Löw beim Confed Cup Gewinnen ist schon auch nicht so wichtig

  • Am Montag startet die deutsche Fußball-Nationalelf in Russland in den Confed Cup.
  • Das Ziel für Bundestrainer Löw ist nicht unbedingt der Titel, sondern "dass wir drei, vier Spieler so vorbereiten, dass es uns im nächsten Jahr hilft". Dann steht die WM an.
Von Martin Schneider, Sotschi

Das Olympiastadion in Sotschi strahlte in Regenbogenfarben, als Joachim Löw es wieder verließ. Das Dach des Stadions, in dem Deutschland gegen Australien in den Confed Cup startet, kann leuchten wie das der Fröttmaninger Arena in München - und das in bunten Farben. Joachim Löw hatte für einen Blick aber nicht lange Zeit, er ging mit der Mannschaft kurz in das Stadion, schaute sich um, prüfte den Platz - und ging wieder.

Das Abschlusstraining, das eigentlich hätte im Stadion stattfinden sollen, hatte Löw nach vorne verlegt. Die angesetzte Zeit der Fifa um 19.30 Uhr Ortszeit war ihm zu spät. Er wollte lieber schon um 18 Uhr trainieren, weil auch das Spiel um diese Zeit (in Deutschland um 17 Uhr) angepfiffen wird. "Mir war das zu spät. Dann hätten wir erst spät zu Abend gegessen, unsere Abläufe wären ein bisschen durcheinandergeraten", erklärte Löw.

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Fängt da jemand an, den Confed Cup richtig ernst zu nehmen? Joachim Löw hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf diese Frage konsequent "Ja und Nein" zu antworten.

Bei der Pressekonferenz vor dem Spiel sagt der Bundestrainer zum Beispiel kurze Zeit hintereinander Sätze wie: "Der Confed Cup insgesamt - auch, wenn das einige überraschen mag - ist für mich wie ein Geschenk." Und in der gleichen Pressekonferenz: "Natürlich gehen wir in das Spiel und wollen es auch gewinnen. Aber das ist nicht der Maßstab von allem."

Gewinnen ist nicht der Maßstab von allem - der Bundestrainer verteidigt diese Haltung, auch wenn vor allem ausländische Medienvertreter immer noch irritiert fragen, warum denn nun Neuer, Hummels, Kroos und Özil nicht dabei sind. Chile spielt doch auch mit Vidal und Sanchez und Portugal mit Ronaldo - auch wenn der Pressekonferenzen nach dem Spiel schwänzt, um nicht zu seinem möglichen Steuerprozess und seinem möglichen Wechsel befragt zu werden.

Aber Joachim Löw erklärt seine Entscheidung immer noch in aller Ruhe. Sowieso hat der Bundestrainer seine ansteckende Entspanntheit aus der Europameisterschaft erfolgreich ans Schwarze Meer hinübergerettet. Er wolle unter Wettkampfbedingungen testen - dafür rotiert er auch den Torwart. Bernd Leno (der als einer der wenigen deutschen Spieler ein bisschen Russisch kann, weil seine Eltern als Aussiedler nach Westdeutschland kamen - allerdings noch vor Lenos Geburt) wird gegen Australien im Tor stehen, sonst verriet Löw nichts über seine Aufstellung, außer, dass "gegen Australien vielleicht jemand spielt, der gegen Chile nicht spielt". Alles sei möglich.

Das erste Ziel überhaupt, erklärt Löw vor der Weltpresse, sei, "dass wir drei, vier Spieler so vorbereiten, dass es uns im nächsten Jahr hilft". Man werde hier unter Wettkampfbedingungen testen und ausprobieren. Und klar, einige Spieler benutze er hier auch, um den urlaubenden Stammkräften Druck zu machen. "Es tut jedem gut, wenn er spürt, er hat einen Spieler im Rücken, der auf seinen Einsatz drängt", sagt Löw. Das Publikum, das am Fernseher und auch jenes, das in Sotschi Eintritt zahlen soll, muss sich damit abfinden, dass der Bundestrainer von seiner Experimentier-Haltung nicht abrückt und nun auch offiziell erklärt, dass Gewinnen schon auch nicht so wichtig ist.

Der Fan und Zuschauer darf also hauptsächlich mitspekulieren, welche drei, vier Spieler er aus dem 21-Mann-Kader meinen könnte, die dann in einem Jahr für die WM in Frage kommen.

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