Media Markt: Konflikt mit Verdi Betriebsratsfreie Zone

Verdi versus Media Markt: Die Gewerkschaft wirft der Elektronikkette vor, die betriebliche Mitbestimmung zu unterdrücken. In nur zwei Märkten gibt es einen Betriebsrat - bei 230 deutschen Niederlassungen.

Von Stefan Weber

Die Sache, die an diesem Donnerstag ab 11.15 Uhr vor dem Arbeitsgericht München verhandelt wird, klingt zunächst nicht sonderlich spektakulär. Es geht um eine Betriebsratswahl im Media Markt München-Euroindustriepark im Spätsommer vergangenen Jahres. Deren Ergebnis ficht die Gewerkschaft Verdi an, weil es nach ihrer Meinung vor dem Urnengang erhebliche Behinderungen gegeben hat. Ein Fall von regionaler Bedeutung, könnte man meinen.

Für Margret Mönig-Raane, die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, sind die Vorfälle rund um die Betriebsratswahl in dem Münchener Markt jedoch beispielhaft dafür, wie es bei der größten deutschen Elektronikkette zugeht: "Führungskräfte verfallen geradezu in Panik, wenn Beschäftigte ihre Rechte wahren wollen und den Wunsch äußern, einen Betriebsrat gründen zu wollen."

Anders könne sie sich das "skrupellose Verhalten" mancher Manager nicht erklären, die auch "kriminelle Handlungen nicht scheuen", um Betriebsratswahlen zu verhindern. Bundesweit arbeiten in 230 Niederlassungen von Media Markt etwa 17.000 Menschen. Tatsächlich gibt es nur in zwei dieser Märkte Betriebsräte: in Rosenheim und einem zweiten Markt in München.

Mönig-Raane zufolge haben auch die Mitarbeiter an vielen anderen Standorten der Elektronikkette den Wunsch, sich zu organisieren. Aber sie würden systematisch eingeschüchtert. "Kein Argument ist dumm genug, um ein Klima der Angst zu schüren", sagt die Gewerkschafterin. Da werde gedroht, die Installierung eines Betriebsrats sei so teuer, dass künftig kein Weihnachtsgeld mehr bezahlt werden könne oder dass Kündigungen ausgesprochen werden müssten.

Media Markt bestreitet die Vorwürfe

Wer dennoch die Installierung eines Betriebsrats vorantreibe, stehe unter "Dauerbeschuss": Er werde gemobbt, abgemahnt, mit Kündigung bedroht. Versuche, mit der Geschäftsführung in der Ingolstädter Hauptverwaltung ins Gespräch zu kommen, seien gescheitert: "Die Herren reagieren nicht auf unsere Anfragen."

Auch über die Handelsgruppe Metro, den Mehrheitsgesellschafter von Media-Saturn, hat Verdi versucht, Einfluss zu nehmen. Ohne Erfolg, wie Mönig-Raane bedauert. Von dort habe es nur geheißen: "Wir haben kein Weisungsrecht."

Ein Metro-Sprecher erklärt, Konzernchef Eckhard Cordes habe im vergangenen Jahr in Ingolstadt darauf hingewiesen, Mitbestimmungsrechte einzuhalten und Betriebsratswahlen nicht zu behindern. Gleichwohl betrachtet Metro die Vorgänge im Media Markt München-Euroindustriepark als Einzelfall.

So stellt auch Media Saturn die Sache dar: "Die Gründung von Betriebsratswahlen wird bei uns nicht behindert", hieß es am Mittwoch aus der Zentrale. Die Tatsache, dass es in der Firmengruppe "nicht flächendeckend" Betriebsräte gibt, sei mit der hohen Zufriedenheit der Mitarbeiter und einer nicht selten übertariflichen Bezahlung zu erklären.

Nach Angaben eines Media-Saturn-Sprechers gibt es in der gesamten Gruppe, zu der auch die Saturn-Märkte gehören, 20 Betriebsräte - zwei bei Media Markt und 18 bei Saturn. An den Standorten Bremen (Media Markt) und Lünen (Saturn) liefen derzeit Betriebsratswahlen "völlig unspektakulär und konfliktfrei" ab.