Great Barrier Reef in Gefahr Australische Regierung genehmigt Riesen-Kohlemine

Wirtschaft geht vor Umweltschutz: Die indische Firma Adani darf in Australien ein gigantisches Bergbau-Projekt umsetzen. Naturschützer sind entsetzt, denn nicht nur ein riesiges Reservoir ist in Gefahr, auch das Great Barrier Reef könnte großen Schaden nehmen.

  • Die australische Regierung genehmigt das Bergbauprojekt Carmichael. Unter Auflagen darf die indische Betreiberfirma Adana nun mit der Umsetzung des Milliarden-Projekts beginnen.
  • Die Region Queensland verspricht sich von der Kohlemine Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze.
  • Umweltschützer haben große Bedenken: Der Kohleabbau könnte schwere Auswirkungen auf das Grundwasser haben, der Ausbau eins Hafenbeckens gefährdet das Great Barrier Reef.

Genehmigung der australischen Regierung

Die australische Regierung hat umstrittene Pläne für ein riesiges Kohle-Bergwerk im Bundesstaat Queensland genehmigt. Dabei seien der indischen Betreiberfirma Adani 36 Auflagen gemacht worden, insbesondere mit Bezug auf den Grundwasserschutz, sagte Umweltminister Greg Hunt.

Bereits im Mai hatte die Lokalregierung in Queensland das Großprojekt Carmichael abgesegnet. Damals stand jedoch noch die finale Genehmigung der Regierung Cranberra aus.

Mit der Entscheidung setzt sich die australische Regierung über die Einschätzung des Independent Expert Scientific Committees hinweg. Das unabhängige Gremium, das 2012 ins Leben gerufen wurde, um Staat und Behörden bei Kohle- und Gas-Projekten zu beraten, hatte nach Information von ABC News Australia starke Bedenken angemeldet. Es sei nicht absehbar, wie sich der Kohleabbau auf das Große Artesische Becken auswirkt, ein gigantisches unterirdisches Süßwasser-Reservoir.

Bergbau-Projekt mit gigantischem Ausmaß

Das geplante Bergwerk mit dem Namen Carmichael kostet Adani 16,5 Milliarden australische Dollar (11,5 Milliarden Euro) und soll jährlich 60 Millionen Tonnen Kohle abwerfen. Damit könnte die Mine nach Regierungsangaben die größte in Australien und eine der größten weltweit werden. Umweltminister Hunt zufolge kann mit der Kohle Strom für bis zu 100 Millionen Inder produziert werden.

Die in der Mine im Tage- und Untertagebau geförderte Kohle soll über 189 Kilometer per Zug nach Abbot Point gebracht und dann über einen neu auszubauenden Kohlehafen nach Indien verschifft werden.

Die Regierung erwartet einen starken Impuls für die Wirtschaft in Queensland. ABC News Australia zitiert den Minister, er rechne mit 2,97 Milliarden Dollar jährlichem Plus für Queenslands Wirtschaft, knapp 2500 Arbeitsplätzen in der Bauphase und weiteren 3900 Arbeitsplätzen nach der Fertigstellung.

Was Naturschützer kritisieren

Das Carmichael-Projekt ist wegen der zu erwartenden Umweltauswirkungen höchst umstritten. Die Umweltorganisation Australian Conservation Foundation erklärte, die Entscheidung für Carmichael sei "eine schlechte Nachricht für die Wasservorkommen, die wilden Tiere und für die globalen Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel".

Für die Ausbeutung der Kohlevorkommen würden Milliarden Liter Grundwasser entnommen, was sowohl den örtlichen Landwirten als auch bestimmten Tierarten Probleme bereiten werde.

Der Weitertransport wiederum könnte einer Unesco-Welterbestätte schaden. Die Pläne für den umfangreichen Ausbau eines Kohlehafens in Abbot Point gefährden das weltberühmte Great Barrier Reef, das ganz in der Nähe liegt.

Umweltminister Hunt verwies zwar darauf, dass die staatlichen Auflagen sehr strikt seien. Neben den 36 von der Regierung beschlossenen Bedingungen habe der Bundesstaat Queensland seinerseits 190 Bedingungen formuliert.

Die Australian Conservation Foundation hält die Auflagen aber nicht für ausreichend. Einige seien sinnvoll, insgesamt könne aber die bevorstehende "Umweltkatastrophe" so nicht verhindert werden. Auch die australischen Grünen und Greenpeace kritisierten die Freigabe des Projekts scharf.

Wirtschaft vor Naturschutz

Es gehört zum Programm der im September gewählten konservativen Regierung von Premierminister Tony Abbott, die Wirtschaft - allen voran die Rohstoffindustrie - über Umweltthemen zu stellen. In den vergangenen Monaten bewilligte Canberra den Bau mehrerer die Umwelt schädigende Minen. Auch will die Regierung den Weltnaturerbe-Status von Teilen der einzigartigen Urwälder auf der Insel Tasmanien wieder aufheben lassen. Das würde der Holzindustrie erlauben, in wenigen noch unberührten Naturgebieten zu roden.

Weitreichende Folgen haben auch die Pläne, es künftig den Bundesstaaten zu überlassen, über Projekte zu entscheiden. Bei diesen spielt Umweltschutz häufig eine nachgelagerte Rolle, weil sie direkt von den Lizenzabgaben von Minen und ähnlichen Anlagen profitieren.

Australien hat wegen seiner nahezu vollständigen Abhängigkeit von Kohle unter den Industrieländern bereits den höchsten Pro-Kopf-Ausstoß an CO₂ - er ist etwa doppelt so hoch wie in Deutschland. Und dieser könnte noch weiter steigen: Beobachter rechnen damit, dass die Regierung mittelfristig auch die Subventionen für Wind- und möglicherweise Solarenergie streichen wird. Von der Abschaffung der Subventionen profitieren würden die Kohlekraftwerke.

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