Platini und die Fifa-Affäre Zwei Millionen, viele Fragen

Seine Erklärungen werfen immer neue Fragen auf: Uefa-Chef Michel Platini.

(Foto: dpa)
  • Wieso hat Michel Platini im Februar 2011 zwei Millionen Schweizer Franken von der Fifa erhalten?
  • Der Uefa-Chef äußert sich dazu nur kryptisch beziehungsweise nicht sonderlich glaubhaft.
  • Ein Blick in die damalige Zeit könnte die Lage erhellen: Sepp Blatter kämpfte damals um den Fifa-Thron - und brauchte Unterstützung.
Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Ein nicht unbedeutendes Fußballspiel an diesem Wochenende ist kurzfristig ausgefallen. Für Freitag hatten sich die Mitarbeiter des Fußball-Weltverbandes (Fifa) und der Europäischen Fußball-Union (Uefa) zu ihrem jährlichen Duell verabredet, aber daraus wird nun nichts. In einer gemeinsamen Entscheidung sei die Partie abgesagt worden, heißt es.

Und in der Tat haben sie gerade Wichtigeres zu tun in den Stäben der Verbände. Zuvorderst geht es um die glaubwürdige Darlegung einer Zahlung über zwei Millionen Schweizer Franken, die Fifa-Chef Sepp Blatter im Februar 2011 zugunsten von Uefa-Chef Michel Platini veranlasst hatte.

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Erst am Freitag vor einer Woche erfuhr die Fußballwelt von dem Vorgang; durch die Schweizer Bundesanwaltschaft, die ihn als "treuwidrige Zahlung" einstuft und Strafermittlungen eröffnete. Die Behörde führt Blatter als Beschuldigten, Platini als sogenannte Auskunftsperson: Das ist ein Spezialstatus im Schweizer Recht, zwischen Zeuge und Beschuldigtem.

Die Branche wartet auf eine Erklärung von Platini

Seither wartet die Branche auf eine schlüssige Erklärung. Platini kündigte zwar wiederholt an, das Mysterium aufzuhellen, verhedderte sich aber nur in Aussagen, die sogleich neue Fragen nach sich zogen. Donnerstag wurde der bevorstehende Rückzug seines Bürochefs Kevin Lamour bekannt. Ein anderer enger Vertrauter beklagt, dass Platini schwer zu vermitteln sei, dass er sich öffentlich erklären müsse. Aktuell verläuft die Verteidigungslinie so: Von 1999 bis 2002 arbeitete Platini als Blatter-Berater für die Fifa. In der Zeit hat er Salär und sonstige Aufwendungen von einer halben Million Franken pro Jahr kassiert; das Doppelte sei mündlich vereinbart gewesen. Weil es der Fifa damals finanziell nicht so gut ging, habe er auf die Restzahlung von zwei Millionen Franken zunächst verzichtet. Eingefordert habe er diese 2011, weil ihn da, heißt es in seinem Umfeld, Blatters sportpolitischer Kurs zunehmend verärgert und er den baldigen Bruch mit dem Mentor geahnt habe.

Die Argumentation ist aus vielen Gründen schwierig. Erstens war die Finanzlage der Fifa damals nicht so desolat, wie Platini suggeriert. Der Finanzbericht für das Jahr 2002, als Platinis Tätigkeit endete, weist dreistellige Millionengewinne aus. Aber selbst wenn die Lage angespannt gewesen wäre: Warum war die Überweisung dann in all den fetten Jahren danach nicht möglich, warum erst im Februar 2011?

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