"Spanische Verhältnisse" in der Bundesliga Uli Hoeneß' Bauch ist beunruhigt

Nach dem Erfolg im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Wolfsburg fordert Bayern-Präsident Uli Hoeneß erneut eine Debatte darüber, wie das Leistungsgefälle in der Bundesliga verkleinert werden könne. Schalke und Dortmund glauben hingegen nicht an "spanische Verhältnisse".

Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat seine Sorge vor sogenannten "spanischen Verhältnissen" in der Fußball-Bundesliga erneuert und einen intensiven Meinungsaustausch auf Vereinsebene angeregt. "Ich finde schon, dass wir uns Gedanken machen müssen, dass die oberen zwei, drei Klubs nicht total davonlaufen, dass die anderen mithalten", erklärte Hoeneß nach dem Einzug seines FC Bayern ins DFB-Pokalfinale am Dienstagabend in München.

Er habe "kein Patentrezept", wie man eine Zweiklassengesellschaft wie in Spanien verhindern könne, wo der FC Barcelona und Real Madrid die Primera División seit Jahren beherrschen und den Meistertitel fast immer unter sich ausmachen. Seit 1985 wurde dieser Dualismus in Spanien nur vier Mal durchbrochen: durch Atletico Madrid (1996), Deportivo La Coruña (2000) sowie vom FC Valencia (2002, 2004). Ein größerer Kreis, dem nicht nur er und Dortmund-Chef Hans-Joachim Watzke angehören sollten, solle sich zusammensetzen und darüber diskutieren, ob angesichts der sich derzeit abzeichnenden Dominanz von Bayern und Borussia Dortmund mögliche Maßnahmen "überhaupt notwendig sind oder auch nicht".

"Vielleicht sehe ich das auch überspitzt. Aber mein Bauch sagt mir, dass im Moment nicht alles in Ordnung ist, wie es in der Bundesliga ist", bemerkte Hoeneß. Auf Dauer benötige eine Liga Spannung.

Der FC Bayern führt als schon feststehender deutscher Meister in der 50. Bundesligasaison die Tabelle nach 29 Spieltagen mit 20 Punkten Vorsprung an. Der Tabellenzweite Dortmund liegt weitere acht Zähler vor Bayer Leverkusen auf Rang zwei.

Hoeneß fürchtet bei ähnlicher Konstellation mit Bayern/Dortmund auf Dauer rückläufige Besucherzahlen, sinkende TV-Quoten, Desinteresse. "Gewarnt werden muss, wenn es einem gutgeht", hatte Hoeneß tags zuvor erklärt. Jetzt sei es für viele "noch höchst unterhaltsam", wenn die Bayern durch die Liga marschieren, mal 9:2, mal 4:0 gewinnen, aber, so Hoeneß: "Ich denke doch weiter, in zwei, drei Jahren ist das bestimmt nicht mehr so lustig." Hoeneß erinnert an seine eigene Zeit als Profi und an einen Wesenskern der Bundesliga: "Wenn wir etwa zu Rot-Weiß Essen gefahren sind, mussten wir uns warm anziehen, das waren Fights bis zum Geht-nicht-mehr. Oder in Kaiserslautern: Da fuhren wir mit sechs Nationalspielern hin und haben trotzdem 4:7 verloren."

Vorne "Shaq", hinten "Air" Neuer

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Hoeneß hob hervor, dass es für die Chancengleichheit wichtig sei, dass die Bundesliga solidarisch handelt, etwa bei einer gerechten Verteilung der Fernsehgelder. "Wir sind der Meinung, dass das ein Akt der Solidarität ist, dass die großen Vereine in Deutschland zurückstehen müssen. Das ist für uns im internationalen Vergleich natürlich ein großes Problem, weil Real Madrid und Barcelona in Spanien 100 Millionen mehr aus den Fernsehgeldern kriegen als wir. Wir müssen versuchen, das durch andere Aktivitäten im Sponsoren- und Merchandisingbereich auszugleichen. Das ist nicht immer einfach. Wir müssen auch weiterhin unseren Beitrag leisten."

Heribert Bruchhagen, Vorstand bei Eintracht Frankfurt, zählt zu denen, die den Hoeneß-Vorstoß skeptisch sehen. Er selbst habe schon "vor 20 Jahren diese Entwicklung vorhergesagt: Die Kluft wird größer." Wenn ausgerechnet Hoeneß "jetzt den Samariter spielt - da lachen ja die Hühner".

Schalkes Manager Horst Heldt wiederum erwartet keine "spanischen Verhältnisse" in Deutschland. "Bayern München ist das Nonplusultra. Das war schon immer so und wird so bleiben, auch wenn zwischendurch einmal ein anderer Verein deutscher Meister wird. Dahinter ist alles offen", sagte er. Heldt zweifelt aber daran, dass sich der BVB hinter den Bayern trotz mehr als 50 Millionen Euro Einnahmen aus dieser Champions-League-Saison wirtschaftlich uneinholbar von der Konkurrenz absetzt. "Ich glaube nicht, dass zum Beispiel der VfL Wolfsburg weniger Geld in seine Mannschaft investiert", sagte Heldt.

In Dortmund sieht man das ähnlich. "Ich glaube, dass es bei uns noch längst nicht so weit ist", erklärte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Er sieht seinen Klub noch nicht auf Augenhöhe mit dem Rekordmeister aus München und der restlichen Konkurrenz enteilt: "Dafür müssen wir als Borussia Dortmund diese Konstanz erst einmal über Jahre nachweisen."

Grundsätzlich sei es so, dass die Forderung nach international starken Mannschaften immer auch zu einem größeren Gefälle im nationalen Vergleich führe. "Wenn du dauerhaft Top-Mannschaften haben willst, werden die auch die Liga dominieren. Das ist in Spanien so, das ist auch in England so", sagte Watzke. Außerdem sieht er offenbar aktuell keinen Bedarf, für einen von außen gelenkten finanziellen Ausgleich zu sorgen: "Wir können uns nicht so weit in die Angelegenheiten anderer Klubs einmischen. Die sind für ihre positiven und negativen Entscheidungen selbst verantwortlich."