Die Textilien bei Lidl aus Bangladesch sind spottbillig. Doch Verbraucherschützer werfen dem Discounter vor, das Personal vor Ort werde ausgebeutet. Der Discounter sieht das laut Werbung anders.
Die schöne, bunte Kinderwelt: Ein Mädchen im rosa T-Shirt, mit dem Teddy in der Hand; ihr Bruder daneben, im gleichen Aufzug, nur in Blau und mit Spiderman-Aufdruck. Beworben werden "coole Outfits für Kids", Anfang des Monats waren sie im Angebot beim Discounter Lidl. T-Shirt und kurze Hose im Paket kosten 4,99 Euro; Caprihosen oder Jeans 5,99 Euro; leichte Mädchenschuhe 4,99 Euro.
Pulloverproduktion in Bangladesch: Mehr als zwei Millionen Menschen arbeiten in den Bekleidungsfabriken des Landes. (© Foto: AFP)
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Ob Regenjacken für Kleinkinder, Strickjacken oder Sneakers für Damen - man findet wenig im Bekleidungsangebot von Lidl, das mehr kostet als zehn Euro. Und die Käufer sollen deswegen kein schlechtes Gewissen haben: Lidl, heißt es auf der eigenen Webseite, leiste einen Beitrag "zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Entwicklungs- und Schwellenländern".
Speziell sei Lidl seit 2008 an einem Projekt beteiligt "zur Sicherstellung von sozialen Mindeststandards" bei mittlerweile 73 Produzenten in China und Bangladesch. Lidl kooperiere mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ); Ziel sei eine "vertrauensvolle" Kommunikation zwischen Managern und Arbeitern in den Betrieben.
Kaum bezahlte Mehrarbeit
Vor wenigen Wochen hat die Verbraucherzentrale Hamburg den Lidl-Konzern mit dem konfrontiert, was sich wirklich abspielt bei einigen Herstellern von Billigtextilien, die an dem Pilotprojekt teilnehmen.
Die Berliner Menschenrechtsorganisation ECCHR und das Netzwerk Clean Clothes Campaign hatten mehrere Lidl-Zulieferer in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, untersuchen lassen. Die Ergebnisse dieser Studie sind erschreckend: Die Angestellten, überwiegend Frauen, klagen darüber, dass sie regelmäßig und über Monate Überstunden leisten müssen; oft werde für diese Mehrarbeit kaum bis gar nichts gezahlt.
Die Gehälter entsprächen zwar meist den örtlichen Mindestlöhnen, also um die 30 Euro im Monat, dies reiche den Mitarbeitern zufolge aber oftmals nicht aus, um eine Familie zu ernähren.
Auch würden Mitarbeiter immer wieder mit Lohnabzügen bestraft, wenn sie sich weigerten, Überstunden zu leisten. In den untersuchten Betrieben dürften sich die Arbeiter nicht gewerkschaftlich organisieren.
Schlägertrupps
Wer es versuche, werde entlassen, an den Pranger gestellt oder müsse Schlägertrupps fürchten. Diskriminierung gehöre zum Alltag: gegen Schwangere, Kranke, ganz allgemein gegen Frauen.
In allen Firmen werde von sexuellen Belästigungen berichtet; Mädchen würden zum Teil gezwungen, sexuelle Beziehungen mit den Vorgesetzten einzugehen.
Nun tritt die Verbraucherzentrale Hamburg gegen Lidl an. Sie wirft dem Discounter vor, die Verbraucher zu täuschen. Die Werbung des Unternehmens sei irreführend und damit unlauter. Denn Lidl suggeriere, bestimmte Sozialstandards bei der Produktion sogenannter "Non-Food-Waren" einzuhalten. In Wahrheit aber würden diese Maßstäbe, wie die Untersuchung in Bangladesch belege, keineswegs beachtet.
Lidl entgegnet auf Anfrage der SZ, das Unternehmen sei sich "der Verantwortung bei der Herstellung seiner Waren bewusst" und lehne "Kinderarbeit oder Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen in den Produktionsstätten ab".
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haha, sehr gut. beinahe wäre ich drauf reingefallen und hätte angenommen, sie meinten das ernst.
dass sie vorgeben, es wäre ein seltenes privileg, über menschenfeindliche produktionsmethoden in sog. dritt-welt-ländern informiert zu sein, was sich ein normaler deutscher arbeiter nicht leisten könnehehehehe...
...tschuldigung, geht wieder...
oder ihre wunderbar ironischen inhalts- und zusammenhanglosen aufzählungen und hohlen phrasen, hihihi, um satirisch "moderne politiker" zu zitiehihihihihiren...
