200 Fußballspiele sollen europaweit von Wettbetrügern manipuliert worden sein. sueddeutsche.de liegt eine Liste mit verdächtigen Spielen vor, unter anderem aus der Schweiz.
200 Fußballspiele in halb Europa sollen von Wettbetrügern manipuliert worden sein. Die ermittelnde Bonner Staatsanwaltschaft hält die Namen der Vereine geheim. Die Strafverfolger gaben lediglich bekannt, dass unter anderem drei Champions-League-Spiele sowie zwölf Partien der Europa League in diesem Jahr verschoben worden seien.
200 Fußballmatches in halb Europa sollen von Wettbetrügern manipuliert worden sein. (© Foto: ddp)
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Wenn der Verdacht zutrifft, könnte das Konsequenzen für den laufenden Wettbewerb haben. Während in sechs europäischen Ländern Erstliga-Spiele betroffen sind, gibt es in Deutschland keinen Hinweis auf die Verstickung von Spielern der ersten Bundesliga oder von Schiedsrichtern, die Erstliga-Spiele gepfiffen haben.
Insgesamt sollen in Deutschland 32 Spiele verschoben worden sein - von der Zweiten Liga abwärts bis zur 6. Liga. Inzwischen sind trotz der viktorianischen Diskretion der Ermittler einige Hinweise auf möglicherweise verschobene Partien durchgesickert. Es handelte sich um Partien, in die deutsche Spieler der Vereine SSV Ulm, VfL Osnabrück, Kickers Würzburg und der zweiten Mannschaft von Borussia Mönchengladbach verstrickt sein könnten.
Keine großen Vereine
Der Anfangsverdacht ist zum Teil sehr dünn (Ulm, Mönchengladbach). So ist im Fall der Ulmer, die im Sommer ein Freundschaftsspiel gegen Fenerbahce Istanbul 0:5 verloren, von "unbekannten Spielern" die Rede, die angeblich Geld kassiert haben sollen. Im Fall der Regionalliga-Mannschaft von Mönchengladbach sollen weder die Namen der angeblich geschmierten Spieler noch die Namen der angeblichen Wettbetrüger bekannt sein.
Auch soll der Versuch, das Spiel der Borussen gegen den SV Verl im Mai 2009 zu manipulieren, misslungen sein. Verl gewann in Mönchengladbach mit 4:3. Die Betrüger sollen angeblich auf einen Sieg der Borussen gesetzt haben. Die Belege der Ermittler in den Fällen Osnabrück und Würzburg sollen deutlich besser sein. Im Ausland gibt es jetzt erste Hinweise auf verdächtige Spiele. Auch keine großen Vereine, aber interessant ist das Muster der versuchten und wohl auch oft erfolgreichen Manipulationen.
sueddeutsche.de liegt eine Liste mit verdächtigen Spielen vor und bringt einen Auszug mit Spielen aus vier Ländern:
Schweiz, zweite Liga, Yverdon Sport gegen FC Thun am 26. April 2009: Spieler der Gastmannschaft sollen 15.000 Euro dafür erhalten haben, dass sie mit vier Toren Unterschied verlieren. Das Spiel endete 5:1. Wettgewinn der angeblichen Bande: 60.000 Euro.
Schweiz, zweite Liga, FC Gossau gegen FC Locarno am 24. Mai 2009: Mehrere Kicker sollen 20.000 Euro dafür bekommen haben, dass die Heimmannschaft mit mindestens zwei Toren Unterschied verliert. Ergebnis: 0:4. Die mutmaßlichen Täter sollen bei fünf Wettanbietern insgesamt 149.400 Euro gesetzt haben. Allein der Türke soll 40.000 Euro Gewinn gemacht haben.
Belgien, zweite Liga, Olympique Charleroi gegen UR Namur, 14. März 2009: Ein angeblicher türkischer Wettbetrüger soll einem Mittelsmann Schmiergeld für Kicker von Namur gegeben haben, damit Namur mit mindestens drei Toren Unterschied verliere. Ergebnis: 3:0 für die Heimmannschaft. Bei einem Wetteinsatz von 50.000 Euro sollen 17.500 Euro Gewinn herausgesprungen sein.
Belgien, zweite Liga, UR Namur gegen Oud-Hevelee Leuven am 21. März 2009: Spieler von Namur sollen erneut bestochen worden sein, damit sie mit zwei Toren Unterschied verlieren. Ergebnis: 0:2. Die mutmaßlichen Täter sollen bei einem Wetteinsatz von 100.000 Euro einen Gewinn von 39.000 Euro erzielt haben.
Kroatien, erste Liga, NK Zadar gegen Hajduk Split am 26. April 2009: Kicker aus Zadar sollen 30.000 Euro dafür erhalten haben, dass sie ihr Heimspiel hoch verlieren. Ergebnis: 0:3. Wetteinsatz: 70.000 Euro. Da auf dieses Spiel in einer Kombination mit anderen Begegungen gewettet worden sei, die nicht wie gewünscht geendet hätten, seien die Einsätze verloren gegangen.
Türkei, erste Liga, Ankaraspor gegen Bursapor am 4. April 2009: Spieler sollen dafür geschmiert worden sein, dass Ankaraspor mit zwei Toren Unterschied verliert. Ergebnis: 0:2. Angeblicher Wettgewinn: 18.500 Euro bei 10.000 Euro Einsatz.
Die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt wegen "gewerbsmäßigem Bandenbetrugs".
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(sueddeutsche.de/jüsc)
Promis und die Liebe - Schmachtwort der Woche
Die Entrüstung der Funktionäre ist teilweise scheinheilig. Die staatliche Legitimierung der Wettgeschäfte fördert doch erst Geldgier, Arbeitsscheu und Verwahrlosung der Menschen. Krankhafte Finanzspekulanten werden vom Staat zu Recht angeprangert, der sich im Handumdrehen aber selbst wie die vielzitierte Heuschrecke fehlbenimmt. Die Folgen der Spielsucht in Form von ruinierten Existenzen, psychisch Abhängigen und Kranken ist den Beteiligten letztlich egal, weil der Staat und die Verbände damit in großem Stil legale Geldwäsche betreiben. Gleichermaßen verlogen sind Sprüche wie Keine Macht den Drogen, wenn zugleich bei jeder Fußball-Spielpause im TV für Alkoholgetränke geworben wird, an deren sportlichen Genuss so viele Menschen elend zugrunde gehen. Wer wundert sich da noch über scheinbar grundlose Sauforgien unter Kindern und Jugendlichen? Ein Wort noch dazu: Wettgelder sind kein ehrlich verdientes Geld, sondern nichts anderes als schmutzige Spekulationsgewinne.