Geldwäsche Die Rolle deutscher Banken in der russischen Geldwaschmaschine

Die moldauische Moldindconbank steht im Zentrum der Enthüllungen um die "russische Geldwaschmaschine". Aber auch deutsche Banken profitierten von dem System.

(Foto: Niels Ahlmann Olesen. Media: Berlingske, Denmark; Bearbeitung SZ)

Die Deutsche Bank, die Commerzbank und andere nahmen lange Zeit fragwürdige Überweisungen aus Osteuropa an. Eine Spur führt auch zur BayernLB.

Von Hannes Munzinger

Mindestens 27 deutsche Banken sollen Geld verwaltet haben, das russische Geldwäscher in den Jahren 2010 bis 2014 nach Europa schleusten. Geld im Wert von 66,5 Millionen US-Dollar floss nach SZ-Recherchen auf die Konten deutscher Institute.

Die Überweisungen kamen stets von der moldauischen Moldindconbank oder der lettischen Trasta Komercbanka. Beide stehen im Zentrum eines als "Russian Laundromat" (Russische Waschmaschine) bekannt gewordenen Geldwäsche-Schemas.

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Die Commerzbank soll mit 27,4 Millionen Dollar die in Deutschland größte Summe erhalten haben; dies geht aus Daten hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegen. Die Bank wollte die Vorwürfe auf Anfrage nicht kommentieren. Die sogenannte Compliance, also das Regelwerk zur Vermeidung unethischen oder illegalen Handelns, habe bei der Commerzbank einen hohen Stellenwert, teilte eine Sprecherin mit. Transaktionen würden überwacht und im Verdachtsfall den Behörden gemeldet.

Verdacht aber hätte die Commerzbank wohl schöpfen können: Allein 23 Millionen US-Dollar überwiesen dieselben fünf Briefkastenfirmen auf 63 verschiedene Konten. Die Namen der Firmen wurden bereits 2014 bekannt, als das Journalisten-Netzwerk OCCRP Ermittlungsakten veröffentlichte, in denen sie auftauchen.

Das Geschäft mit dem lettischen Institut ging weiter, trotz eines großen Steuerbetrugs

Auch der Deutschen Bank soll der Geldwäsche-Ring hohe Summen auf die Konten gespült haben, rund 24 Millionen US-Dollar. Das Unternehmen lässt mitteilen, seine "Systeme in erheblichem Umfang gestärkt und Kontrollen ausgebaut zu haben". Seit 2015 habe man 1000 neue Mitarbeiter in den Bereichen Compliance und "Anti-Financial-Crime" eingestellt.

Aber auch ihre Geschäftsbeziehungen zu den Skandalbanken in der Republik Moldau und in Lettland werfen Fragen auf. Die Deutsche Bank war für beide als sogenannte Korrespondenzbank tätig. Korrespondenzbanken regeln für nationale Kreditinstitute beispielsweise den internationalen Zahlungsverkehr. 2013 zog sich die amerikanische Großbank JP Morgan Chase auf Druck der US-Bankenaufsicht aus dem Korrespondenzgeschäft mit lettischen Instituten zurück. Das dortige Bankensystem hatte damit auch offiziell den Ruf, ein Dorado für Geldwäscher zu sein.

Die Trasta Komercbanka war schon durch den wohl größten Steuerbetrug in der russischen Geschichte, den sogenannten Magnitsky-Fall, in die Schlagzeilen geraten. Für die Deutsche Bank hingegen blieb der Trasta Komercbanka treu, bis die Bank wegen "riskanter und reputationsschädigender Kreditgeschäfte" von der lettischen Finanzaufsichtsbehörde im August 2015 verwarnt wurde.

Was der Deutschen Bank zu riskant wurde, sah die Bayerische Landesbank nun womöglich als Chance. Für "einen kurzen Zeitraum Ende 2015 bis Anfang 2016" war sie mit der Trasta im Geschäft, Geld sei aber nie geflossen, betont die Bayern-LB.

Warum die Bank, die zu drei Vierteln dem Freistaat Bayern gehört, zu größeren Risiken bereit war als eine Privatbank, wollte die Bayern-LB nicht kommentieren. Ende Januar 2016 verbot die lettische Aufsichtsbehörde der Trasta alle Transaktionen über 100 000 Euro. Im März 2016 entzog ihr die Europäische Zentralbank die Lizenz. Damit war auch das lettische Abenteuer der Bayern-LB beendet.

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