"Keine Alternative mehr": 7000 Menschen bangen um ihren Job, weil sich kein Käufer für den insolventen Versandhändler Quelle fand. Dass es am Ende so schnell ging, überraschte selbst den Insolvenzverwalter.
Der einst größte deutsche Versandhändler Quelle steht vor dem Aus. Dem Insolvenzverwalter der Muttergesellschaft Arcandor, Klaus Hubert Görg, ist es nicht gelungen, einen Käufer für das insolvente Unternehmen zu finden. Offenbar scheiterte die Übernahme an der ungeklärten Finanzierung der Arcandor-Versandsparte Primondo über den 1.Januar 2010 hinaus. Bis zu 7000 Mitarbeiter verlieren ihre Stellen.
Auch nach langen Verhandlungen fand sich kein Investor für den insolvente Versandhändler Quelle. (© Archivfoto: AP)
Anzeige
Wie das Unternehmen am Montagabend mitteilte, sollen die Mitarbeiter an diesem Dienstag informiert werden, "was die Abwicklung der Quelle Deutschland für sie selbst und für das Unternehmen bedeutet". Görg informierte am Abend in Essen den Gläubigerausschuss. Sein Sprecher sagte, man sei überrascht von der Entwicklung: "Mit diesem Szenario hat niemand gerechnet."
Am Wochenende war die Angebotsfrist abgelaufen, ohne dass eine belastbare Offerte für die Quelle-Dachgesellschaft Primondo eingegangen sei. "Nach intensiven Verhandlungen mit einer Vielzahl von Investoren sehen der Insolvenzverwalter wie Gläubigerausschuss jetzt keine Alternative zur Abwicklung von Quelle Deutschland mehr", ließ Görg anschließend erklären.
Bis zuletzt hatten der Insolvenzverwalter und sein Bevollmächtigter für die Primondo-Sparte, Jörg Nerlich, Optimismus verbreitet. Man sei zuversichtlich, die komplette Gruppe verkaufen zu können, hieß es. Von vier Investoren war die Rede, mit denen über eine Übernahme verhandelt wurde. Dem Vernehmen nach waren alle vier Finanzinvestoren. Sie hätten bereits viel Geld und Zeit in die Prüfung der Übernahme investiert, hieß es.
"Keine belastbaren Zusagen"
Am Wochenende waren nur mehr drei Bieter im Rennen. Der erste von ihnen sprang am Sonntag ab, die beiden anderen am Montagvormittag. Hintergrund war nach Informationen der Süddeutschen Zeitung, dass die Investoren in direkten Verhandlungen mit den Quelle-Banken Valovis, BayernLB und Commerzbank "keine belastbaren Zusagen für eine Fortführung des Factoring-Geschäftes über den 1. Januar 2010 hinaus erhalten haben", so eine mit dem Vorgang vertraute Person. Selbst politischer Druck auf die Banken sei erfolglos geblieben. "Der Versand- oder Distanzhandel funktioniert ohne solide finanzierte Ratenzahlungssysteme nicht", so Nerlich.
Für weitere Verhandlungen fehlt schlicht die Zeit. An diesem Dienstag laufen verbindliche Bestellfristen bei Quelle-Lieferanten für die Ware ab, die mit dem Frühjahr/Sommerkatalog 2010 verkauft werden sollte. Görg betonte, er und seine Mitarbeiter hätten in den vergangenen vier Monaten alles unternommen, um den Primondo-Verbund fortzuführen, zu sanieren und zu verkaufen.
Quelle konnte zunächst nach dem Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens fortgeführt werden, weil die Banken als zusätzliche Sicherheit einen Massekredit von 50 Millionen Euro gewährt hatten und ein plausibles Konzept durch eine unabhängige Unternehmensberatung bestätigt wurde. Görg versicherte, dass Quelle Deutschland im Zuge einer Abwicklung die notwendigen Prozesse wo immer möglich aufrecht erhalten werde.
Die Spezialversender werden ihr Geschäft autark weiterführen. Vermutlich werden sie nun einzeln verkauft. Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil reagierte mit Bedauern auf die gescheiterten Rettungsbemühungen für Quelle. "Es war aber auch immer klar, dass auch dies ein Szenario sein kann", sagte Zeil.
