Relegations-Rückspiel in Kiel Labbadia wirbt für sich selbst

Soll einen Wölfe-Abstieg verhindern: Bruno Labbadia.

(Foto: Swen Pförtner/dpa)
  • Bruno Labbadia verfolgt nicht gerade der Ruf, ein Konzepttrainer zu sein, mit dem sich langfristig etwas aufbauen lässt.
  • Trotz einem 16. Platz in der Liga will er unbedingt beim VfL Wolfsburg bleiben - doch da haben auch andere noch ein Wörtchen mitzureden.
  • Nach zwei schlimmen Jahren muss sich beim Meister von 2009 und Pokalsieger von 2015 einiges ändern.
Von Carsten Scheele

Bruno Labbadia hat sich festgelegt. Schon vor dem Relegationsfinale hat der Trainer kundgetan, dass er beim VfL Wolfsburg bleiben will. Ein klares "Ja" entgegnete er dem Sportbuzzer auf die entsprechende Frage. Sein Vertrag läuft bis 2019, Labbadia möchte den Neuaufbau in der kommenden Saison anleiten, egal ob in Liga eins oder zwei. Doch erst mal muss Wolfsburg dieses vermaledeite Relegationsrückspiel überstehen: Am Montagabend bei Holstein Kiel (Anpfiff 20.30 Uhr), nach dem 3:1-Hinspielsieg genügt dem VfL ein Unentschieden, auch eine knappe Niederlage kann sich der Erstligist erlauben. Echte Planung ist erst danach möglich.

Zunächst wird erwartet, dass Wolfsburg - idealerweise als Erstligist - die Verpflichtung von Jörg Schmadtke als neuem Geschäftsführer Sport verkündet. Nach den unglücklichen 16 Monaten unter Sportchef Olaf Rebbe (der Ende April von seinen Aufgaben entbunden wurde) und der spektakulär missglückten Verpflichtung von Hannovers Horst Heldt, soll Schmadtke, 54, der neue starke Mann werden. Nach Aachen, Hannover und Köln wäre es seine vierte Station als Sportchef eines Erstligaklubs, Schmadtke wird dann auch in der Trainerfrage das letzte Wort haben.

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Labbadia bestätigte, dass es noch kein Gespräch über eine gemeinsame Zukunft gegeben habe, grundsätzlich gilt aber: Steigt der VfL ab, stehen Labbadias Chancen schlecht. Hält Wolfsburg die Klasse, ist ein Festhalten an Labbadia möglich, auch wenn ihn nicht gerade der Ruf verfolgt, ein Konzepttrainer zu sein, mit dem sich langfristig etwas aufbauen lässt. Vielleicht kommt Schmadtke, der mit den früheren Profis Jan Schlaudraff und Marcel Schäfer (von 2007 bis 2017 in Wolfsburg) zwei Helfer an die Seite gestellt bekommen soll, aber mit ganz anderen Vorstellungen für die Trainerposition in Wolfsburg an. Nach zwei schlimmen Jahren muss sich einiges ändern beim Meister von 2009 und Pokalsieger von 2015. Bloß an den kleinen Stellschrauben zu drehen, wird nicht genügen.

Zum zweiten Mal in Serie muss Wolfsburg nachsitzen

Labbadia war im Februar angetreten, um Wolfsburg zum direkten Klassenverbleib zu führen. Er übernahm die Mannschaft auf Rang 14, landete mit ihr aber auf dem Relegationsplatz. Sechs Spiele musste Labbadia auf den ersten Sieg warten, es dauerte nicht lange, bis die Fans zur Melodie von "When The Saints Go Marching in" sangen: "Wir steigen ab und kommen nie wieder, wir haben Bruno Labbadia." Doch in den letzten beiden Spielen - dem 4:1 gegen Köln und dem 3:1 gegen Kiel - zeigte die Mannschaft, dass sie unter Labbadia auch guten Fußball spielen kann. Zumindest offensiv präsentierte sich der VfL stark verbessert, die Kreativen Yunus Malli und Josip Brekalo brachten endlich ihr Talent zur Geltung, vorne zeigte Divock Origi, dass er ein treffsicherer Verwerter sein kann (zwei Tore in zwei Spielen). All das ohne Daniel Didavi, den mit neun Saisontoren besten Spieler der missratenen Spielzeit, der gegen Köln und Kiel verletzt ausfiel. "Wenn wir öfters in dieser Saison so gespielt hätten, hätten wir jetzt nicht diese Scheiß-Spiele", klagte Maximilian Arnold. Diese "Scheiß-Spiele", die Relegation. Zum zweiten Mal in Serie muss Wolfsburg in der Extra-Runde nachsitzen. Sie kostet Nerven, das ist überall im Verein spürbar.

Die Ausgangslage für den Showdown am Montagabend ist dabei passabel - ein Wolfsburger Tor in Kiel und es dürfte schwer werden für den Zweitligisten, dieses Duell zu drehen. Doch der VfL hat in den letzten 25 bis 30 Minuten des Hinspiels erleben dürfen, über welche Offensivpower der Zweitligist verfügt, wie viel Druck die Mannschaft von Trainer Markus Anfang aufbauen kann. "Es wird eine sehr steile Etappe", warnte Labbadia vor dem Rückspiel, Kiel werde nicht noch einmal die ersten 60 Minuten in Ehrfurcht erstarren. Anfang erklärte am Samstag, es gehe zunächst darum, das Rückspiel zu gewinnen: "Das ist doch die Grundvoraussetzung für alles andere. Wenn uns das gelingt, sind wir auch schon sehr nahe dran, den Rückstand aufzuholen." Abwehrspieler Dominik Schmidt kündigte an: "Montag hauen wir alles raus, da könnte auch Real Madrid kommen." Danach endet bei den Norddeutschen ein Zyklus. In Kiel ist schon klar, dass nach dem Spiel ein neuer Trainer kommt, da sich Anfang dem 1. FC Köln anschließt. Wer kommt, hängt davon ab, in welcher Liga Kiel auflaufen wird.

Bei Wolfsburg kann Labbadia am Montagabend ein letztes Mal Werbung für seine Person betreiben. Dabei ist er auf sich alleine gestellt, der Trainer muss in Kiel erneut ohne Sportchef auskommen - diese Position ist seit der Trennung von Rebbe verwaist. Dass die Einigung mit Schmadtke noch aussteht, ist für Labbadia angeblich kein Problem. "Jetzt hätte ein Sportdirektor auch nicht viel machen können", erklärte der Trainer: "Diese Dinge spielen jetzt echt keine Rolle, wir müssen das jetzt hinbekommen." Mit dem neuen VfL-Aufsichtsratschef Frank Witter sei er zwar im Austausch, in sportlichen Belangen ist Labbadia aber sich selbst der wichtigste Ansprechpartner. Als "One-Man-Show" kann er Wolfsburg auf den letzten Metern retten - oder eben nicht.

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