Discounter Aldi bricht Rabatt-Tabu, um dm-Kunden zu locken

Aldi verschärft den Preiskampf.

(Foto: Roland Weihrauch/dpa)
  • Die Drogerie dm führte bislang mit ihrer Dauerniedrigpreis-Strategie die Preise an.
  • Das möchte Aldi nicht länger akzeptieren und führt erstmals Sonderangebote ein.
  • Das ist der Höhepunkt einer langen Entwicklung: Die Läden haben die Verbraucher zu preissensiblen Wesen erzogen.
Von Michael Kläsgen

Deutschland geht es gut, die Wirtschaft floriert, die Löhne steigen, die Zahl der Beschäftigten ist auf einem Höchststand und dennoch war Geiz selten geiler als heute, um einen Werbespruch der Metro AG aufzunehmen. Um die günstigsten Preise feilschen längst nicht mehr nur die großen Lebensmitteldiscounter. Aldi ringt auch mit den Drogerieketten um Cent-Beträge. Die neuste Wendung in dem sich verschärfenden Preiskampf: Aldi bricht mit seinem ungeschriebenen Rabatt-Tabu und bietet von nächster Woche an erstmals Sonderangebote für Markenartikel aus dem Kosmetikbereich.

Bisher war es so, dass der Drogeriemarkt dm mit seiner sogenannten Dauerniedrigpreis-Strategie die Preise anführte, sagt Tobias Maria Günter, Experte für den Bereich Handel & Konsumgüter bei der Beratungsfirma Simon-Kucher & Partners. Discounter und Supermärkte hätten das akzeptiert. Doch Aldi will jetzt offenbar nichts mehr davon wissen. Dass ein anderer die Preise vorgibt, kann der Discounter anscheinend schlecht ertragen. Laut Studien soll er bei Kosmetika ohnehin schon auf dm-Niveau sein, jetzt bietet er eine Zeit lang zudem zusätzliche Rabatte von 25 Prozent auf Nivea-Artikel. Zwar stellt Aldi mit bestimmten Kaufbedingungen sicher, dass der Kunde mindestens neun Euro im Laden lässt. Aber dennoch ist klar: Aldi macht dm die Preisführerschaft streitig. Der Discounter will dem Drogisten die Stammkunden abjagen.

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Das ist allein deswegen bemerkenswert, als dm selber mit seinen "Fremdeinkäufen" bei Rossmann Aufsehen erregte. Schon die hatten zur Folge, dass Preisdruck entstand. Mitarbeiter von dm räumten einfach regaleweise Aktionsware beim Konkurrenten leer und stellten sie bei sich zum Verkauf. "Wir wollen den günstigsten Regalpreis bieten", verteidigt dm-Chef Erich Harsch das ungewöhnliche Vorgehen.

Doch die Preise zu dominieren wird immer schwieriger, nicht nur wegen Aldi. In Deutschland breiten sich derzeit in rasantem Tempo sogenannte Nonfood-Discounter aus. Sie heißen Action, Hema, Tedi oder Zeeman und verkaufen trotz ihres Namens zum Teil abgepackt Essbares. Im Angebot haben sie aber auch Drogerieartikel zu Schleuderpreisen, weshalb Branchenkenner davon ausgehen, dass sie den Preiskampf weiter anheizen. Ihr herausragendstes Merkmal ist es nämlich, mit einer Vielzahl von Artikeln unter einem Euro um Kundschaft zu werben und Filialen in extrem hoher Schlagzahl zu eröffnen. Black.de ein anfangs aggressiv gestarteter Billigheimer musste angesichts des harten Wettbewerbs Ende November bereits wieder ausscheiden.

Der Deutsche ist ein Schnäppchenjäger

Für die Verbraucher ist es das Paradies und sie genießen es. Der Konsum steigt. In vielen Ländern müssen Menschen mit weniger verfügbarem Einkommen höhere Preise für Artikel des täglichen Bedarfs zahlen. "Im europäischen Vergleich haben wir die günstigsten Lebensmittelpreise", sagt Saskia Kehrberg, Managerin bei der Nordsee. Das liegt nicht nur an den günstigen Angeboten, sondern auch daran, dass die Deutschen gerade bei Lebensmitteln extrem auf den Preis schauen - trotz ihrer allgemeinen Sorge um das Tierwohl und die Produktionsbedingungen.

"Die Deutschen sind die Schnäppchenjäger Europas", sagt Markus Wotruba, Leiter Standortforschung bei der BBE Handelsberatung. Unternehmen und Konsumenten ergänzen sich da gut. Die Discounter haben die Deutschen zu preissensiblen Wesen erzogen, jetzt kann es ihnen nicht billig genug sein, wenn auch nicht bei jedem Produkt.

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