Bundesliga Duell der Strafraumstürmer

Sandro Wagner und Mario Gomez: Joachim Löw wird sich nur einen von beiden im Kader leisten.

(Foto: dpa)
  • Sandro Wagner und Mario Gomez haben am Wochenende bereits für den FC Bayern und den VfB Stuttgart getroffen.
  • Beide sind vom Spielertypus her klassische Strafraumstürmer.
  • Aber in der Nationalmannschaft wird es nur Platz für einen von beiden geben.
Von Christof Kneer

Sandro Wagner muss nicht befürchten, wegen Insiderhandels belangt zu werden. Er dürfte ohne größere Mühe nachweisen können, dass er von Robert Lewandowskis Verletzung nichts wusste, als er zum FC Bayern wechselte. Grund: Lewandowski war noch gar nicht verletzt, als Wagner sich entschied, seine Stelle als "Ressortleiter Angriff" in Hoffenheim für eine Stellvertreter-Stelle in München aufzugeben. Inzwischen ist in Bayerns Trainingslager in Katar aber bekannt geworden, dass Lewandowski die Patellasehne schmerzt, sein Einsatz im Rückrunden-Auftaktspiel bei Bayer Leverkusen am Freitag gilt als mindestens fraglich; ebenso wie der Einsatz von Mats Hummels, den eine Adduktorenblessur plagt. Für Hummels würde gewiss Niklas Süle einspringen, ein von allen zuständigen Stellen offiziell beglaubigter Stellvertreter. Und im Sturm haben die Bayern jetzt ja Sandro Wagner.

Ja, so schnell kann es gehen: Vor ein paar Tagen hat sich Wagner, 30, noch allerlei kompromittierende Fragen gefallen lassen müssen, er war da auch gar nicht beleidigt, er wusste ja, dass solche Fragen kommen würden: Herr Wagner, warum gefährden Sie Ihren Platz in Joachim Löws WM-Aufgebot, indem Sie sich bei Bayern freiwillig auf die Bank setzen? Der Tonfall der Fragen war immer so, dass man sich das "freiwillig" kursiv gedruckt vorstellen musste: freiwillig! Wagner hat dann immer geantwortet, dass er den Wechsel mit dem Bundestrainer besprochen habe und dass er bestimmt auf genügend Einsatzzeiten komme, um konkurrenzfähig zu bleiben.

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Nun könnte er zu Beginn des WM-Jahres also gleich in der Startelf stehen, es wäre ein Zeichen aus München die A 8 hinunter nach Stuttgart, wo in ungefähr 200 Kilometern Entfernung der größte Konkurrent stürmt: Mario Gomez, 32, der ebenfalls auf die eine Planstelle "Stoßstürmer" spekuliert, die Joachim Löw in seinem 23er-WM-Kader für Russland vorgesehen hat.

Wagner hat übrigens am Samstag das für Stürmer immer sehr wichtige 1:0 geschossen, bei Bayerns 6:0-Sieg im Test gegen den katarischen Erstligisten Al-Ahli wirkte er bereits gut integriert ins Offensivspiel seiner neuen Mannschaft. Im spanischen La Manga hat Gomez ebenfalls das für Stürmer immer sehr wichtige 1:0 geschossen, und ja, auch er wirkte schon sehr präsent im Offensivspiel des VfB Stuttgart, der den niederländischen Erstligisten Twente Enschede 2:1 besiegte.

Werner, Stindl, Götze, Gomez oder Wagner: Jogi Löw hat die Wahl

"Wie Brüder" seien Gomez und Wagner, hat kürzlich der große Miroslav Klose gesagt, der neuerdings als eine Art Edelpraktikant die Stürmer der Nationalelf betreut. Klose meinte damit weniger die romantische Ader der beiden Männer, die im Winter zu ihren Heimatklubs zurückgekehrt sind. Was er meinte, ist Gomez' und Wagners gemeinsame Abstammung von der Familie Neuner, auch wenn keiner von beiden die "9" als Erkennungszeichen auf dem Rücken trägt. Aber Gomez und Wagner sind offenkundig blutsverwandt, sie pflegen einen ähnlichen Aktions- und Bewegungsradius, sie kommen weniger rum auf dem Feld als die modernen Hybridstürmer, die alles ein bisschen und nichts richtig sind.

Mario Gomez und Sandro Wagner sind Strafraumstürmer reinen Wassers, und sie wissen, dass der Bundestrainer sich nur einen von ihnen im Kader leisten wird.

Löw weiß ja gar nicht mehr, wie ihm geschieht: Jahrelang konnte er vorne nur den Mangel verwalten, plötzlich hat er Stürmer für jede Lebenslage. Löw hat Timo Werner, der dem Spiel Tempo und Tiefe gibt; Löw hat Lars Stindl, der sich listig zwischen den Linien bewegt, und er hat immer noch Mario Götze, den man im Nadelöhr anspielen kann und der aus dem Nadelöhr auch wieder herausfindet. Und für Flanken, Brechstangen und sonstiges Traditionshandwerk hat er jetzt zwei wettballernde Brüder, von denen jeder in der Rückrunde versuchen wird, häufiger das 1:0 zu schießen als der andere.

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