Champions League In der Umkleidekabine entscheidet Zlatan

Zlatan Ibrahimovic ist jetzt 34, sagt aber von sich, er sei eben erst auf dem Höhepunkt seiner Künste angelangt.

(Foto: AP)
  • Paris Saint-Germain gehört inzwischen zu den vier finanzstärksten Klubs der Welt und hat in dieser Saison noch nicht verloren.
  • Trotzdem ist der Verein in den vergangenen drei Jahren immer früh in der Champions League gescheitert.
  • Zudem kämpft die Mannschaft derzeit mit Motivationsproblemen - und jeder Menge Starallüren.
Von Oliver Meiler

Klar datierte Vorgaben bieten den Vorteil, dass man sie überprüfen kann. Fünf Jahre! Das war die gewagte Vorgabe. Fünf Jahre sollten reichen, sagten die Katarer, als sie Paris Saint-Germain kauften, um aus diesem mittelprächtigen Verein aus der superprächtigen Stadt eine Größe in Europa zu machen - eine Referenz, eine strahlende Marke. Das war 2011, vor fünf Jahren eben. Und so erwartet die Welt des Fußballs an diesem Winterabend im Pariser Parc des Princes, wenn PSG im Achtelfinale der Champions League gegen den FC Chelsea antritt, eine erste Antwort auf eine der ganz großen Fragen: Kann Geld alles - sozusagen aus dem Stand, aus dem Nichts?

Finanziell ist man schon mal ganz oben dabei. Mit einem Budget von 481 Millionen Euro, das zeigen die neuesten Zahlen des Schweizer Wirtschaftsprüfers Deloitte, ist PSG mittlerweile das viertgrößte Unternehmen unter den Klubs der Welt. Hinter Real Madrid, dem FC Barcelona, Manchester United. Und vor dem FC Bayern, Manchester City, dem FC Arsenal und Chelsea.

1 257 000 000 Euro für die reichen Klubs

Die Uefa beschenkt die Teilnehmer der Champions League reich. Ron-Robert Zieler will den Platz hinter Manuel Neuer im DFB-Tor behaupten. Basketball-Bundestrainer Fleming tritt einen Zweitjob an. mehr ... Sporticker

Damit der europäische Fußball-Verband Uefa mit seinem Financial Fairplay nicht allzu viel aussetzen konnte, hat der Emir aus Katar immer neue Schatullen geöffnet, von denen er behauptete, sie gehörten ihm nicht direkt. Eine Verrenkung wie eine Zirkusnummer. Hunderte Millionen Euro schoss der Emir schon in neues Personal: Zlatan Ibrahimovic, Ángel Di María, Edinson Cavani, Marco Verratti, Thiago Silva, David Luiz und viele mehr.

PSG, heißt es, wurde für Europa gebaut. Es soll international hell glänzen, damit auch Katar hell glänzt - möglichst bis 2022, wenn dort die viel diskutierte Weltmeisterschaft stattfinden wird. Der Fünfjahresplan hat zunächst mindestens so viel mit Marketing zu tun wie mit Sport.

Paris hat in dieser Saison noch nicht verloren

Das Experiment treibt unterdessen groteske fußballerische Blüten. Paris dominiert die französischen Meisterschaft, die Ligue 1, mit solcher Macht, dass die Medien mit der Beschwörung immer neuer, unnützer Rekorde versuchen, das Publikum einigermaßen bei Laune zu halten: Nach 26 Spieltagen liegt PSG mit 70 Punkten und einer Tordifferenz von plus 51 vorne - 24 Zähler vor dem Zweiten, vor der AS Monaco. Die Pariser haben in dieser Saison noch überhaupt nie verloren. Bleibt PSG in der Meisterschaft ungeschlagen? Unlängst schrieb die Zeitung Libération: "Der sportliche Wettbewerb ist tot." Es war ein angekündigter Tod. Von allen Vereinen der Ligue 1 bringt es die Hälfte nicht einmal auf ein Zehntel des Umsatzes der Pariser.

PSG ist der nationalen Konkurrenz derart entrückt, dass die Mannschaft mit Motivationsproblemen kämpft. Immer wieder kam es vor, dass sich die Herrschaften ihre Siege im Schleichgang erspielten, uninspiriert und süffisant. Als wähnten sie sich in Showmatches, in Exhibitionen. Es reichten jeweils kleine Nummern. Und nun also Champions League, von hundert auf tausend gewissermaßen.

Für ganz oben reicht der Schwachstrom nicht aus. Da würde es ein Umschalten brauchen, und das gelang bisher noch nie wie gewünscht. In den vergangenen drei Jahren scheiterte Paris immer im Viertelfinale, im Jahr davor schon in der Gruppenphase. Nun also läuft das fünfte Jahr mit katarischem Geld, die Geschichte entwickelt sich zur Geduldsfrage.