Theo Zwanzigers Zeit als DFB-Chef Fasziniert von der Glamourwelt

Über allem aber wölbte sich die Schiedsrichteraffäre. Im Beziehungsstreit um Ex-Funktionär Manfred Amerell und Referee Michael Kempter hatte sich Zwanziger auffallend früh festgelegt. Amerell aber wehrte sich, er legte mehr und mehr Beweise auf den Tisch, am Ende ging der Streit in eine Steuer-Affäre um Dutzende deutsche Pfeifenmänner über, die noch am Anfang steht. Aber auch die Causa Amerell/Kempter wurde bald von Rechtsstreits in Sachen Amerell/Zwanziger überlagert, mit Verbandsinteressen hatte das wenig zu tun.

Was ist passiert in nur fünf Jahren, die Zwanziger den DFB alleine führte? Niemand vor ihm hatte mehr Hoffnungen geweckt. Zwanziger ist ein Mann des Wortes. Er kam aus dem Basislager der Amateure und rückte ins Blickfeld, was nicht in Toren und Trophäen zu messen ist: die sozialpolitischen Aufgaben des mit 6,7 Millionen Mitgliedern weltgrößten Verbandes. Zu gesellschaftlichen Anliegen fand Zwanziger meist das, was dem DFB bis dahin fremd war: passende Worte. Im Herbst 2009, nach dem Tod von Robert Enke, hielt er seine größte Rede.

Aber Schweigen, wo es nötig war, das konnte er immer seltener, immer öfter ging es konkret um ihn, um seine öffentlich gepflegte Empfindsamkeit. Das führte von der sozial- und kulturpolitischen Agenda weg und tief hinein in die Fußball-Glamourwelt. Deren Anziehungskraft erfordert enorme Willensstärke in Zeiten, da es Staatenlenker schon in den Nassbereich ihrer Nationalmannschaften drängt.

Angela Merkels Besuch bei Mesut Özil nach dem Türkei-Länderspiel im Herbst 2011 löste gar Irritationen zwischen DFB und Kanzleramt aus. Einen guten Schnitt mit den Helden der Nationalelf allerdings machte in jenen Tagen auch Zwanzigers Heimatverein VfL Altendiez, den Löws Kicker-Elite zur 125-Jahres-Feier besuchen musste.

Zwanziger geht, ein bestelltes Haus sieht anders aus, nicht nur wegen der Schiedsrichterei. Er will sich bis 2015 ganz seinem Amt im Vorstand des Weltverbandes Fifa widmen, der unter Korruptionsvorwürfen ächzt und wieder mal probiert, sich selbst zu reinigen.

Hier, im Reich Sepp Blatters, wo viele Unbekannte und die Sprachbarriere warten, gilt Zwanziger als Leichtgewicht. Er ist ja nun einer ohne Verband. Wie es aussieht, rundet dieses letzte Amt Zwanzigers flotten Weg durch die Fußballinstanzen ganz gut ab.