Form von Mario Götze Undefinierte Spielfigur

Mario Götze steht vor einer wichtigen Saison in seiner Laufbahn.

(Foto: REUTERS)

Mario Götze war der Held des WM-Finales - doch er zeigt nur selten sein ungeheuerliches Talent. Allmählich entsteht der Eindruck, er könnte seinen größten Karrieremoment schon hinter sich haben.

Von Philipp Selldorf, Dortmund

Es gab während der zweiten Halbzeit tatsächlich ein paar ermutigende "Maaarioo-Götze"-Rufe auf der Südtribüne, sie waren klar und deutlich zu hören und wurden nach bisherigem Erkenntnisstand der Ermittlungsbehörden nicht unter Gewaltandrohung angestimmt.

Sie waren aber auch nicht Ausdruck von spontaner Begeisterung über ein leuchtend schönes Mario-Götze-Spiel, sondern eine Demonstration gegen jene Besucher, die bei jedem von Götzes Ballkontakten gepfiffen haben. Einige Beobachter behaupteten daraufhin, der Meinungskampf um den ehemaligen Dortmunder, heutigen Münchner und ewigen Finaltorschützen führe zur "Spaltung" der Anhängerschaft. Als ob nun ein religiöses Dilemma von gemeingefährlicher Bedeutung entstanden wäre.

Weltmeister sucht Normalform

Zwei Müller-Tore reichen gegen Schottland zum Auftakt der EM-Qualifikation. Die Defensivschwächen der deutschen Mannschaft geben allerdings Rätsel auf - wie der Gesundheitszustand von Marco Reus. Von Lisa Sonnabend mehr ... Analyse

Die Wahrheit ist, dass es sich allenfalls um einen Randgruppendialog handelte, der vermutlich auf Langeweile beruhte. Die meisten der rund 60 000 Zuschauer im Dortmunder Stadion nahmen an der Auseinandersetzung nicht teil. Stattdessen sahen sie mit einigem Wohlwollen, wie sich Götze um Wirkung bemühte, und sie sahen mit einiger Enttäuschung, dass dieses Bemühen weitgehend erfolglos blieb.

Der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler hatte, so viel Gutes lässt sich sagen, schon schlechtere Länderspiel-Auftritte als am Sonntagabend, übrigens auch bei jenem WM-Turnier, bei dem er unsterblichen Ruhm erwarb: Im Achtelfinale gegen Algerien zum Beispiel nahm ihn der Bundestrainer zur Halbzeit vom Platz, andernfalls hätte womöglich der eine oder andere ärgerliche Mitspieler selbst für die Auswechslung gesorgt, nachdem Götze 45 Minuten lang eine provozierend träge Figur abgegeben hatte. Im Finale setzte Löw spät auf Götze, brachte ihn aber in einer entscheidenden Phase. Was sich bekanntlich gelohnt hat.