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Fifa-Sperre gegen Jack Warner:Vier Jahre zu spät

  • Die Fifa-Ethiker sperren den früheren Karibik-Chef Jack Warner lebenslang.
  • Es sollt wohl ein Befreiungsschlag sein.
  • Das Urteil wirft weitere Fragen auf.

Die Fifa-Ethikkommission hat mit gut vierjähriger Verspätung reagiert: Am Dienstag wurde Jack Warner lebenslang gesperrt. Die vermutlich größte Skandalnudel unter den vielen in Verdacht geratenen Fifa-Spitzenfunktionären hatte schon im Mai 2011 unter starkem Korruptionsverdacht alle Ämter niedergelegt. Hieß es damals, man könne gegen den mit Enthüllungen gegen Sepp Blatter drohenden Warner nicht weiter vorgehen, weil er keine Anbindung an den Fußball mehr habe, wirft jetzt auch die späte Kehrtwende Fragen auf. Aktuell stehen die Fifa-Ethiker global unter Erklärungsdruck im Hinblick auf die Suspendierung von Fifa-Präsident Blatter und Uefa-Chef Michel Platini, die allgemein erwartet wird.

Nun also Warner, aber Luft verschafft das Verdikt der Kommission keineswegs. Es wirkt eingedenk des Zeitpunkts eher wie ein Befreiungsschlag.

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Kein Witz.

Warner habe in seiner Ägide als Vorstand der Fifa und Chef des Nord-/Mittelamerikaverbands Concacaf seit 1983 "fortwährend und wiederholt verschiedene Vergehen" verübt, teilten die Ethiker des Weltverbandes mit. Der frühere Chef der karibischen Fußball-Union CFU sei "Drahtzieher von Systemen, die die Gewährung, Annahme und den Empfang verdeckter und illegaler Zahlungen beinhalteten, sowie anderer Systeme zur Bereicherung" gewesen, urteilte die Spruchkammer unter dem deutschen Richter Hans-Joachim Eckert.

Der Spruch war überfällig. Die These, gegen aus dem Fußball verschwundene Funktionäre könne nicht vorgegangen werden, wurde schon Ende 2012 mit einer lebenslangen Sperre für Mohamed bin Hammam widerlegt; der Fifa-Vize aus Katar hatte zu dem Zeitpunkt gleichfalls alle Ämter abgegeben, damals auf Druck des Emirs: Nur zwei Tage später war ein Auftritt Bin Hammams bei einer Europarats-Anhörung geplant, bei dem er zur Fifa aussagen wollte. Die Fifa-Ethiker waren daran offenbar nie interessiert.

Bei Warner, dessen Verfehlungen unter anderem 2012 detailliert in einem Concacaf-Report ausgebreitet wurden und dessen Auslieferungsverfahren in die USA schon seit Mai läuft, dauerte es erheblich länger. Zufall oder nicht, hat es genau jetzt gepasst. Die Causa Warner berührt auch die Strafermittlung, die die Schweizer Bundesanwaltschaft gegen Blatter eingeleitet hat. Dabei geht es um einen 2005 ausgereichten TV-Vertrag durch den Fifa-Chef an seinen langjährigen Stimmenbeschaffer in der Karibik, der den Verdacht ungetreuer Geschäftsführung weckt: 600 000 Dollar musste Warner für die Rechte zahlen, bis zu 20 Millionen soll er aus dem Weiterverkauf erlöst haben.