Arcandor-Pleite Quelle wird liquidiert

"Keine Alternative mehr": 7000 Menschen bangen um ihren Job, weil sich kein Käufer für den insolventen Versandhändler Quelle fand. Dass es am Ende so schnell ging, überraschte selbst den Insolvenzverwalter.

Von Silvia Liebrich, Uwe Ritzer und Mike Szymanski

Der einst größte deutsche Versandhändler Quelle steht vor dem Aus. Dem Insolvenzverwalter der Muttergesellschaft Arcandor, Klaus Hubert Görg, ist es nicht gelungen, einen Käufer für das insolvente Unternehmen zu finden. Offenbar scheiterte die Übernahme an der ungeklärten Finanzierung der Arcandor-Versandsparte Primondo über den 1.Januar 2010 hinaus. Bis zu 7000 Mitarbeiter verlieren ihre Stellen.

Wie das Unternehmen am Montagabend mitteilte, sollen die Mitarbeiter an diesem Dienstag informiert werden, "was die Abwicklung der Quelle Deutschland für sie selbst und für das Unternehmen bedeutet". Görg informierte am Abend in Essen den Gläubigerausschuss. Sein Sprecher sagte, man sei überrascht von der Entwicklung: "Mit diesem Szenario hat niemand gerechnet."

Am Wochenende war die Angebotsfrist abgelaufen, ohne dass eine belastbare Offerte für die Quelle-Dachgesellschaft Primondo eingegangen sei. "Nach intensiven Verhandlungen mit einer Vielzahl von Investoren sehen der Insolvenzverwalter wie Gläubigerausschuss jetzt keine Alternative zur Abwicklung von Quelle Deutschland mehr", ließ Görg anschließend erklären.

Bis zuletzt hatten der Insolvenzverwalter und sein Bevollmächtigter für die Primondo-Sparte, Jörg Nerlich, Optimismus verbreitet. Man sei zuversichtlich, die komplette Gruppe verkaufen zu können, hieß es. Von vier Investoren war die Rede, mit denen über eine Übernahme verhandelt wurde. Dem Vernehmen nach waren alle vier Finanzinvestoren. Sie hätten bereits viel Geld und Zeit in die Prüfung der Übernahme investiert, hieß es.

"Keine belastbaren Zusagen"

Am Wochenende waren nur mehr drei Bieter im Rennen. Der erste von ihnen sprang am Sonntag ab, die beiden anderen am Montagvormittag. Hintergrund war nach Informationen der Süddeutschen Zeitung, dass die Investoren in direkten Verhandlungen mit den Quelle-Banken Valovis, BayernLB und Commerzbank "keine belastbaren Zusagen für eine Fortführung des Factoring-Geschäftes über den 1. Januar 2010 hinaus erhalten haben", so eine mit dem Vorgang vertraute Person. Selbst politischer Druck auf die Banken sei erfolglos geblieben. "Der Versand- oder Distanzhandel funktioniert ohne solide finanzierte Ratenzahlungssysteme nicht", so Nerlich.

Für weitere Verhandlungen fehlt schlicht die Zeit. An diesem Dienstag laufen verbindliche Bestellfristen bei Quelle-Lieferanten für die Ware ab, die mit dem Frühjahr/Sommerkatalog 2010 verkauft werden sollte. Görg betonte, er und seine Mitarbeiter hätten in den vergangenen vier Monaten alles unternommen, um den Primondo-Verbund fortzuführen, zu sanieren und zu verkaufen.

Quelle konnte zunächst nach dem Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens fortgeführt werden, weil die Banken als zusätzliche Sicherheit einen Massekredit von 50 Millionen Euro gewährt hatten und ein plausibles Konzept durch eine unabhängige Unternehmensberatung bestätigt wurde. Görg versicherte, dass Quelle Deutschland im Zuge einer Abwicklung die notwendigen Prozesse wo immer möglich aufrecht erhalten werde.

Die Spezialversender werden ihr Geschäft autark weiterführen. Vermutlich werden sie nun einzeln verkauft. Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil reagierte mit Bedauern auf die gescheiterten Rettungsbemühungen für Quelle. "Es war aber auch immer klar, dass auch dies ein Szenario sein kann", sagte Zeil.