Empörung über EU-Verordnung Aufstand gegen die Saatgut-Lobby

Die Hobby-Gärtner sind wütend: Sie fürchten, dass die EU künftig regelt, ob sie eigenes Saatgut tauschen oder verschenken dürfen. Konzerne wie Monsanto, Dupont und Syngenta hingegen könnten ihre Macht vergrößern. Denn bei dem Streit geht es um viel mehr als nur Saatkörner.

Von Silvia Liebrich

Die Gartensaison hat für viele Hobby-Gärtner gerade erst begonnen, da ziehen schon die ersten Unwetter auf. Nicht in Form von Sturm und Hagel, sondern in Form von neuen EU-Gesetzen.

Die Europäische Union will die Verwendung und den Zugang zu Saatgut und damit auch die Artenvielfalt weiter einschränken - sehr zum Ärger von Kleingärtnern, Bauern- und Umweltverbänden.

Eine entsprechender Gesetzentwurf soll im Mai vorgelegt werden. Profitieren würden von den verschärften Regeln vor allem große Agrarkonzerne wie Monsanto, Dupont, Syngenta, aber auch die deutschen Hersteller Bayer Crop Science und KWS. Seltene und alte Pflanzensorten hätten dann kaum noch Chancen auf eine Zulassung und ihr Anbau wäre dann strafbar.

Agrarminister schlägt Alarm

Dass die EU-Regierung damit ihren Einfluss sogar auf private Gärten ausdehnen könnte, hat eine Welle des Protests ausgelöst. Kritik kam am Mittwoch auch aus dem Agrarministerium in Berlin. Es dürfe nicht soweit kommen, dass Privatgärtner für ein paar Samenkörner eine amtliche Zulassung vorlegen müssten, sagte Agrar- und Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) dem Handelsblatt. "Kleine Züchter müssen von einer Zulassungspflicht befreit werden", fordert sie.

Niedersachsens grüner Agrarminister Christian Meyer schlägt ebenfalls Alarm: Sollte die von der EU-Kommission geplante Neuregelung in Kraft treten, könnte dies das Ende für viele alte und seltene Obst- und Gemüsesorten bedeuten. "Es darf nicht sein, dass man nur noch drei oder vier Apfel- oder etwa Kartoffelsorten im Supermarkt kaufen kann", so Meyer.

Umweltverbände warnen vor einem Saatgut-Kartell. Schon jetzt kontrollieren die Marktführer Monsanto, Dupont und Syngenta mehr als die Hälfte des Marktes. Kleingärtner befürchten, dass Saatgut nach den Plänen aus Brüssel in Zukunft nicht einmal mehr getauscht oder verschenkt werden darf.