...ähem, pardon nochmal...
...und darauf hinzuweisen, dass es keine entschuldigungen geben kann, um menschenverachtende ausbeutung zu unterstützen.
kompliment an ihren humor, fast hätte ich es ihnen abgekauft... gerne mehr davon....
@fassungslos:
"[...] ...Sie stempeln damit jeden der dort einkaufen geht, unabhängig von seiner persönlichen Situation, zum Täter. "
Quatsch. Täter. Was ich unterstelle, ist, dass es denjenigen *WURSCHT* ist. Nicht mehr, nicht weniger.
Sie können mir erzählen, was Sie wollen: Es gibt keinen Zwang, bei Lidl & Co. einzukaufen.
Und die Forderung nach Gesetzen, die Lidl dazu zwingen, irgendetwas zu tun, ist infantil und typisch deutsch. Die Obrigkeit solls richten! Ohne Abnehmer würde das System aber nicht funktionieren! Was Sie fordern, ist die eigene Wurschigkeit durch Gesetzte für Andere zu kompensieren. Komischerweise wollen wir alle *lokale* Jobs, die gut bezahlt sind. Wir gehen also selbstverständlich davon aus, dass unsere Arbeit so und so viel wert ist. Logisch! Das eigene Konsumverhalten jedoch ist geradezu umgedreht, dem Produzenten von Turnschuhen will man nicht mehr wie 9,99 zugestehen, als Beispiel.
Nennen Sie das wie Sie wollen, für mich ist das verlogen.
DW
Auch hier reichen die Minilöhne oft nicht die Familie zu ernähren. Wo ist da der Unterschied zu Bangladesch? An den weiteren menschen unwürdigen Verhältnissen zur Übernahme in die BRD wird fieberhaft gearbeitet...
Klingt gerade so, als würde der Fabrikarbeiter die Preisgestaltung vornehmen. Sie werden verstehen, daß ich nicht weiter über solche "Argumente" nachgrübeln werde.
Seit der Auflösung des Comecon verspüren die westlichen abhängig Beschäftigten, rapider als bis dahin, einen Verfall der Bewertung ihrer Arbeit. Ein großer Teil dieses Verfalls ist der Propaganda mit der Globalisierung zuzuschreiben, wenngleich das mit den binnenwirtschaftlichen Möglichkeiten nicht naturgesetzlich und somit zwangsläufig und unumstößlich ist.
Aber auch die Jahre davor waren, speziell für die westdeutsche Arbeiterschaft, geprägt von Lohnverzicht. Jeses Jahr, in dem erneut der Jubelschrei vom Exportweltmeister ertönte, wurde geflissentlich übergangen, daß damit verbunden auch Arbeitslosigkeit exportiert wurde. Die Verrechnung von Äquivalenten wie Rohstoffe in Relation zu Hochtechnologie ist zum Hebel verkommen derjenigen, die anstrengungslos auf den Caymans ihren Wohlstand genießen in endkapitalistischer Dekadenz. Wäre übrigens der so entstandene Lohnverzicht und die damit verbundenen leeren Versprechungen in Unternehmensbeteiligungen der Arbeiter geflossen, wäre wohl so mancher Betrieb in Hand der Belegschaft.
Die Macht dieser Hebelwirkung bekamen die westlichen Arbeiter in der Lohndrückerei zu spüren und die "Dritte Welt" in der immer billigeren Plünderung ihrer Rohstoffe. Die Löhne dort zu senken, wo die Großzügigkeit des Kapitals ohnehin nur die Reproduktion der Arbeitskraft zuläßt, auf Sarghöhe, wäre wohl nicht möglich.
Die Frage darf sehr wohl gestellt werden, woher die Geiz-ist-geil-Kultur kommt und wohin sie führt; nur wird sie zumeist mit dem falschen Zungenschlag, rhetorisch nämlich, eingebracht. Bei allem Verantwortungsbewußtsein und Blick über den Tellerrand (so das von den Medien nicht sabotiert wird) ist es dem Fabrikarbeiter nicht zu verübeln, wenn er angesichts der eigenen Lage sparen will. Zugute kommt das immer nur den tatsächlichen Sozialschmarotzern, in den Etagen, wo "Arbeitszeit von 16 Stunden pro Tag" die Qualität eines gehobenen Durchschnittsurlaubs aufweisen.
Wenn jemand in der glücklichen Lage ist, über Zeit, Informationen, Bewußtsein und einigermaßen finanziellen Spielraum zu verfügen, wird er nicht bei Lidl kaufen. Allerhöchstens Überwachungskameras. Darin kennen sich die *feinen Herren* aus.
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