Cristiano Ronaldo Ronaldo busselt die Steueraffäre weg

Ein Bussi vor dem Spiel für die zehnjährige Polina.

(Foto: imago/ITAR-TASS)
  • Cristiano Ronaldo lenkt beim Confed Cup mit rührenden Gesten von seinen steuerrechtlichen Problemen ab.
  • Neue Enthüllungen belasten den 32-Jährigen schwer. Unklar ist jedoch, ob diese vor Gericht zulässig sind.
  • Die fraglichen 14,77 Millionen Euro will Ronaldo dem spanischen Fiskus vor seinem Gerichtstermin dennoch überweisen.
Von Johannes Aumüller und Javier Cáceres

Es hat an diesem Abend in Moskaus Otkrytie-Stadion wohl kaum einen glücklicheren russischen Zuschauer gegeben als Polina Hajeredinowa. Das Mädchen ist zehn Jahre alt, sitzt im Rollstuhl und wohnt bei Pflegeeltern. Vor dem Spiel zwischen Russland und Portugal kam sie Hand in Hand mit Cristiano Ronaldo aufs Spielfeld. Und als die Kicker aufgereiht dastanden, schenkte ihr Ronaldo schnell noch seine Jacke und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn; als Dank zurück gab es ein Armband in den portugiesischen Farben. Die Jungs, die sich nebenan vor Rui Patricio und Pepe postierten, blickten jedenfalls ziemlich neidisch.

Vorbereitet worden war das alles von einem Sponsor des Weltverbandes Fifa und des WM-Turniers. Ein sympathischer Ronaldo, das ist ein Bild, das der Portugiese und seine Entourage gerade gut gebrauchen können. Denn auch in diesen Tagen, in denen die Seleção dank Ronaldos Kopfball-Tor und dem daraus resultierenden 1:0 gegen Gastgeber Russland den Halbfinal-Einzug im Confed Cup nur noch theoretisch verspielen kann, geht es zuvorderst nicht um sein sportliches Auftreten. Sondern um die Folgen der Steueraffäre - und eine weitere Eskalation in dieser Causa.

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Nur kurz nach Ronaldos Küsschen auf die Stirn der kleinen Polina wurde eine Meldung bekannt, die das Zeug hat, die bisherige Verteidigungsstrategie des Angreifers von Real Madrid im Steuerbetrugsfall zu erschüttern. Der Spiegel veröffentlichte Dokumente, die von der Enthüllungsplattform "Football Leaks" stammen sollen und heikle Fragen aufwerfen. Es geht zwar nicht um neue Summen; aber es verstärkt sich der Verdacht, Ronaldo und seine Anwälte hätten Spaniens Fiskus betrogen.

Ronaldo war in der vergangenen Woche von der spanischen Staatsanwaltschaft angezeigt worden. Er hatte Werbeeinnahmen über Briefkastenfirmen in Steuerparadiese geschleust, darunter die Firma Tollin, die auf den Britischen Jungferninseln angesiedelt war. Ob er dabei all seinen steuerlichen Pflichten in Spanien nachgekommen ist, steht massiv in Frage. Er musste in den fraglichen Jahren - 2011 bis 2014 - als Begünstigter des sogenannten "Beckham-Gesetzes" nur den Teil seiner Einnahmen in Spanien versteuern, den er auch in Spanien selbst generierte.

Werbeverträge im Fokus

Die Staatsanwaltschaft und der spanische Fiskus sind der Ansicht, dass Ronaldo zwischen 2011 und 2014 knapp 15 Millionen Euro Steuern hinterzogen hat. Ronaldos Anwälte hingegen erklären, dass er etwa 20 Prozent seiner Werbeeinnahmen in Spanien versteuerte, obwohl er als globale Werbefigur 92 Prozent seiner Einnahmen im nichtspanischen Ausland generierte.

Das neue Problem für Ronaldo: Einer seiner Berater habe einen Vermerk verfasst, in dem es heiße, im Vertragsentwurf zur Firma Tollin solle "ein Bankkonto" eingetragen werden, "das 2008 existierte". Die Frage, die der Spiegel stellt: "Wurde es in Wahrheit rückdatiert?" Aus einer internen E-Mail aus dem Juni 2009 gehe hervor, dass Ronaldos britische Werberechte damals in einer britischen Bildrechtefirma lagen - "obwohl doch damals schon, laut dem von Ronaldo persönlich unterzeichneten Vertrag, die weltweiten Einnahmen über Tollin fließen sollten". Ebendiesen Vertrag habe Ronaldo im Zuge der Ermittlungen den Behörden zugänglich gemacht. Sollte tatsächlich getrickst worden sein, hätte Ronaldo unter Umständen ein Problem. Die Anwälte des Portugiesen äußerten sich zum Thema nicht.

Welche Bedeutung diesem Fund beigemessen wird, dürfte nach dem 31. Juli deutlich werden. Dann wird Ronaldo vor einem Ermittlungsrichter als Angeschuldigter angehört. Berichten zufolge wird Ronaldo vor der Anhörung die 14,77 Millionen Euro hinterlegen, die er hinterzogen haben soll - eine Summe, die angesichts seiner Einnahmen von geschätzt rund 85 Millionen Euro allein in 2016 verschmerzbar sein dürfte. Das soll aber kein Schuldeingeständnis sein, sagen seine Anwälte.