Coutinho-Transfer Der FC Barcelona: die neuen Galaktischen

Neuer Heilsbringer im Camp Nou: Philippe Coutinho bei seiner Vorstellung in Barcelona.

(Foto: dpa)
  • Philippe Coutinho wechselt für geschätzte 160 Millionen Euro vom FC Liverpool zum FC Barcelona.
  • Damit wachsen die Transferausgaben der Katalanen auf fast 400 Millionen Euro an. Im Sommer soll außerdem Stürmer Antoine Griezmann kommen.
  • Das ist Teil einer neuen Strategie. Barcelona will durch Investitionen die eigene Finanzlage verbessern.
Von Javier Cáceres

Die Heiligen Drei Könige hatten ihre Geschenke für die Kinder auf der iberischen Halbinsel längst abgeliefert, als der FC Barcelona ankündigte, sich selbst beschenkt zu haben. Am Samstagabend, kurz nach 20 Uhr, verschickte die Presseabteilung des katalanischen Klubs eine Mitteilung, die aus drei kurzen Sätzen bestand und die interessanteste Zahl unterschlug.

Man habe sich mit dem englischen Premier-League-Klub FC Liverpool über den Transfer von Philippe Coutinho geeinigt, der 25-jährige brasilianische Nationalspieler werde einen Vertrag über fünfeinhalb Jahre unterschreiben, der eine festgeschriebene Ablöseklausel von 400 Millionen Euro beinhalte. Was die interessante Zahl ist? Die Ablösesumme des Brasilianers, der schon im Sommer hatte wechseln wollen. Englische und spanische Medien sprechen von 120 Millionen Euro plus 40 weiteren Millionen an erfolgsabhängigen Zahlungen. Die Zeitung El Mundo Deportivo präzisiert, Coutinho habe auf 15 Millionen Euro verzichtet, um seinen Teil zur Operation beizutragen.

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So oder so: Mit also hochgerechnet 160 Millionen Euro ist Coutinho nicht nur der teuerste Transfer in der Geschichte des FC Barcelona und der spanischen Liga; er darf sich zudem als teuerster Wintertransfer sowie als drittteuerster Profi der Geschichte fühlen. Nur sein brasilianischer Landsmann Neymar (222 Millionen Euro, zuvor FC Barcelona) sowie der französische Stürmer Kylian Mbappé (180 Millionen Euro) waren teurer. Neymar und Mbappé spielen seit Sommer bei Paris Saint-Germain; Mbappé offiziell nur leihweise. PSG einigte sich mit AS Monaco, die Zahlung der Ablöse von 180 Millionen Euro bis Sommer 2018 hinauszuzögern. Sonst hätte PSG die "Financial Fair Play"-Regeln der europäischen Fußball-Union Uefa im Sommer komplett gesprengt.

Auch deshalb ist Barça nun der Verein, der in dieser Saison die meisten Transferausgaben getätigt hat: 392,5 Millionen Euro. Durch die geplante Verpflichtung des kolumbianischen Verteidigers Yerry Mina (Palmeiras São Paulo) für zwölf Millionen Euro wird in den nächsten Tagen auch die 400-Millionen-Euro-Grenze pulverisiert. Vor Coutinho kamen Ousmane Dembélé (Dortmund/145 Millionen Euro), Paulinho (Guangzhou Evergrande/40), Semedo (Benfica Lissabon/30,5), Deulofeu (FC Everton/12) und Marlon (Fluminense, verliehen an OGC Nizza/5). Doch es gibt nichts, was man nicht mit einem Aphorismus des verstorbenen Klubheiligen Johan Cruyff rechtfertigen könnte, nicht einmal die Verwandlung Barças in eine Galáctico-Truppe wie Erzfeind Real Madrid. "Das Geld gehört auf den Rasen, nicht auf die Bank", sagte Cruyff, als er noch Barça-Trainer war.

Die neue Klubpolitik, die aus dem Sportdirektoren-Duo Robert Fernández und Pep Segura die neuen Big Spender des Transfermarkts gemacht hat, ist einerseits dem Umstand geschuldet, dass der Markt weiß, dass Barcelona durch die Neymar-Millionen gerade flüssig ist. Die Folge: Verhandlungspartner rufen höhere Ablösesummen auf, wenn Barça Spieler sucht, die das Team von Spitzenkraft Lionel Messi verbessern können. Andererseits glaubt Barça, nur durch massive Investitionen die eigene Finanzlage verbessern zu können, die allmählich alarmierend wirkt.

Die Gehaltsausgaben beliefen sich nach Klubangaben vom Oktober mit 588 Millionen Euro auf sagenhafte 84 Prozent der Einnahmen (707 Millionen Euro) ohne Sondererlöse. Als gesund gilt ein Wert von 55 bis 65 Prozent. Der Kauf Coutinhos - und die für Sommer avisierte Verpflichtung des Franzosen Antoine Griezmann von Atlético Madrid für 100 Millionen Euro - soll nicht nur die sportliche Perspektive sichern, sondern auch die Medienwirksamkeit Barças erhöhen. Damit hofft man, die Position des Klubs bei der Verhandlung künftiger Werbeverträge zu verbessern.

Dass Coutinho über genügend Qualität verfügt, um Barça zu verbessern, daran besteht kaum ein Zweifel. Kurzfristig darf er aber nur in der Liga und im nationalen Pokal mithelfen, für den Rest der laufenden Champions League ist der Brasilianer gesperrt, weil er schon für Liverpool in der Königklasse gespielt hat. Aber Coutinho, der im Privatjet nach Barcelona geflogen war und am Montag nach dem obligatorischen Medizincheck offiziell vorgestellt werden soll, gilt als Spieler, der sich auf den Positionen hinter und neben den Spitzen wohlfühlt; egal, ob links oder rechts. Vor allem aber verfügt er über so viel taktisches Verständnis, dass er als designierter Nachfolger von Andrés Iniesta durchgeht. Der aktuelle Barça-Kapitän wird bald 34 - Zeit also, seine Nachfolge zu regeln.

Derweil steht Liverpool kurz davor, den Algerier Riyad Mahrez (Leicester City) zu verpflichten, um Coutinhos Planstelle zu besetzen. Mahrez soll 55 Millionen Euro kosten und die Wunden heilen, die Liverpools Trainer Jürgen Klopp sich am Samstag leckte. "Es ist kein Geheimnis, dass Philippe schon seit Juli, als Barcelona erstmals Interesse anmeldete, wechseln wollte", sagte Klopp: "Ich bin jetzt überzeugt, dass wir nichts in unserer Macht Stehende hätten tun können, um seine Meinung zu ändern." Auch die Liverpool-Fans, die in dieser Saison ein Coutinho-Trikot gekauft haben, sollen ein Trostpflaster bekommen: Der Klub versprach ihnen einen Einkaufsgutschein über knapp 60 Euro.

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