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Confed Cup:Erst gefeiert, dann ausgepfiffen

Russia v Portugal - FIFA Confederations Cup Russia 2017 - Group A

Portugals Cristiano Ronaldo setzt sich durch und trifft zum 1:0 gegen Russland.

(Foto: John Sibley/Reuters)

Der Stadionsprecher zog die Sache gnadenlos durch. "Nummer eins", begann er, "Igor", setzte er fort - und nahezu ohne Pause fügte er an: "Akinfejew". Das in der Fußballwelt und auch in Russland verbreitete Spielchen, dass der Sprecher nur den Vornamen des Spielers vorliest und das Fanvolk dann den Nachnamen skandiert, wird beim Confed Cup nicht praktiziert. Das verbieten die Regeln des Weltverbandes Fifa. Stattdessen wird der komplette Name vorgelesen und gibt es fürs Publikum nur die Möglichkeit einer Beifallsbekundung. So ging der Sprecher alle Aktiven des Abends durch, und der lauteste Applaus folgte nicht bei einem der elf russischen Akteure, sondern bei der Nummer sieben Portugals: bei Cristiano Ronaldo.

90 Minuten später waren die Tribünen dem Stürmer nicht ganz so wohlgesonnen. Denn Ronaldo war es, der den Grundstein legte für Portugals 1:0 (1:0) gegen den Gastgeber, der am Samstag im letzten Gruppenspiel gegen Mexiko um den Einzug ins Halbfinale kämpfen muss. Die Mexikaner gewannen am Abend 2:1 gegen Neuseeland und liegen einen Punkt vor Russland, gleichauf mit den Portugiesen.

Erst nach der Pause kommt Russland inspirierter daher

"Anschlag" heißt es im Russischen, wenn viele Menschen zu einem Spiel kommen und das Stadion ausverkauft ist. Tagelang und in Anbetracht der vielen leeren Plätze bei den bisherigen Confed-Cup-Partien hatten Veranstalter und Öffentlichkeit dieses Duell zwischen Russland und Ronaldo, als "Anschlag" annonciert; Organisationschef Alexej Sorokin in einem Interview sogar als "Superanschlag". Am kurzen Weg zwischen der Metro-Station Spartak und dem Stadion Spartaks fanden sich sogar vereinzelt Leute mit einem Zettelchen "Suche noch Karten" in der Hand. Doch als das Spiel losging, da tönte es zwar lautstark "Ros-si-ja" aus allen Ecken, ein paar freie Plätze waren aber noch zu bemerken.

Russlands Trainer Stanislaw Tschertschessow hatte sich im zweiten Turnierspiel seiner Sbornaja für eine Sicherheitsvariante entschieden. Gegenüber dem 2:0-Auftaktsieg gegen Neuseeland mussten zwei offensivere Spieler (Dmitrij Polos, Alexander Jerochin) weichen, dafür begannen die Defensivakteure Roman Schischkin und Dmitrij Kombarow. Mit ganz vielen Spielern diesen Cristiano Ronaldo bändigen, das war das Ziel des früheren Bundesliga-Torwarts Tschertschessow.

Die erste, nun ja, Chance für Russland gibt es nach 41 Minuten

Das Konzept bewährte sich gerade mal acht Minuten. Dann kam eine Flanke von Raphael Guerreiro - der sich später laut seinem Trainer so schwer am Knöchel verletzte, dass sein Saisonstart in Dortmund gefährdet ist -, von der linken Seite. In der Mitte ließ Fjodor Kudrjaschow, der nach einer Nasenoperation mit Maske im Gesicht spielt, Ronaldo viel zu viel Platz: Kopfball, 1:0 für Portugal. Als der Stadionsprecher nun noch einmal den Namen des Portugiesen verlas, gab's keinen Applaus mehr im weiten Rund, sondern vor allem Pfiffe.

Eine Viertelstunde später hatte Ronaldo die nächste Gelegenheit, diesmal per Freistoß, aber der flog zu direkt auf Akinfejew, um gefährlich zu werden. Minute 32, die dritte Ronaldo-Chance: ein guter Übersteiger-Trick mitsamt hartem Schuss, Akinfejew hielt mit den Beinen. Die Portugiesen waren immens überlegen, wenn sie kombinierten, geschah das für die Russen oft viel zu schnell. Und im Spielaufbau leistete sich die Sbornaja ständig Fehler, insbesondere Denis Gluschakow in der Mittelfeldzentrale tat sich negativ hervor. Die erste, nun ja, Chance für die Russen gab es nach 41 Minuten: Nach einer Flanke hielt Fjodor Smolow in der Mitte den Fuß hin, aber der Ball ging doch gehörig daneben.

Nach der Pause kam Jerochin für Schischkin und später Polos für Kombarow - und Russland in der Offensive etwas inspirierter daher. Das führte zu mehreren Momenten, in denen das russische Publikum ob vermeintlicher Toraussichten die Lautstärke gravierend erhöhte, aber es führte nicht wirklich zu guten Möglichkeiten, geschweige denn zu Treffern. Dafür war es meist zu ungenau. Die besseren Gelegenheiten hatten auf der Gegenseite Ronaldo und André Silva, doch die blieben ungenutzt. Und nachdem in der Nachspielzeit ein Kopfball von Georgij Dschikija knapp über Portugals Tor strich und ein Schuss von Smolow mal wieder zu unplatziert war, stand die 0:1-Niederlage des Gastgebers fest.

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