eine Firma mit einem guten Chef braucht keinen Betriebsrat, da dieser "Rat" nur einen korrupten und selbstprofilierenden Kostenfaktor darstellt."
Die Erfahrung zeigt das es den "guten" Chefs ziemlich egal ist ob sein Arbeiter von dem Lohn leben kann. Die vielen Firmen die durch KZ Haeftlinge reich wurden (Thyssen, Quant-BMW, BASF, Messerschmidt) haben es bewiesen das Sie ueber Leichen gehen. Brandaktuell auch Aufstocker und Sklaventreiberfirmen. Wenn der Arbeiter auf seine Lobby verzichtet wird die Zukunft bestimmt nicht besser.
Paging