Luftverschmutzung in China Land im Smog

Es atmet sich nicht gut in China: Dieser Mann aus Peking hat sogar seinem Hund eine Maske aufgesetzt.

(Foto: Reuters)

Chinas Straßenverkehr wächst jährlich um 20 Millionen Fahrzeuge, viele davon verpesten die Luft zum Atmen. Nun verbannt die Regierung sechs Millionen Dreckschleudern - ein PR-Gag, denn in Sachen Umweltschutz wären ganz andere Maßnahmen notwendig.

Von Marcel Grzanna, Shanghai

Die Nudelsuppe aus der Garküche hat einen giftigen Beigeschmack. Ein vorbeidröhnender Kleinlaster mit rostigen Felgen spuckt schwarzen Staub aus dem Auspuff. Abgas vernebelt die Plastiktische entlang der Bordsteinkante. Nudelesser und Politiker sind gleichermaßen genervt von solchen Fahrzeugen. Sie verderben einem die Lust auf Garküchen und schlimmer noch: Sie verpesten die Luft zum Atmen. Deshalb verbannt die chinesische Regierung fast sechs Millionen solcher Dreckschleudern wie den Kleinlaster aus dem Verkehr. Sie hofft, so die Luftqualität in den Städten zu verbessern.

Doch das Verbot wird das Problem nicht lösen. Chinas Straßenverkehr wächst jedes Jahr um mehr als 20 Millionen Fahrzeuge, Tendenz steigend. Ein paar Millionen der schlimmsten Umweltsünder zu sperren ist gut - aber kaum mehr als ein populistischer PR-Gag. Gegen die Luftverschmutzung helfen ganz andere Mittel, zum Beispiel der effiziente Umgang mit Energie.

China ist nicht nur der größte CO₂-Emittent der Welt, sondern seit vielen Jahren wohl auch der sorgloseste. Zwar weist die Regierung auf ihren geringen Pro-Kopf-Ausstoß hin. Viele Chancen, die Probleme zu lösen, hat China in den vergangenen Jahren allerdings nicht genutzt, denn das Wirtschaftswachstum stand an erster Stelle.

Millionen Tote wegen Luftverschmutzung

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Der einzige Ausweg: Chinas Städte müssen schnellstmöglich technologisch so aufgerüstet werden, dass sie Energie auf breiter Front effizient nutzen. Gebäudedämmung, Kühlsysteme, kluge Stromnetze - all das wäre problemlos machbar. Die Technologie ist im Land vorhanden. Doch ihr Einsatz würde die Volksrepublik ein Vermögen kosten. Peter Lacy vom Beratungsunternehmen Accenture beziffert das finanzielle Volumen auf mehrere Hundert Milliarden Euro.

Der Brite sitzt vor einem frisch gepressten Fruchtsaft. Vitamine sind gut für die Gesundheit, wenn schon die Shanghaier Luft an diesem Vormittag den Standards der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge als ungesund eingestuft wird. Gemeinsam mit der chinesischen Akademie der Wissenschaften CAS entwickelten die Berater von Accenture einen Index, der die Nachhaltigkeit des Wachstums in den Millionenstädten ermittelt.

Vor allem die Metropolen schlagen sich verhältnismäßig gut, sind aber weit davon entfernt, das gesamte Potenzial abzurufen. "Unsere Absicht ist es, einen Wettbewerb der Städte untereinander zu provozieren, der sich nicht nur auf reines Wachstum beschränkt, sondern auch Nachhaltigkeit erfasst", sagt Lacy.