Trainerwechsel beim TSV 1860 Neue Impulse mit der kleinen Lösung

"Die Entwicklung war nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben": 1860 München beurlaubt Chefcoach Reiner Maurer und erhofft sich vom bisherigen Regionalliga-Trainer Alexander Schmidt einen Aufschwung für die stagnierende Zweitliga-Mannschaft. Fraglich bleibt, ob der Neue wirklich mehr als eine vorübergehende Option ist.

Von Gerald Kleffmann

Der Alte und der Neue: Reiner Maurer muss als Trainer der Löwen gehen - ihm folgt Alexander Schmidt (re.). 

(Foto: dpa)

Ohne auffallende Mimik schritt Reiner Maurer die Treppen der Geschäftsstelle hinab, es war Samstagfrüh, der Tag nach dem 0:2 des TSV 1860 München gegen den 1. FC Köln. Detailliert wie gewohnt analysierte der 52-Jährige die zweite Heimpleite hintereinander, die, wie sich erweisen sollte, die berühmte eine Niederlage zu viel gewesen war. "Wenn man nicht erfolgreich ist, verstehe ich den Frust der Fans", sagte er gefasst, angesprochen auf die Pfiffe und "Maurer-raus"-Rufe, die er nach einer schwachen Partie beider Teams vernehmen musste. Dann stieg er ins Auto, um sich die Partie des nächsten Gegners Paderborn in Aalen anzusehen.

Maurer, das kann keiner bestreiten und das tut auch keiner im Klub, hat stets korrekt seine Arbeit verrichtet. Er war der Akribische, und er war jene Kraft, die die Mannschaft mit kühlem Kopf seit 2010 durch vereinspolitisch turbulente Zeiten führte. Und doch hätte er sich diese Fahrt natürlich sparen können. Nach einem quälend langen Tag voller Besprechungen und umherschwirrender Gerüchte, die sich in der hysterischen Welt des Internets alsbald in unbestätigte Vollzugsmeldungen verwandelten, entschied sich die Klubführung, den Mindelheimer, der selbst einst als Sechziger aufgelaufen und bereits von 2004 bis 2006 Trainer beim TSV war, zum zweiten Mal zu beurlauben. Vorerst wählt der Klub die kleine Lösung: Alexander Schmidt vom Regionalliga-Team übernimmt.

Der Aufrücker auf Bewährung, ein Augsburger und seit elf Jahren bei 1860 im Nachwuchs aktiv, wurde am Sonntag mit viel Vorschusslorbeeren präsentiert. Notwendig wurde die personelle Korrektur, weil "die Entwicklung nicht so war, wie wir uns das vorgestellt haben", erklärte Geschäftsführer Robert Schäfer, "irgendwann gibt es einen Punkt, an dem die Mannschaft neue Impulse braucht". Achter sind die Löwen in der zweiten Liga, von den letzten sechs Spielen verlor der TSV vier, die Momentaufnahme klingt nicht rosig.

Jedenfalls nicht hier, auf Giesings Höhen. Denn auch wenn die Sechziger froh sein können, überhaupt noch im Profifußball zu sein, da sie im vergangenen Jahr finanziell fast kollabierten, sind die Ansprüche keineswegs gesunken. Das hat besonders mit dem Einstieg des arabischen Geschäftsmanns Hasan Ismaik zu tun, der 49 Prozent der Anteile hält, über seinen gewieften Münchner Statthalter Hamada Iraki das Tagesgeschäft kontrolliert und bei einer Pressekonferenz davon sprach, man wolle wie der FC Barcelona werden. Stattliche Nahrung war das für die Phantasie der Löwen-Fans, die vor dieser Saison - wie in der Saison zuvor - über einen Dreijahresplan des Klubs unterrichtet wurden. Spätestens 2015 solle der TSV erstklassig sein.