Bundesliga-Spitzenreiter HSV verliert bei Drittligist Osnabrück, Hertha BSC scheitert in München, Leverkusen floppt in Kaiserslautern - so ist der DFB-Pokal?
Es gibt ein paar Sätze, die einfach so in ein Gespräch eingeflochten werden dürfen, ohne Erklärung. "Der Pokal hat seine eigenen Gesetze" ist so ein Satz. Jeder ist nun informiert: Aha, ein Bundesligist hat mal wieder gegen einen Verein der zweiten oder dritten oder fünften Liga verloren und ist aus dem DFB-Pokal ausgeschieden. Jede weitere Begründung für die Niederlage ist überflüssig. Die Gesetze sind schuld.
Die Spieler von Osnabrück nach dem Sieg gegen den Hamburger SV. (© Foto: ddp)
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Es sind manchmal schon komische eigene Gesetze, die dieser DFB-Pokal da hat - und viele davon konnte man in dieser zweiten Runde bestaunen. Da gab es etwa die Drittliga-Spieler des VfL Osnabrück, die zunächst 2:0 gegen den Hamburger SV führten und plötzlich 2:3 zurücklagen. Dann plötzlich griff wieder eines dieser eigenen Gesetze, Osnabrück erzielte den Ausgleich und gewann im Elfmeterschießen.
Ähnlich erging es 1860 München beim Spiel gegen Hertha BSC Berlin. 2:0 führten die Münchner, plötzlich stand es 2:2, das Spiel drohte zu kippen. Doch dann vereinte sich ein DFB-Pokal-Gesetz mit einer Regel, die für den gesamten Fußball gilt. Es ist die Regel des Anti-Laufs, nach der eine Mannschaft, die vier Spiele in Folge verloren hat, nun nicht einfach durch Zufall ein Spiel gewinnen darf. Also vergaben die Berliner in der Verlängerung zahlreiche Gelegenheiten und scheiterten bei den Elfmetern. Schuld an der Niederlage waren freilich die eigenen Gesetze des Pokals und nicht die Tatsache, dass die Berliner 75 Minuten lang keinen vernünftigen Angriff inszenieren konnten.
Es gab zahlreiche Überraschungen in dieser zweiten Runde des DFB-Pokals. Eintracht Trier etwa gewann gegen eine lasch auftretende Mannschaft von Arminia Bielefeld, der MSV Duisburg warf Borussia Mönchengladbach aus dem Wettbewerb, Kaiserslautern besiegte Bayer Leverkusen. Immer wieder war er zu hören, dieser Satz vom Pokal und von den eigenen Gesetzen.
Dass sich eine Mannschaft gegen diesen Anti-Lauf - von dem ohnehin niemand so genau weiß, ob sich ein Verein ihn nun einfängt wie eine Erkältung oder ob er einfach nur so mal vorbeischaut - und auch gegen die eigenen Gesetze des DFB-Pokals wehren kann, bewiesen die Spieler des VfB Stuttgart. 0:1 lagen sie beim Viertligisten VfB Lübeck zurück, es sah so aus, als würde aus der Erkältung eine handfeste Grippe werden. Dann wechselte Trainer Markus Babbel mit Julian Schieber und Sami Khedira die Torschützen zum 1:1 und 2:1 ein.
Vielleicht hat dieser DFB-Pokal gar keine eigenen Gesetze - oder vielleicht sind diese eigenen Gesetze nur eine Fortführung dessen, was auch in der Bundesliga und in jedem anderen Wettbewerb gilt: Wer schlecht spielt, darf sich nicht wundern, wenn er verliert - egal, in welcher Liga der Gegner spielt.
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(sueddeutsche.de/jbe)
Harte Kritik des Bayern-Präsidenten
G 1: Erstliga-Mannschaft will/soll gewinnen, spielt den Angreifer, ist hinten offen, fängt ein Tor sich ein
G2: Erstliga-Mannschaft liegt hinten, spielt desorientiert und fängt sich nicht mehr oder wieder, muß dem Rückstand hinterlaufen und spiielt dann wieder offensiv, vernachlässigt Verteidigung und fängt sich ein weiteres Tor ein - oder .
