Internationaler Währungsfonds Was Korruption und Geldwäsche die Welt kosten

Zahllose Menschen weltweit leiden unter den Auswirkungen von Korruption. Bild: Eine von einem Nasa-Satelliten erstellte Ansicht der Erde. Die Falschfarben basieren auf Infrarotsensoren, die ein anderes Spektrum elektromagnetischer Strahlen erfassen.

(Foto: AFP)
  • Korruption ist nach Angaben des Internationalen Währungsfonds eine schwere Belastung für die Weltkonjunktur.
  • Jährlich würden dadurch 1,3 bis 1,75 Billionen Euro verschlungen. Das schwäche das Wachstum weltweit um zwei Prozent.
  • Der britische Premier Cameron wehrt sich gegen Vorwürfe, London sei die Geldwäsche-Hauptstadt der Welt - und stellt neue Pläne vor.

Korruption ist nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) eine schwere Belastung für die weltweite Wirtschaft. Jährlich würden dadurch 1,5 bis zwei Billionen Dollar (1,3 bis 1,75 Billionen Euro) verschlungen, heißt es in einem Bericht, den der IWF vor dem Anti-Korruptions-Gipfel am Donnerstag in London veröffentlichte. Der Schaden durch Korruption entspreche einer Schwächung der globalen Wachstumskraft von rund zwei Prozent.

Die negativen Effekte sind dem Bericht zufolge vielfältig. Korruption befördere die Steuerflucht und schwäche somit die Handlungsfähigkeit von Staaten, da Steuereinnahmen fehlten. Die Korruption trage auch zu sozialen Ungleichheiten bei und schrecke Investoren ab. Die Unternehmen suchten sich Länder aus, "wo sie sicher sein können, dass sie nach einer einmal getätigten Investition nicht erpresst werden, Bestechungsgelder zu zahlen", sagte IWF-Chefin Christine Lagarde.

Cameron lästert vor laufender Kamera

Im Gespräch mit der Queen zeigt sich der britische Premier begeistert über den Besuch aus "unglaublich korrupten Ländern". Nigerias Präsident verlangt in seiner Reaktion keine Entschuldigung, sondern Geld. mehr ...

Was Korruption auslösen kann

Auch die sozialen und ökologischen Kosten der Korruption könnten beträchtlich sein, warnt der Währungsfonds in seinem Bericht. Die Betrügereien bewirkten, dass Geld für soziale Programme fehle. Als Folge von Korruption würden Regeln zum Schutz der Umwelt nicht so scharf gefasst, wie sie sein sollten, und unzureichend umgesetzt.

Bei dem Anti-Korruptions-Gipfel in London soll nach dem Willen des britischen Premierministers David Cameron eine internationale Erklärung unterzeichnet werden. Sie soll die Teilnehmerstaaten zur Zusammenarbeit verpflichten und anerkennen, dass Korruption die Bemühungen im Kampf gegen Armut wie auch gegen den Terrorismus untergräbt. An dem Gipfel nehmen Vertreter aus rund 40 Staaten teil. Deutschland wird durch Justizminister Heiko Maas (SPD) vertreten. Maas sprach sich vor dem Gipfel für härtere Sanktionen gegen kriminelle Unternehmen aus. Er kündigte noch für 2016 einen Vorschlag an, um Unternehmen und Banken stärker in die Haftung zu nehmen. "Wir brauchen flexible Obergrenzen, das heißt: Die Höhe des Bußgeldes orientiert sich an Umsatz oder Gewinn des Unternehmens. Damit können wir gezielter vorgehen", so Maas.

Cameron und der Kampf gegen Korruption

Premier Cameron sieht sich unterdessen Vorwürfen ausgesetzt, dass er zwar vordergründig eine Allianz gegen internationale Korruption schmieden wolle, tatsächlich aber London eine Art Geldwäsche-Hauptstadt der Welt sei. In einem Gastbeitrag im Guardian enthüllte Cameron neue Pläne gegen Geldwäsche. Sie sehen Strafen für Unternehmenschefs vor, die Betrug oder Geldwäsche in ihren Firmen nicht verhindern.

Sollte ein Angestellter mit Geldwäschevorwürfen belastet werden, soll demnach künftig das Unternehmen zur Verantwortung gezogen werden, wenn es keine Mechanismen gegen Betrug oder Geldwäsche nachweisen kann. Zudem sollen den Plänen zufolge alle ausländischen Firmen, die in Großbritannien investieren, ihre wahren Eigentümer in einem öffentlichen Register offenlegen.

Das Treffen in London findet nur rund einen Monat nach der Veröffentlichung der Panama Papers statt. Dadurch war enthüllt worden, wie die in dem zentralamerikanischen Land angesiedelte Kanzlei Mossack Fonseca Spitzenpolitikern, Sportstars und anderen Prominenten dabei half, Steuern zu vermeiden. Auch Cameron geriet wegen einer Beteiligung an der Briefkastenfirma seines Vaters unter Druck.