Instagram Das sind die erfolgreichsten Petfluencer

Der Menswear Dog präsentiert auf sozialen Netzwerken die aktuellen Trends für den modebewussten Herrn.

(Foto: Facebook/Menswear Dog)

Tiere mit eigenen Social-Media-Accounts gibt es schon länger. Nun buchen Unternehmen sie zur Vermarktung ihrer Produkte.

Von Claudia Fromme

Dieser Sommer war bislang ein sehr ereignisreicher im Leben der Französischen Bulldogge Chloe. Gerade posierte sie vor einem Eis, serviert vom Fahrdienst Uber, das in einem Becher gereicht wurde, der perfekt mit ihrer pinkfarbenen Leine harmonierte. Sie starrte zuvor sinnierend in eine Kiste voller "Emoji"-Cupcakes und erwähnte dabei netterweise Sony Pictures, die den Film gleichen Namens gemacht haben. Sie saß vor einem Tablett mit Lippenstift und Nagellack von Urban Decay Cosmetics. Sie besuchte Gucci in Mailand, wobei ihr Fell glänzte. Vielleicht lag das an ihrem neuen Dyson-Föhn, von dem sie unlängst schwärmte.

Chloe lebt in New York, reist viel, und was sie so treibt, lässt sich bei Instagram verfolgen, dem natürlichen Habitat einflussreicher Tiere im Internet. Petfluencer heißen sie in Anlehnung an Influencer, also Menschen, die irgendetwas bei Instagram, Facebook und Youtube machen, was mindestens 50 000 Follower interessiert, was wieder Firmen interessiert, die einflussreiche Markenbotschafter suchen.

Die Bulldogge, die auf Instagram unter dem Namen "cloetheminifrenchie" als Hobbys Reisen, Essen und Mode angibt, hat 173 000 Abonnenten, was solide ist, aber nicht bahnbrechend, bedenkt man, dass die mürrische Grumpy Cat 2,3 Millionen Fans hat und Tuna, ein Mix aus Dackel und Chihuahua mit Überbiss, 1,9 Millionen.

Interessant an Chloe ist eben auch ihre Besitzerin Loni Edwards, die The Dog Agency in New York betreibt, eine Agentur, die sich um werberelevante Hunde im Netz kümmert. Mehr als 100 Dogfluencer sind bei ihr unter Vertrag, auch Tuna und Dackel Crusoe. Wie viel Potenzial in einem Hund steckt, sagt Edwards, habe sie gemerkt, als sie vor vier Jahren Chloes Account bei Instagram gestartet hätte. Sehr schnell hätten sich Sponsoren gemeldet.

Wenn Konzerne wie Merck, Nikon oder Google sich mit Tieren bekannter machen wollen, rufen sie Loni Edwards an. Sie bekomme "Berge von Anfragen". Ihre Hunde mit mehreren Millionen Followern könnten 10 000 bis 15 000 Dollar nehmen für einen Post, in dem ein Produkt platziert ist.

Werbung mit Tieren ist nun wirklich kein neues Phänomen. 1973 kam die lila Milka-Kuh zur Welt. Affe Charly verzog 1990 erstmals für den Sportkleidungshersteller Trigema die Schnute. Der Spot für den Toffeedrops Rolo mit der späten Rache eines Dickhäuters ("Elefanten vergessen nie") ist längst ein Klassiker der Tierwerbung.

Petfluencer kombinieren zwei Vorteile. "Gleich nach Babys und hübschen Frauen erzielen Hunde und Katzen in der Werbung die höchste Aufmerksamkeit und Sympathie beim Zuschauer", sagt Dörte Spengler-Ahrens, Kreativchefin von Jung von Matt. Zudem gehörten Hunde- und Katzenvideos im Internet "zum beliebtesten Content". Tiere gehen also immer, im Internet noch mehr, vor allem, weil die Videos gerne geteilt werden und die Reichweite steigt, was Firmen interessiert.

Niedlich, unschuldig, lustig, sucht: Follower

Jung von Matt drehte 2016 einen viralen Spot, in dem Katzen, die berühmten Internetkatzen wie Grumpy Cat huldigen, in einem Netto-Discounter einkaufen und sich vor Gurken erschrecken. Innerhalb von sechs Tagen wurde der Clip bei Facebook 9,4 Millionen Mal angeklickt, bei Youtube 4,5 Millionen Mal. Ob nach dem Spot alle Netto für einen supercrazy Ort halten, ist nicht geklärt, aber eine Spur sympathischer ist der Supermarkt doch geworden.

"Es ist die Sehnsucht der Menschen, in dem ganzen Wahnsinn, der uns täglich begegnet, auch mal etwas Niedliches, Unschuldiges, Lustiges zu sehen", sagt Dörte Spengler-Ahrens. Gute Stimmung hebt auch die Kaufbereitschaft. Aber einfach so ein Tier in einen viralen Spot zu verpflanzen, ohne Idee, schafft der Kreativchefin zufolge noch keinen anhaltenden Erfolg. Auch müsse man abwarten, ob der Trend, der vorrangig in den USA vertreten ist, überhaupt anhalte. Wenn überall Tiere lustige Dinge machen in ungewöhnlichen Kontexten, ist die Überraschung futsch.

Auf der Seite furcard.com kann man die Stars unter den Petfluencern besichtigen. Fast alle kommen aus den USA, einige aus Japan und Großbritannien. Die Auswahl deutscher Petfluencer ist dürftig, neben Beagle Rocky oder Mops Konrad, deren Fans handverlesen sind, gibt es vor allem Mr. Pokee, einen Wiesbadener Weißbauchigel mit 303 000 Followern bei Instagram. Er bietet eine Kollektion mit Igel-T-Shirts feil und postet Handyzubehör.