Fußball Italiens Nationalelf spielt flink wie ein Faultier

Matteo Darmian (re.): Erfrischenden Fußball spielt Italien gerade nicht

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Alles ist nur Pflicht und Drill, nichts macht Spaß: Die Auswahl von Antonio Conte ist langweilig, harmlos - und bei der EM wohl chancenlos.

Von Birgit Schönau

Ein Nudelauflauf, den die Deutschen wie nebenbei verputzen konnten. Die Abwehr aus Butter, das Mittelfeld weich gekocht, der Angriff ohne Würze. "Tutti malissimo", alle grottenschlecht in diesem "Dunkelitalien". Alessandro Florenzi, den Mario Götze herunterkippt "wie einen Spritz", Thiago Motta und Riccardo Montolivo "mit der Geschwindigkeit eines Faultiers": Am Tag nach dem Desaster von München beweist die italienische Presse eine Fantasie, die den Azzurri so offensichtlich fehlt.

Als müsse noch bewiesen werden, dass das Fußball-Palaver im Land des viermaligen Weltmeisters so viel interessanter ist als das, was dem darbenden Publikum auf dem Spielfeld geboten wird. Also verklärt die Gazzetta dello Sport Kapitän Gianluigi Buffon zum Heiligen Sebastian von der Allianz-Arena - der Märtyrer wurde weiland erst mit Pfeilen durchlöchert und sodann im Circus mit Keulen erschlagen. Da kann man nur hoffen, dass es für Gigi Nazionale nicht genauso dick kommt.

Nun blüht die Legende auf, dass Italien am besten ist, wenn alles verloren zu sein scheint

Acht Gegentore innerhalb von 14 Tagen am selben, wie verhexten Platz, erst mit Juventus Turin im Champions-League-Achtelfinale gegen die Bayern und dann mit der Nationalmannschaft, dürften dem Weltmeister von 2006 ohnehin erst mal reichen. Buffons aktueller Ligarekord von 973 Minuten ohne Gegentreffer wird durch die Münchner Geißelungen natürlich nicht angetastet. Aber man ist doch fast geneigt, der Trainerlegende Arrigo Sacchi recht zu geben, der jüngst geunkt hatte, Buffons Arbeitgeber Juventus sei wie Rosenborg Trondheim - national ein Gigant, international ein Zwerg.

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Der Corriere della Sera wandte das böse Sacchi-Wort prompt auf die Nationalelf an: "In Europa sind wir das, was Atalanta Bergamo oder Chievo Verona in Italien darstellen. Eigentlich ganz ordentliche Mannschaften, aber keine ernstzunehmende Konkurrenz."

Nun sind Italiener Dauerweltmeister der genussvollen Selbstdemontage, was sie nicht daran hindert, immer wieder wie der Mythenvogel Phönix glanzvoll aus der Asche zu steigen. Es gehört zum nationalen Legendenschatz, dass man dann am besten ist, wenn alles schon verloren zu sein scheint, vor allem im Fußball. Und so versichern die Betroffenen, die Klatsche sei doch an sich ganz nützlich, "damit wir wissen, was wir besser machen müssen" (Antonio Conte), und jedenfalls keine Tragödie, "denn bis zur EM werden wir bereit sein" (Riccardo Montolivo). Besser machen. Bereit sein. Schon gut, aber mit welchem Personal?

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In München schienen die Italiener die Deutschen zu sein und die Deutschen die Italiener. Was nicht nur daran liegt, dass Joachim Löw das lässig-elegante Auftreten eines Signore hat, während der immer etwas bieder wirkende Conte vor der Bank so haltlos-wütend aufstampfte wie das Rumpelstilzchen aus Grimms Märchen. Die Deutschen bewiesen jene taktische Flexibilität, die einst das Markenzeichen der Italiener war. Und sie zeigten das, was den Italienern so schmerzlich fehlt: Talent. Vom viel beschworenen "genio italiano", jenem italienischen Genius, der mit seiner flinken Intelligenz die internationale Konkurrenz in den Schatten stellt, ist diese Squadra Azzurra nicht beflügelt.