Scheich bei Paris St. Germain Neue Herrscher im Prinzenpark

Präsident des französischen Fußballklubs Paris Saint-Germain: Nasser al-Khalifa.

(Foto: REUTERS)

Ausgerechnet beim französischen Hauptstadtklub Paris St. Germain haben arabische Investoren das Sagen - das sollte der "Grande Nation" zu denken geben, aber die Liga ist begeistert. Während woanders über Financial Fairplay diskutiert wird, herrscht in Frankreich nur eine Maxime: Wie lässt sich mit Fußball weiter der Umsatz steigern?

Von Rémi Dupré

Die Information ist für die Sportpresse kein großer Aufreger gewesen. In einem Beschluss, den er am 12. November den Stadträten präsentierte, erklärte Bertrand Delanoë, der Bürgermeister von Paris, offiziell, dass die Stadt ihre jährlichen Zuschüsse für den Klub Paris St. Germain aussetze.

"Ab der Saison 2012/2013 wird PSG seine Aktivitäten ohne die finanzielle Rückendeckung der Kommune verfolgen", kündigte der Bürgermeister an. Eine letzte Überweisung musste die Hauptstadt ihrem Fußball-Team für die vergangene Saison noch zugestehen. Jetzt hat die Stadt den Geldhahn zugedreht - mit Blick auf die neue wirtschaftliche Größe von PSG.

Seit die Aktionäre der Qatar Sports Investments (QSI) den Pariser Klub gekauft haben, muss man das Tabellenbild der ersten französischen Liga mit anderen Augen lesen. Für 2012/2013 haben die Würdenträger aus Doha das Jahresbudget des Vereins im Vergleich zur Vorsaison verdoppelt. Ausgestattet mit einem Finanzpolster von 300 Millionen Euro ist PSG jetzt die fünftgrößte Finanzmacht im europäischen Fußball.

Dass PSG wirtschaftlich ganz anders dasteht, zeigt sich an pharaonischen Investitionen bei der Spielersuche: 248 Millionen Euro sind auf dem Transfermarkt ausgeschüttet worden, seit Nasser al-Khalifa, Statthalter von Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, dem Besitzer von QSI, die Kontrolle übernommen hat. Laut Onlineportal Transfermarkt hat kein anderer Verein so viel Geld ins Spieljahr 2012/13 investiert wie PSG.

Die Ankunft des argentinischen Mittelfeldspielers Javier Pastore für 42 Millionen Euro im August 2011 war der Anfang des munteren Einkaufens. Ein Jahr später kamen die AC-Mailand-Stars Thiago Silva (49 Millionen Euro) und Zlatan Ibrahimovic; der schwedische Stürmer soll ein Jahressalär von neun Millionen Euro netto beziehen.

50 Jahre Élysée: Le Monde und Süddeutsche Zeitung kooperieren

Am 22. Januar 1963 unterzeichneten Frankreichs Präsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer im Élysée-Palast einen Vertrag, der die deutsch-französische Freundschaft besiegelte. Zum 50. Jahrestag der Unterzeichnung  veröffentlichen die Süddeutsche Zeitung und das französische Blatt Le Monde eine binationale Kooperationsausgabe, in der Autoren beider Medien Meinungsstücke, Analysen und Reportagen austauschen. Einen Überblick über alle Texte finden Sie auf unserer Themenseite.

Der Winter-Transfer des Brasilianers Lucas Moura (45 Millionen) verstärkt nun die Offensive weiter, die sich der brasilianische Sportdirektor Leonardo zurechtphantasiert hat. Die Ausgaben zeigen Wirkung: Die PSG-Manager verzeichnen Mehreinnahmen aus dem Kartenverkauf von um die 20 Prozent. Mit mehr als 42.000 Zuschauern ist der Zuschauerschnitt von PSG bei weitem der beste in Frankreich.

Die Bonzen aus Katar zeigen Initiative. Sie wollen das seit 1972 bestehende Logo des Klubs modernisieren, sie kämpfen um eine Erweiterung des Stadions Prinzenpark auf 60.000 Plätze. Aber das hat die sportlichen Niederlagen der Pariser Mannschaft nicht verbergen können.

Die PSG-Fans haben nie verstanden, warum im Dezember 2011 der Trainer Antoine Kombouaré entmachtet werden musste, der seine Elf zur Herbstmeisterschaft geführt hatte. Unter Kombouaré-Nachfolger Carlo Ancelotti spielt die Mannschaft wechselhaft, wovon zuletzt das Fiasko der Nicht-Ankunft von David Beckham ablenkte.