- Quelle: Verkauf Zittern bis zur Entscheidung 15.10.2009
- Versandhändler vor dem Aus Ladenhüter Quelle 15.10.2009
- Quelle: Verkauf Absage an die Heuschrecken 14.10.2009
- Neues Finanzpaket Hoffnungsschimmer für Quelle 31.08.2009
- Arcandor-Pleite Eine Frage des Anstands 16.08.2009
(SZ vom 20.10.2009/jab)
Oh Gott, oh Gott, oh Gott! Was wird jetzt nur aus der armen Frau Schickedanz?
"Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil reagierte mit Bedauern" lach.
Er hätte es doch in der Hand gehabt mit einer gesunden BayenLB das Factoring zu sichern. aber die (BayernLB) ist ja auch so gut wie pleite.
Kann Herr Görg dann gleich weiter machen.
Die QUELLE, einstmals eines der zusammen mit GRUNDIG erfolgreichsten Familien-Unternehmen Deutschlands, ist bankrott, zu Tode gemanaged von angestellten, überbezahlten, unfähigen sogenannten TOP-Managern!
Diese "TOP"-Manager verabschiedeten sich vom bankrotten Unternehmen QUELLE mit Millionen-Abfindungen, die 7000 Beschäftigten und zehntausende daran hängende andere Arbeitsplätze werden in die Arbeitslosigkeit und HARTZ IV entsorgt!
DAS IST -und gehört zum- TURBO-Kapitalismus!
Ebenso wie
- die Milliarden-Tantiemen einzelner Wall Street Banken, die noch vor wenigen Monaten nur mit Hilfe von Steuer-Milliarden vor dem Zusammenbruch gerettet wurden!
ODER
- die Klagen auf Millionen-Abfindungen und Pensionen, von HRE und anderen TOP-un Landes- Bankern, die die ihnen anvertrauten Unternehmen in den Bankrott geführt hatten,
SOWIE
- die allzu vielen UNFÄHIGEN Politiker und deren Günstlinge, die als ÜBER-bezahlte AUFSICHTS-Organe zum Bankrott der von ihnen NICHT kontrollierten Manager aktiv beitrugen!
Und weil keinerlei Gesetzte beabsichtigt, ja noch nicht einmal in Vorbereitung sind, dieses Treiben wenigstens einzudämmen, wird dieser TURBO-Kapitalismus ungebremst in die nächste Finanz-Katastrophe führen,
WEIL
die Völker auch in sog. "demokratisch " strukturierten Ländern sich noch immer nicht oder besser, nicht mehr dazu aufraffen können, diesen Augias-Stall unserer Wirtschafts-und Politik-"ELITEN" auszumischen!
Vor den Wahlen hat der Steuerzahler natürlich noch den Katolog von Quelle finanzieren dürfen. Nach der Wahl können derartige Hiobsbotschaften die Herren Politiker nicht mehrschocken.
Wie immer trägt der Bürger , in diesem Falle die Quelle Mitarbeiter die Last der nun folgenden Arbeitslosigkeit. Hoffentlich wird das in NRW nicht bis Mai , zur Wahl vergessen.
Ist es wirklich so schlimm, dass ein Symbol des deutschen Wirtschaftswunders den Bach runtergeht?
Wir reden hier nicht über das Ende der Welt. Etwas Bestehendes verschwindet, Neues wird entstehen.
Wenn wir in Bayern nie den Wandel akzeptiert hätten, dann wären wir heute noch ein Agrarland.
Bestes Beispiel ist immer noch München. Dort haben die großen Konzerne in den 80/90iger Jahren zehntausende von Arbeitsplätzen gestrichen. Ergebnis ist, dass heute ein sehr viel größerer Mix an Branchen vorhanden ist und die Region weniger anfällig für Schwankungen als zuvor ist. Andere Regionen haben einen ähnlichen Wandel durchgemacht. Warum soll das in Fürth nicht auch gelingen?
Paging