Trainer des BVB Stögers Überraschungsmission

Beginnt seine Mission mit Humor: Peter Stöger in Dortmund.

(Foto: imago)
  • Peter Stöger soll den BVB retten, zunächst übergangsweise bis zum Sommer.
  • Kommt danach Julian Nagelsmann aus Hoffenheim?
Von Freddie Röckenhaus, Dortmund

Der Tonfall in der Pressekonferenz, kurz nach der Gottesdienst-Zeit am Sonntagmorgen, war adventlich-feierlich - und dem mochte der Neue gleich mit einer Kostprobe seiner schillernden Selbstironie begegnen. "Aufgrund der letzten Wochen wird man mich nicht kontaktiert haben, aber man hat sich wohl glücklicherweise an die vier Jahre davor erinnert", kommentierte Peter Stöger die eben verkündete Neuigkeit, wonach ausgerechnet er nun den Spitzenklub Borussia Dortmund als Trainer übernehmen soll - eine Woche nach seiner Entlassung beim abgeschlagenen Tabellenletzten 1. FC Köln.

Den alltäglichen Wahnsinn des Trainergeschäfts kann man wohl nur noch mit solcher Ironie bewältigen. Stögers Vorgänger Peter Bosz war am Abend vorher über seine Entlassung informiert worden, nach einer wahrlich trostlosen Leistung bei der 1:2-Heimpleite gegen den Vorletzten Werder Bremen - und fast auf den Tag genau ein halbes Jahr, nachdem Bosz in Dortmund knapp dem damaligen Mit-Kandidaten Stöger vorgezogen worden war. Im letzten Sommer sprach für Stöger noch, dass er in Köln mit einer relativ preiswerten und weitgehend namenlosen Mannschaft Platz fünf erobert hatte. Seither aber war ihm in Köln ein ebenso beispielloser Absturz widerfahren wie Bosz zuletzt auch in Dortmund: In 14 Bundesliga-Spielen holten Stögers Kölner nur drei Punkte.

Stöger: "Das stört mich überhaupt nicht"

Es mutet deshalb skurril an: Wie kann denn ausgerechnet ein beim fast hoffnungslosen Letzten geflogener Trainer kaum sieben Tage später beim Nummer-zwei-Klub der Liga anheuern, der weiterhin auf die Champions League ausgerichtet ist? Solche Seltsamkeiten des Lebens fordern den Humor des Österreichers Stöger wohl unvermeidlich heraus. Sicher eine der Eigenschaften, auf die die beiden BVB-Verantwortlichen Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc auch geschaut haben. Dass sein Arbeitsvertrag nur bis 30. Juni 2018 befristet ist, darüber mochte sich Dortmunds Neuer auch nicht ärgern: "Das stört mich überhaupt nicht. Ich wäre auch für nur 14 Tage nach Dortmund gekommen." Mit den "Möglichkeiten und der Mannschaft hier" eine Zeitlang arbeiten zu können, sei für ihn ein Glücksfall.

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Auch wenn Stögers neuer Vorgesetzter, der BVB-Vorstandschef Watzke, am Sonntag auf Nachfrage angab, auch mit der ungewohnt kurzen Vertragslaufzeit sei für die Zukunft "nichts in Stein gemeißelt", so ist es doch ziemlich wahrscheinlich, dass im kommenden Sommer schon wieder ein neuer Übungsleiter nach Dortmund kommen soll: Julian Nagelsmann. Der BVB soll sich mit dem immer noch erst 30-jährigen Hoffenheim-Coach so gut wie einig sein über eine Wachablösung schon zur nächsten Saison. Der derzeit begehrteste unter den Zauber-Lehrlingen der Liga steht allerdings noch bis 2021 in Hoffenheim unter Vertrag, angeblich mit einer Ausstiegsklausel für 2019.

Das eine Jahr zwischen dem kommenden Sommer 2018 und dieser Option für 2019 will der BVB angeblich mit Dietmar Hopp, Hoffenheims Mäzen und starkem Mann im Hintergrund, über eine Ablösesumme klären. Ob der Software-Milliardär sich darauf einlässt, ist die Unbekannte in dem neuen Plan. Nagelsmann trauen sie beim BVB jedenfalls zu, dass er eine Art Jürgen Klopp 2.0 werden könnte. Mit seinem hemdsärmeligen Charme und seiner Schlagfertigkeit könnte Nagelsmann ähnlich gut ins Ruhrgebiet passen wie seinerzeit der aus Mainz gekommene Klopp.

Das gilt vorerst aber wohl auch für den trocken-unterhaltsamen Stöger, dessen Beliebtheitswerte vom nur 85 Kilometer entfernten Köln durchaus bis ins Dortmunder Fanlager geschwappt sind. Mit Stöger hatte Watzke nach den Sondierungsgesprächen im Sommer den Kontakt gehalten. Mag sein, dass dieser Kontakt Stöger seinen durchaus forcierten Abgang in Köln in der vorletzten Woche erleichtert hat. Dass der humorige Herr Stöger nun erstmals mit einer hochkarätigen Elf arbeiten darf, empfindet er vor allem als "eine Chance, die man vielleicht nur einmal im Leben bekommt". Dass er dabei nur eine Übergangslösung sein dürfte, finden viele in Dortmund offenbar fast schon schade.