G3: Erstliga-Mannschaft kann Rückstand nicht mehr aufholen (Verteidigung oder Torwart des Zweit-Drittligisten haben einen Supertag) oder wenn doch, verausgabt sich so sehr, daß es am Schluß nicht reicht - entweder weil sie sich noch ein Tor einfängt (mag Pech dabei sein) oder beim Elfmeterschießen nichts mehr zustandebringt. DAß
G4: Nach dem Schema G1-G3 sind die verlorengegangenen Spiele der Erstligisten abgelaufen. Überall da, wo der Erstligigst das erste Tor geschossen hat, hat er auch am Schluß gewonmnen.
G5: Daß der Erstligist verliert ist eine Ausnahme, die nach den Wahrscheinlichkeitsgesetzen auch mal gehäuft vorkommen kann. Auf Dauer gewinnt der Erstligist, weil er besseren Fußball spielt und die Motivation des Zweit-und Dritt-ligisten und auch das Glück/Zufall GRenzen hat. Der Pokalgewinner ist mit 95 %-iger Wahrscheinlichkeit ein Erstligist.
Alle dachten die letzten 2 Jahre, der Lucien Favre ist der Motor des Erfolgs, Bis er sich dann den Pantelic zurecht gelegt hat für den Abschuss, Und was Berlin ohne Pantelic noch wert ist, sieht man jetzt, 2. Liga,
Wenn ein Bundesligist gegen einen "Kleineren" spielt...
...und 11:0 gewinnt:
- der Kommentator weist sofort darauf hin, wie gut der "Kleine" 10 Minuten lang mitgehalten hat (" ein gleichwertiger Gegner")
... und 5:0 gewinnt:
- der Kommentator verweist auf den großen Kampf, auf das Glück des Erstligisten und auf die Fehlentscheidung beim Einwurf.
... und 1:0 gewinnt:
- der Kommentator erinnert an den Bestechungsskandal Anfang der 70er und tritt den Tränen nahe eine Trainerdiskussion los.
Ansonsten ist es toll, dass beim Fußball im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten auch mal der Außenseiter eine Chance hat!
"Man probiert es, aber wenn es schief geht, hält sich der Frust in Grenzen." In München braucht´s den Pokalsieg sowieso nur, damit man ein "Double" feiern kann.
Bei entsprechendem Losglück und etwas Pokalsensation spielt dann ein schwacher Club als Pokalsieger (oder nur -finalist) in der nächsten EuropaLiga (z.B. Guingamp).
Selbstverständlich hat der Pokal seine eigenen Gesetze. Zum einen wäre da die recht merkwürdige Praxis, die der einen Mannschaft den Vorteil verschafft, zuhause vor eigenem Publikum antreten zu dürfen, während die andere auswärts spielen muss. Man stelle sich folgendes Szenario in der Champions-League vor: Uli Hoeneß zu Markus Hörwick: "War schon Auslosung? Gegen wen spielen wir?". Hörwick: "Ja, gegen Real Madrid." Hoeneß: "Zuhause oder auswärts?". Hörwick: "In Madrid". Hoeneß: "Mist!".
Ein weiteres, höchst merkwürdiges Pokalgesetz schreibt vor, dass ein Vertreter der Bundesliga oder 2. Bundesliga gegen einen Verein ab der dritten Liga selbst dann den Nachteil eines Auswärtsspiels in Kauf nehmen muss, wenn die Auslosung ein Heimspiel ergeben hat.
Diese Pokalgesetze verhindern eine fairen Wettbewerb. Kein Wunder also, dass starke Bundesligisten nur mäßig motiviert in diesen Wettbewerb gehen. Man probiert es, aber wenn es schief geht, hält sich der Frust in Grenzen. Somit resultieren die sprichwörtlichen "eigenen Gesetze" des Pokals aus den realen Gesetzen des Pokals. Man kann das gut finden oder schlecht finden. Aber es ist so.
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